Trotz allen Verboten hatten die Schüler um Irene Nießen und Alois Kell der Schulentlaßklässler 1947 der Volksschule Eicherscheid sich heimlich zur Schulpause im Zwischtrakt des der Schule angegliederten Feuerwehr-Spritzenhauses getroffen und fröhlich locker das Tanzbein geschwungen. Lehrerin, Frl. Lauer, war garnicht "amused", als sie plötzlich im Raum stand und so wurde kurzerhand die bevorstehende Schulentlassfeier im April 1947 für die Schüler abgesagt.

Quelle: Erz. Irene Nießen, geb. Linzenich

                                                              14.11.14 - Ludwig Siebertz

Nach dem 2. Weltkrieg war die Not in den Dörfern extrem. Die Armut mußte regelrecht verwaltet werden. Und so macht ja bekanntermaßen zwangsläufig die Not erfinderisch. So auch im gerade wieder aufblühenden Sportverein. Sportkleidung und Schuhe waren einfach nicht vorhanden. Und so entschlossen sich 1949 die damaligen Akteure (Eduard Claßen, Josef Kell, August Scheidt, Alfons Scheidt, Paul Stollenwerk, Franz Kaulard, Benno Küpper u.a.) zur Selbsthilfe: Illegalerweise fällten Sie im Wald "Op er Heed" ausreichend Tannen (Gemeinewald oder Staatsforst?), holten diese Stämme mit Pferden heraus und ließen dieses Stammholz im damals im Monschauer Land fast einmaligen Sägewerk von Karl Heck "Om Hövel" sägen und verkauften dieses Schnittholz an die Benno Küpper bekannte Schuhfabrik Franzen in Dremmen. (Anlieferung mit altem Borgward). Als Verkaufspreis erhielten die Germania-Akteure 20 nagelneue Fußballschuhe; für damalige Verhältnisse ein toller Tausch! Da nicht alle Akteure mit neuen Schuhen bedacht werden konnten, mußten die Schuhe von den Spielern, die am Sonntag nicht spielen konnten, an die vorgesehenen Akteure ausgeliehen werden. (Quelle: Erz. Benno Küpper)  

Der 1. Satz Trikots wurde in dieser Zeit auf ähnliche Art und Weise "organisiert". Beladen mit ca. 5-7 Sack Roggen fuhr man via Lammersdorf, Hahnerstraße nach Roetgen (Weg über Fringshaus war gesperrt) und tauschte dort nahe der Grenze zu Belgien diesen Roggen gegen Kaffee. Dieser Kaffee wurde dann im Ort sehr schnell verkauft und von diesen Verkaufserlösen der 1. Satz Trikots angeschafft; im Übrigen war Eicherscheid mit dieser Aktion nach dem Kriege die 1 . Mannschaft mit einer einheitlichen Kluft. Diese Kluft wurde dann auch schon einmal an die damalige im Aufbau befindliche Fußball-Kreisauswahl ausgeliehen. (Quelle: Erz. Ulrich Förster).

               23.08.2014 - L. Siebertz  

 

Auf die Frage seines Sohnes, Hermann Josef Förster, in den 70-er Jahren an seinen Vater Heinrich (Schörresch Henderesch), was aus seiner Sicht bis dato wohl die beste Erfindung gewesen wäre, kam spontan die Antwort: Die Gummistiefel. Die Begründung ist für frühere Verhältnisse sehr plausibel:

Bekanntmaßen war und ist die Arbeit in der Landwirtschaft und vor Allem bei unserem häufigen Regenwetter sehr feucht und nass; insbesondere auch in früheren Jahren vor und auch z.T. nach dem Kriege, wo die Straßen im Ort nicht asphaltiert waren und man zu Fuß oder mit dem Pferde-Fuhrwerk durch Morast und Pfützen mußte. Vor der "Gummistiefel-Zeit" gab's halt nur Lederschuhe, die zwar immer getrant wurden, aber trotzdem nicht wirklich vor Nässe schützten. Nasse Füße waren somit in der weiten Landbevölkerung alltäglich und bekanntermaßen sehr unangenehm und ungesund.

        13.01.2014 L. Siebertz  -  Quelle: Erzählung Hermann Josef Förster

Bekanntlich war das Schmuggeln nach dem Kriege auch in Eicherscheid sehr ausgeprägt. Viele junge Männer aus Eicherscheid, die auch aktiv Fussball spielten, trugen ihren Kaffee o.a. zur Auffrischung der knappen Familienkassen über die belgische Grenze; bekanntermaßen oftmals gefährliche Routen. Mitunter machte man auch auf gefährliche Weise mit den an der Grenze tätigen Zöllnern seine Bekanntschaft. Und so wußten die Eicherscheider Fussballer und gleichzeitig Schmuggler, dass in der Kalterherberger Mannschaft auch Zöllner ihrem Fussball-Hobby nachgingen. So war der Tatendrang zur Revanche und Abrechnung mit den Zöllnern bei einigen Eicherscheidern zu den anstehenden Spielen immer sehr groß. Entsprechend "robust", war natürlich die Spielweise unserer Mannschaft. Dabei soll es manchmal sehr hoch hergegangen sein.

     13.01.2014 L. Siebertz  -  Quelle: Erzählung Kurt Förster