Am Gericht

Ein Ort mit geschichtsträchtiger Vergangenheit

 

Die Siedlung Am Gericht, gelegen an der Kreuzung der heutigen öffentlichen Straßen, der B 399 (Imgenbroich - Simmerath) und der L 106 (Eicherscheid - Konzen) ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort mit einer langen und historischen Vergangenheit. Hier wohnten bereits im 14. Jh die Vroenroter (Fronrather), die Vorfahren Eicherscheids. Im 16. Jh wurde hier, nachdem die Vroenroter Anf. des 15. Jh nach Eicherscheid umiedelten, der Richtplatz mit Galgen des Monschauer Landes hergerichtet.

Vroenrot - Froen-Rode - Fronrath

Der Ort unserer Eicherscheider Vorfahren Am Gericht

In einem Tauschvertrag vom für das Monschauer Land zuständigen Jülicher Herzog Wilherlm II. - Graf von Valkenburg und Graf von Valkenburg und Herr von Monschau - zu Gunsten Reinhard von Schönau wird 1361 neben vielen Orten des Monschauer Landes auch Vroenrot (heutige Schreibweise: Fronrath), der Ort der Eicherscheider Vorfahren genannt. In diesem Tauschvertrag wird das Monschauer Land zur Tilgung großer Schulden vom Jülicher Herzog an Reinhard von Schönau übertragen.

Die Verbindung "Vroenrot der Ort der Eicherscheider Vorfahren" ist in einem Protokoll vom 26. Juni 1550 niedergeschrieben. Dieses Protokoll findet man im Lehensbuch des "Eicherscheider Lehenshofes in Huppenbroich" (Lage links der heutigen Zufahrtstraße von Huppenbroich). Dieses Lehensbuch wurde ab  1473 beschrieben und ist im Staatsarchiv Duisburg einzusehen. (Anm. CD liegt unserem Arbeitskreis vor.)

In einer Anhörung vom 26.06.1550 wegen einer Zehnt-Streitigkeit des Eicherscheider Lehenshofes protokolliert Rentmeister Blomendalen von Monjoye u.a. die Aussage des Befragten "Lens uff dem Scheitt" wie folgt (Originaltext!):

Er, Lens uff dem Scheitt, ungefehrlich 83 jar, hait van synen alderen gehört, dass das dorf Froen-Eytscheit gelegen hab zu Froen-Roede, da das gericht nu steyt und soll affgebrannt syn und die naber hetten eynen benden gehadt zu Froen-Roede, den sy dene herrn gelassen und wird inen vergont, in dem busch zu buwen.

Er gibt weiter zu Protokoll, das Eytscheit (frühere Schreibweise von Eicherscheid), wohin die Vroenroter umgesiedelt sind, 1550 über 50 Feuerstellen  hatte, während die Anzahl der Feuerstätten in seiner Jugend (ca. 1475) wohl bei 16 - 18 lag. Ein weiteres Indiz der Umsiedlung ist, dass in vorliegenden Rent- und Forstmeister-Rechnungen , die nach 1500 erstmals geführt wurden, statt Vroenrot nur noch Eytscheit erwähnt ist. Die damaligen Bewohner Vroenrots haben also entsprechend diesem Protokoll Anf. es 15. Jh (ca. 1400 - 1420) den in der Nähe liegenden Busch gerodet und den Ort Eytscheit neu gegründet.

 

Am Gericht

Richtplatz des Monschauer Landes

In früheren Jahrhunderten hatte jedes eigenständige Gebiet seine eigene Gerichtsbarkeit und auch seinen eigen Richtplatz, an dem verhängte Todesstrafen, meistens am Galgen, vollstreckt wurden. Der Richtplatz mit Galgen - auch Galgenfeldchen genannt - für das Monschauer Land befand sich in oder in der Nähe der damaligen nicht mehr existierenden Siedlung Vroenrot (siehe oben), am heutigen "Am Gericht" hier oder nahe dieser heutigen Wegekreuzung, früher der "Karrenweg" Imgenbroich/Konzen - Kesternich. Erstmals urkundlich erwähnt wird dieser Richtplatz im Protokoll vom 26. Juni 1550 - s.o. "Vroenrot": ".....da das Gericht nu steyt."

Dokumentiert ist die Hinrichtung Am Gericht eines Opferstockdiebes am 19.11.1633 durch den Henker aus Jülich. Zu weiteren Vollstreckungen liegen keine Dokumente vor, man kann aber sicher davon ausgehen, dass die Hinrichtung von 1633 nicht die einzigste war. Ab 1742 wurden auf Anordnung des Jülicher Kurfürsten generell keine Todesurteile mehr vollstreckt. In der französischen Besatzungszeit wurde der Galgen 1795 auf Anordnung der Behörden entfernt.

Besiedlung Am Gericht

Nachdem die Bewohner Vroenrots Anfang des 15. Jh. ihre Siedlung aufgegeben und in Eytscheit (Eicherscheid) neu gesiedelt hatten (s. Vroenrot), war das Gebiet um das "Gericht" über einige Jahrhunderte menschenleer. Dies änderte sich im 19. Jh.. 1828 beschloss der Kreistag Montjoie, den seit längerem ungenutzten Richtplatz - sämtlichen Gemeinden des Kreis zugehörig - öffentlich zu verkaufen.

Das betreffende Grundstück (ca. 1 preuß. Morgen) wurde 1828 von Hubert Schnitzler und Ehefrau Elisabeth geb. Claeßens aus Eicherscheid ersteigert. In diesen Händen ist das Grundstück bis zu deren Ableben verblieben; testamentarischer Erbe wurde um 1860 Heinrich Förster. H. Förster verkaufte das Grundstück kurze Zeit später an Mathias Küpper, wohnhaft ebenfalls in Eicherscheid; geschätzter Kaufwert 80 Reichsthaler. M. Küpper blieb auch nicht lange Eigentümer dieses Grundstückes: Er schloss einen Tauschhandel ab mit dem Vater des Alois und Johann Wilden, so dass das besagte Grundstück Eigentum der Fam. Wilden wurde. Er errichtete sehr schnell danach ein Wohngebäude am Standort des damaligen Richtplatzes.

1838 wurde Am Gericht das erste Haus mit Gaststätte von Peter Braun und Gertrud Löhrer errichtet, und zwar an der Ecke links jetzige B 399/Blumgasse L 106 Richtung Konzen (jetzt Haus Hommes). Ein weiteres Gebäude (s.vor) wurde um 1860 errichtet, später auch mit Gaststätte. An beiden Gaststätten machten früher die Pferde-Fuhrleute halt, wenn sie mit ihren Fuhren Kunstdünger, Briketts oder Kohlen vom Bahnhof Konzen oder mit "Streuver" aus dem Venn kamen. Erst nach dem 1. Weltkrieg wurde mit dem Bau der Häuser an der L 106 Richtung Eicherscheid begonnen.

 Thumbnail image

 

Fazit zum Standort Vroenrot/Fronrath und zum Richtplatz mit Galgen Am Gericht:

Im Protokoll von Lens uff dem Scheitt vom 26.06.1550 ist dokumentiert, dass Vroenrot da gewesen ist, wo das Gericht nun steht (...da das Gericht nu steyt). Aus einer Aussage von Herrn Heinrichs, Sohn des 1845 geborenen Johann Heinrichs - veröffentlicht 1927 im "Eremit am hohen Venn" - wird der Standort des Richtplatzes sehr deutlich. Hier heißt es: Nach Aussagen meines noch lebenden Vaters (Johann Heinrichs), der 1845 geboren wurde und dessen Eltern (Vater: Joh. Arnold Heinrichs, geb. 24.1.1811) ihm in seinen Jugendjahren davon erzählt haben, ist der ehemalige Richtplatz - auch Galgenfeldchen genannt - das Grundstück gewesen, auf dem die Wohnhäuser des Herr Alois Wilden und dessen Bruders Johann Wilden heute stehen. (Anm.: Die frühere Straße ("Karrenweg"-s.o) führte hinter den jetzigen Gebäuden (Richtung Eicherscheid) vorbei nach Kesternich).

Dieser Zeitungsbericht basiert auf einer Aussage von Herrn Heinrichs auf die Frage im "Eremit am hohen Venn" vom 04.01.1927, wer die Lage des Richtplatzes und die damaligen Eigentümer des besagten Grundstückes Am Gericht noch kennt. Dieser Bericht wurde in der gleichen Zeitung am 06.03.1927 veröffentlicht.

Aus diesen beiden Dokumenten/Berichten kann man heute sicher schließen, dass der Kern-Standort Vroenrot sowie der spätere Richtplatz an der Stelle der heutigen Kreuzung Am Gericht/Gebäude Wilden/später St. Klinkhammer lagen.

Anm.: Die erwähnten Familien Heinrichs sind die Vorfahren von Margot Braun, Eicherscheid 19, geb. Jansen, Tochter von Paula Jansen geb. Heinrichs; d.h., der erwähnte Johann Heinrichs war der Ur-Opa von M. Braun.

 Ludwig Siebertz - 19.04.2017

Quellen: Jahrbücher Monschauer Land; Buch "Eicherscheid - Ein Dorf erinnert sich"; Eremit am hohen Venn 1927; Privat-Doku Allo Hommes, Paul Stollenwerk.

 

Teil 1 - Vorwort des AK Geschichte Eicherscheid

Teil 2 - Ursprünge/geschichtliche Zusammenhänge

Teil 3 - Die Zeit vor Kriegsbeginn in Eicherscheid - u.a. Verfolgung Fam. Leo Kaufmann - Jude

Teil 4 - Der Krieg kommt näher - Evakuierung von Eicherscheid

Teil 5 - Chronologie 2. WK - Tote - Zerstörungsgrad - Sonstige Fakten von Eicherscheid

Teil 6 - Gefallene/Vermißte Soldaten - Ziviltote - Doku von Trude Heiler

Teil 7 - Das karge Leben nach dem Kriege - Leid und Zuversicht!

 

                                                                 01.03.2015 - Ludwig Siebertz

 

Teil 1 - Vorwort AK Geschichte Eicherscheid

Liebe Eicherscheider Geschichtsinteressierte!

Der 2. Weltkrieg, der größte bewaffnete Konflikt der Menschheitsgeschichte, war das düsterste Kapitel deutscher Geschichte, so auch für unseren Heimatort Eicherscheid an deren Ende die Freiheit Europas Stand. Dieses oder ähnliche Zitate liest man gerade in den letzten Monaten immer wieder, jährt sich doch in 2015 das ersehnte Kriegsende zum 70. mal. Über 55 Mio Menschen verloren im 2. WK ihr Leben davon ca. 7,4 Mio Deutsche und hiervon wieder ca. 4,3 Mio Soldaten. Rußland allein hatte ca. 25 Mio Tote aus dem 2. WK zu beklagen über 6 Mio Juden und andere Volksgruppen wurden in den Konzentrationslagern menschenverachtend und bestialisch umgebracht!  

Mit dieser Dokumentation zum 2. WK geht es uns vordergründig darum, die Geschehnisse vor, während und nach dem 2. WK in unserem geliebten Ort Eicherscheid für die jüngeren Generationen nochmals in Erinnerung zu rufen und die leidvollen Auswirkungen der älteren betroffenen Generation - im Übrigen unsere Mütter, Väter, Geschwister, Großeltern und sonstige direkte Verwandte und Freunde - darzustellen.

Leider mußten unsere Eltern und Verwandte gleich 2 Weltkriege überstehen und haben dadurch unsägliches Leid erfahren müssen. Zu Recht wird bei diesen Kriegsgenerationen immer wieder über deren "verlorene Jugend" gesprochen.

Diese nachfolgende Dokumentation wird nach und nach in den nächsten Wochen und Monaten sukzessive ergänzt.

 

Teil 2 - Ursprünge/geschichtliche Zusammenhänge - Quelle: "Ausstellung Routes of Liberation"

"Die Ursprünge des 2. Weltkrieges liegen im ersten weltweit ausgetragenen bewaffneten Konflikt, dem Krieg von 1914-1918. Die Verwüstungen der industrialisierten Kriegsführung verhalfen im Zarenreich der politischen Revolution der Bolschewisten zum Durchbruch, anderenorts autoritären oder extremistischen Strömungen wie dem Faschismus in Italien.

Um den Frieden zu sichern, etablierten die Siegermächte Großbritannien und Frankreich ein neues internationales System, bei dem das radikal kommunistische Sowjetregime ausgeschlossen blieb. Den Besiegten, dem Deutschen Reich, dem Habsburger und dem Osmanischen Reich, die sich von Monarchien zu Republiken gewandelt hatten, wurden Reparationen und Gebietsverluste auferlegt. Die Vereinigten Staaten als dritte Siegermacht sprachen sich für das Selbstbestimmungsrecht der Völker aus. Die USA sollten der europäischen Diplomatie allerdings bald schon den Rücken kehren. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 1928 und dem Absturz der amerikanische Aktienmärkte 1929, war dies ein Vorbote für den kommenden wirtschaftlichen Zusammenbruch auch in Deutschland.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 versetzte der internationalen Ordnung und der Demokratie einen verheerenden Schlag. Sie standen an der Spitze einer aggressiv nationalistischen Bewegung, die darauf abzielte, in Europa ein von Deutschland dominiertes, rassistisches Großreich zu errichten. Das Deutsche Reich verletzte durch seine Wiederbewaffnung internationale Abkommen und marschierte im Rheinland und Österreich ein. Großbritannien und Frankreich, die beide durch die Weltwirtschaftskrise geschwächt waren, schritten nicht ein. Sie wollten einen militärischen Konflikt unbedingt vermeiden, und so ließen sie auch zu, dass die demokratische Tschechoslowakei der Aggression der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Doch die Politik der Beschwichtigung blieb erfolglos. 1939 wendeten die Deutschen sich gegen Polen. Am 01.09.1939 marschierten deutsche Truppen im benachbarten Polen ein und lösten damit den grausamsten bewaffneten Konflikt der Menschheitsgeschichte aus.

 

Teil 3 - Die Zeit vor Kriegsbeginn in Eicherscheid

Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg waren die Folgen für Deutschland und auch für unsere Region sehr schwierig und ungewiss. Die Grenzen Europas wurden deutlich verändert, Deutschland mußte ihre westlichen Regionen (Elsaß-Lothringen, die Region Eupen-Malmedy sowie im Osten verschiedene Regionen) abgeben, der Monarchie folgte eine Repuplik (Weimarer R.), erhebliche Reparationszahlungen standen an u.v.m.. Deutschland erlebte eine turbulente Zeit mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Hinzu kamen immer wieder blutige Aufstände unterschiedlichster Gruppierungen im ganzen Reich. In den Versailler Verträgen 1919 wurden Deutschland erhebliche Wiedergutmachungsleistungen und Landabtretungen (s. vor) vorgegeben. Dies führte natürlich zu einem wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands und erheblicher Not bei der Bevölkerung. Im Herbst 1923 steht das Reich vor dem Konkurs. Gleichzeitig war dies weiterer Nährboden für politisch unruhige Zeiten. 

Im Nov. 1923 tritt erstmals Adolf Hitler, NSDAP-Führer, mit einem Putsch verstärkt in die Öffentlichkeit. Er scheiterte, aber es war (leider) nicht der letzte große Auftritt Adolf Hitlers.

Bei den in den 20-er Jahren des 20. JH durchgeführten Reichstagswahlen (RTW) spielte zunächst die NSDAP von A. Hitler im Monschauer Land und insbesondere auch in Eicherscheid eine unbedeutende Rolle. Bei den ersten RTW am 19.01.1919 war das "Zentrum" die dominierende polititische Kraft im Monschauer Land. Von insgesamt 482 Wahlberechtigten in Eicherscheid erhielt das Zentrum 449 Stimmen. Bei den RTW am 04.05.1924 waren die Ergebnisse ähnlich; auch bei den Wahlen am 20.05.1928 hat sich in Eicherscheid nichts wesentlich verändert, obschon in einigen anderen Orten das Zentrum deutlich verlor, dagegen die NSDAP überproportional dazu gewann. Auch bei den RTW am 14.09.1930 erhielt die NSDAP in Eicherscheid nur eine Stimme. Erst am 06.11.1932 erhöhte sich der Anteil auf ca. 5 %, allerdings nach der Machtergreifung Hitlers am 30.01.1933 stieg bei den Wahlen am 05.03.1933 der NSDAP-Anteil auf über 13 %, im Vergleich zu anderen Orten aber immer noch relativ niedrig. Die Veränderungen waren sicherlich auch das Ergebnis einer immer stärker werdenden Propaganda. Details der Wahlen liegen dem AK vor und können jederzeit eingesehen werden.

Es folgten Jahre mit neuen diskriminierenden und antidemokratischen Gesetzen, Presseeinschränkungen, Verbot freier Gewerkschaften, Diffarmierung ethnischer Gruppen, letztlich der 2. Weltkrieg selbst mit Millionen von Toten, bis hin zur bestialischen Ermordung von Millionen von Juden und anderen Volksgruppen im Laufe des 2. Weltkrieges. Eine Darstellung all dieser Wahnsinns-Entwicklungen würde den Rahmen unserer Möglichkeiten deutlich überschreiten, ausreichend Literatur ist hierzu allerdings im Internet oder in den Buchhandlungen vorhanden.

Im Jahre 1936 wurde von den Nazis der Bau des Westwalls geplant und in den Jahren 1938 - 1940 gebaut; ein gigantisches Vorhaben. Der Westwall war ein Verteidigungssystem von der NL-Grenze bis zur Schweiz über 630 km Panzersperren, ca. 18.000 Bunkeranlagen sowie Stollen, Unterständen etc. und sollte das Eindringen des Feindes in den Westen Deutschlands verhindern; eine riesigen Baustelle. Auch rund um Eicherscheid wurden einige Bunkeranlagen, MG-Scharten, Nachrichtenbunker etc. gebaut. Das Bauunternehmen Kuckertz aus Jülich war mit den Arbeiten betraut. Rund 180 Arbeiter waren in der hiesigen Gastronomie oder bei Privatleuten untergebracht. Im Bereich des Dorfplatzes Om Feijld waren viele Baracken für Personal und Material aufgebaut. 

1938 ca. Festzug  Ecke KriegerdenkmalThumbnail image

 

 

Das Schicksal der jüdischen Familie Kaufmann 1922 - 1939 in Eicherscheid

Seit 1922 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges 1939 lebte in Eicherscheid die einzige jüdische Familie des früheren Landkreises Monschau, Leo und Helene Kaufmann sowie Edith (Tochter) verh. Berg. Die Fam. Kaufmann hatte 1922 vom damaligen Bäcker und Gastwirt Junkersdorff im Zentrum von Eicherscheid (gegenüber der Kirche) ein Haus inclusive Gaststätte gekauft und diese Gastronomie auch weiter geführt. Gleichzeitig betrieb Leo Kaufmann eine Landwirtschaft sowie einen Viehhandel.

 

Thumbnail image

Thumbnail image

                                                       1922: Von L.Kaufmann gekaufte Haus mit Gaststätte.

                                                                 Im Foto die früheren Eigentümer Fam. Junkersdorff.

 

Die Familie Kaufmann war zunächst über einige Jahre im Eicherscheider Dorf- und Vereinsleben voll integriert. Dies änderte sich jedoch schlagartig nach der Machtübernahme der Nazis 1933. Bereits im April 1933 setzten mit den Boykott-Aufrufen jüdischer Geschäfte durch die Nazis die antisemitischen Aktionen ein. Als die einzigen jüdischen Bewohner im Kreis geriet auch die Familie Kaufmann aus Eicherscheid zwangsläufig ins Visier nationalsozialistischer Hetze. Nach den 1935 von Hitler in Kraft gesetzten Nürnberger Rassengesetzen verschärfte sich die Situation nochmals heftig.

Hierzu und auch zu der in Eicherscheid wohnenden jüdischen Familie Kaufmann schreibt Lehrer Hermann Althoff - gleichzeitig NSDAP-Zellenleiter - 1935 in der Eicherscheider Schulchronik wie folgt (Text ungekürzt!):

"Damit (Anm.:Rassengesetze) ist die Judenfrage, ohne deren Lösung es keine Erlösung des deutschen Volkes gibt, in ein entscheidendes Stadium getreten. Der Punkt des Programmes der NSDAP, daß kein Jude deutscher Staatsbürger sein kann, ist damit erfüllt. Die jüdisch orientierte Weltpresse wird wahrscheinlich wieder von Judenverfolgungen usw. nach altbekannter Methode zu berichten wissen und erneut und verstärkt zum Boykott gegen Deutschland aufrufen. Mag sein, Adolf Hitler geht seinen Weg mit eiserner Konsequenz. Die Welt wird ihm einmal dankbar sein müssen, daß er es gewesen ist, der als der Staatsmann die Juden, die Schädlinge der Menschheit, in ihre Schranken zurückwies und klar und deutlich die großen Gefahren aufzeigte, die diese Rasse ihrem Gastlande  immer gebracht hat und bringen wird.

Auch für Eicherscheid hat diese Frage immerhin einige Bedeutung, da der einzige Jude des Kreises Monschau in unserem Ort wohnt und ein Kind des Juden unsere Schule besucht. Was hat allein die Anwesenheit der jüdischen Familie schon für Schwierigkeiten hervorgerufen. Trotz aller eindringlichen Aufklärungsarbeit ist es leider bis heute noch nicht gelungen, die Bewohner unseres Ortes und Kreises restlos vom Geschäftsverkehr mit den Juden fern zu halten, und dabei sind die Fälle nicht gezählt, in denen der Jude Kaufmann aus Eicherscheid die biederen Bauern des Monschauer Landes "übers Ohr gehauen" hat. Manche wollen es immer noch nicht einsehen, dass es um mehr geht als um äussere Dinge".

Die Schikanen im Ort, eingeworfene Glasscheiben, Hakenkreuz-Schmierereien am Haus, antisemitische Gesänge vor den Fenstern etc. sowie die Hetze in der hiesigen Presse wurden zusehends größer. Der Zeitzeuge Alois Nießen, Jg. 1927 berichtete anläßlich der Stolpersteinverlegung am 10.05.2017 aus seiner Schulzeit, dass die Jungen, bevor sie sich im Sommer zum Schulsport "Om Feijld" auf den Weg machten, einen Umweg am Haus Kaufmann vorbei machen und Juden-diffamierende Lieder singen mußten. Auch wurden Sie vom Lehrer Althoff wiederholt aufgefordert, die Fensterscheiben am Haus Kaufmann einzuwerfen. "Es passiert euch im Nachhinein nichts", so die zynische Ansage des Lehrers.

Erfreulicherweise gab es, wie aus den oben angeführten "kritischen" Anmerkungen erkennbar wird, für die Kaufmann's auch in dieser Zeit noch Unterstützung ausThumbnail image der Eicherscheider Bevölkerung und dies trotz eines hohen Risikos für diese Bewohner. So versorgte z.B. die damalige Angestellte des heutigen Dorfladens, Sophie Förster, auf Veranlassung des Vorstandes, Josef Förster, abends bei Dunkelheit heimlich die Kaufmanns mit dem Allernötigsten. Diese Unterstützung haben die Kaufmanns wohl nie vergessen. So war Edith Kaufmann (verh. Berg) 1990 nochmals kurz zu Besuch bei Leni Förster geb. Stollenwerk aus Eicherscheid, Schwiegertochter von Josef Förster (s.o).

Die unerträglichen Diffamierungen und Verunglimpfungen mit den verbundenen Boykott-Aufrufen führten 1938 zum Ruin der Familie Kaufmann. In dem Jahr blieb Leo Kaufmann keine andere Wahl, sein Haus zu verkaufen.

Am 10.11.1938 wurde Leo Kaufmann schließlich verhaftet und zur Zwangsarbeit ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Wohl aufgrund der Tatsache, dass Leo Kaufmann Teilnehmer des 1. Weltkrieges gewesen und an der Front verwundet worden war, erreichte seine Frau nach 6 Wochen seine Freilassung. Er mußte unterschreiben, Deutschland ohne Mitnahme von Vermögenswerten unverzüglich zu verlassen. Der Familie gelang dann Anfang 1939 die Flucht über die nahe belgische Grenze; er tauchte in Brüssel unter. Als Jude dort erkannt, war er nach der deutschen Besatzung Belgiens wieder auf der Flucht und überlebte erfreulicherweise den 2. WK mit falschen luxemburgischen Papieren.

Nach Kriegsende kehrte Leo Kaufmann 1949 alleine über wenige Monate nach Eicherscheid zurück, während seine Frau und Tochter in der Zeit in Mützenich wohnten. Sie hatten verständlicherweise nicht die Kraft, mit ihrem Mann/Vater an den damaligen Wohnort zurück zu kehren. Wenig später emigrierte die Familie dann in die USA.

Zur Erinnerung an die denunzierte Familie Kaufmann und gegen das Vergessen wurden am 10.05.2017  3 STOLPERSTEINE am früheren Wohnort im Beisein des Künstlers und Urhebers dieser Steine, Gunter Demnig, verlegt.

 

Thumbnail image

Thumbnail image

Thumbnail image

 

 

 

 

 

Quellen: Schulchronik Eicherscheid, Zeitzeugen u.a. Alois Nießen, Doku Toni Offermann, Jahrbuch Monschauer Land 1997, Doku Trude Heiler.

 

Teil 4 - Der Krieg kommt näher - Evakuierung von Eicherscheid 

Seit Mitte 1944 war vielen klar, dass der Krieg in einigen Monaten auch in voller Härte und tödlicher Konsequenz unsere Region erreichen würde. Im September 1944 wurden die ersten Orte des Monschauer Landes von den Amerikanern besetzt (s. vor). Aachen wurde im Oktober 44 eingenommen; doch es sollten doch noch Monate der Angst und des Schreckens im Kriege vergehen. Im September 44 hörte man auch in Eicherscheid das erste ferne dumpfe Kanonen-Gedonner.

Bis zum Samstag, 02.09.1944, war noch geregelter Schulbetrieb. Das sollte sich schnell änderen. Am 03.09.44 kam plötzlich der Befehl zur Räumung der Schule. "Bänke und Tafeln wurden in einer Scheune unweit der Schule untergestellt. Die beiden Klassenräume wurden nun für Schanzarbeiter hergerichtet. Nach einigen Tagen trafen die Jungen ein. Es war Kölner Jugend, größtenteils Schulkinder, mürrisch und unfroh, zu einer so gefährlichen Arbeit heran gezogen zu werden. In früher Morgenstunde zogen sie zum Schanzen (Aushebung von Schutzgräben für die Soldaten bzw. Bau eines Panzergrabens) in Richtung Höfen aus; die Eicherscheider fünfzehn- und sechzehnjährigen Jungen (Jahrgänge 1928/29) mußten sich anschließen. Bald kamen die ersten Tiefflieger mit Feuergarben Richtung Schanzarbeiter und forderten die ersten Todes-Opfer. Besorgte Eicherscheider Eltern, (Anm.: Heinrich Kell, ? Scheidt u.a.) machten sich mit den Fahrrädern auf, die Söhne bei Nacht und Nebel heimzuholen". Die Front rückte näher, so dass die Arbeiten dann auch relativ schnell eingestellt wurden. (Quelle: Schulchronik)

Eine Aufregung folgt nun der anderen: In der 3. Sept.-Woche erschien plötzlich ein deutsches Sprengkommando mit dem Auftrag, den Kirchturm zu sprengen. Der Turm war wohl Zielorientierung für die Amerikaner beim Kanonenbeschuß von Mützenich Richtung Eicherscheid. Es gab keinerlei Aufschub zum Abbau der Orgel oder der Turmuhr. Plötzlich ein Knall, eine riesige Rauchwolke und der Turm war wie "abrasiert". Quelle Schulchronik: "Zum Glück ist nichts auf das Dach gefallen. Das Dorf hielt den Atem an; vielen Eicherscheidern blutete das Herz. Durch die Sprengung hatten besonders Orgel, Fenster und Uhr schweren Schaden genommen. Unsere Kirche, kaum 11 Jahre alt, war in wenigen Augenblicken eine halbe Ruine".

In der Zeit wimmelte es in Eicherscheid nur so von deutschen Soldaten. Sie waren in den Häusern bei vielen Familien einquartiert. Doch die Soldaten mußten schnell weiter an den Rhein.

Den Evakuierungsbefehl und das Nahen des Krieges vor Augen, wollte das Ein-, Um-, Auspacken der wichtigsten "Habseligkeiten" kein Ende nehmen. In die Erde damit, hatten die Soldaten empfohlen. So hatten dies wohl auch die Belgier und Franzosen zu Kriegsbeginn gemacht. Vieles wurde unter Holzhaufen, in Scheune oder Schuppen oder im Boden gut versteckt. Viele Eicherscheider haben auch ihre Karren beladen und dann das Hab und Gut in die umliegenden Wälder gebracht. Gegen Abend begann dann eine regelrechte "Völkerwanderung" zum Wald und zu den Unterständen zu. Andere blieben zu Hause und verkrochen sich in die Keller. In der Nacht zum 17.09.1944 erhielt Eicherscheid den ersten feindlichen Beschuß. Die feindliche Artellerie hatte es auf die Hauptstraße abgesehen. Die meisten Einschläge gingen jedoch ins Feld bis an die angrenzenden Wälder, so die Schulchronik. Zum Glück wurde keiner verletzt; einige Kühe mußten jedoch notgeschlachtet werden. Die Angst zu einer evtl. Evakuierung war nach wie vor sehr groß.

Gegen Ende September kam neue Aufregung. Einige Viehtreiber waren gekommen, alles überflüssige Milchvieh abzutreiben. Das Dorf hielt wieder den Atem an. Die Männer liefen zusammen und erhoben Protest. Die Treiber mußten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Aber sie kamen wieder, immer wieder, bis zwei Drittel des Viehbestandes abgetrieben war. Aber auch das ertrugen die Eicherscheider schweren Herzens, immer verbunden mit der Hoffnung, nicht evakuiert zu werden. Die Kartoffel waren natürlich um diese Jahreszeit reif. Die Angst hielt jedoch die Leute von den Feldern zurück. Zu Hause liefen jedoch die viele Vorbereitungsarbeiten für den Fall der Evakuierung, auch wenn daran keiner glauben wollte. Das ganze Dorf schlief in den Kellern (im Schulkeller waren über 70 Menschen!) bei Kerzenlicht und auf Strohlagern.

Leider kam bald die Stunde der Wahrheit, die Evakuierung ("Freimachung"). Bereits am 11.09.1944 hatte das Oberkommando in Berlin die Entscheidung zur Evakuierung getroffen. Die generelle Umsetzung erfolgte über die jeweiligen Gau-Leiter; zuständig für Köln/Aachen und somit auch für uns, Gauleiter Josef Grohe. Zunächst gab es den Räumungsbefehl für die Orte/Bevölkerung westlich des Westwalls, nämlich für die "Rote Zone" mit den Orten Roetgen, Lammersdorf, Konzen, Imgenbroich, Höfen, Simmerath. Da die "politischen Leiter", die Nazis vor Ort, teilweise bereits geflohen waren, blieb die Bevölkerung sehr oft auf sich alleine gestellt. Die Gau-Leiter legten auch die "Entsende- bzw. die Aufnahmekreise" fest. Die Bevölkerung der Entsendekreise Monschau und Schleiden wurde den Aufnahmekreisen Bonn/Euskirchen zugeordnet. Hieraus ergibt sich natürlich, dass viele Eicherscheider in den Regionen Rheinbach, Meckenheim, Altendorf, Zülpich etc.) evakuiert waren.

Zeitzeugen berichten, dass bereits am 07.09.1944 von den "Partei-Getreuen" im Ort eine Evakuierung gefordert wurde. Doch die Nazis hatten die "Rechnung ohne den Wirt gemacht". Die Eicherscheider widersetzten sich dieser Aufforderung und blieben - zunächst!

Am 15./17.09.1944 erging dann doch leider auch die offizielle Anordnung zur Vorbereitung der Räumung der "Grünen Zone", eine Zone mit 10 km Breite ostwärts des Westwalls, also auch für Eicherscheid. "An einem sonnigen Sonntagmorgen am 08.10.1944 (lt. Schulchronik) hieß es auf einmal, die Feldgendarmerie ist da. Wir hielten wieder den Atem an. "Es tut uns leid, aber ihr müsst räumen!". Oh weh, auch das noch! Soll uns denn nichts erspart bleiben? Wieviele Tränen mögen in diesen Tagen geflossen sein? Wir bleiben hier, wir wollen hier in der Heimat sterben!". Aber es half nicht. Noch am selben Tag musste die erste Dorfhälfte, am Montag, den 09.10.44, die andere Hälfte räumen. Auch die Viehtreiber kamen zurück. Pfarrer Jansen hatte zum Abschied So/Mo noch trostvolle Worte in den letzten 2 Messen gefunden".

Zeitzeugen unseres AK (Irene Nießen, Ulrich Förster, Heinrich Scheidt u. a.) berichten, dass sich die Großfamilien und Gruppen selbst organisierten und gemeinsam (nach dem Motto: "Gemeinsam macht stark"!) den schweren Weg über Hammer, Dedenborn, Einruhr, Gemünd am 1. Tag und weiter am 2. o. 3. Tag über Zülpich, Kommern, Euskirchen, Antweiler bis ans Ziel Rheinbach o.a. im wahrsten Sinne des Wortes gingen. Jeweils vor Ort an den Zwischenstationen gab es Anweisungen zur Übernachtung und zu  weiteren Zielorten am nächsten Tag. Es durfte nur das Nötigste mitgenommen werden, u.a. persönliche Dinge, Kleidung, alltäglicher Hausrat, wenige Fahrräder u.ä.. Wer ein Pferd hatte, konnte sich glücklich schätzen und dies samt Karre und 2 an die Karre fest gebundene Kühe mitnehmen. Das restliche Vieh wurde größtenteils vorher von Weißrussen ("Hilfswillige - Hiwi's" mit deutscher Uniform aber ansonsten ohne Rechte) abgetrieben und geschlachtet. Die Älteren warnten, sich nicht über den Rhein drängen zu lasen. Sie sahen die Gefahr von Brückensprengungen und dadurch eine erschwerte Rückkehr.

Während der nächsten Wochen und Monaten fuhren immer wieder jüngere Burschen und Väter mit ihren Fahrrädern nach Eicherscheid zurück um nach dem Rechten zu schauen, immer ein sehr gefährlicher Tripp. In den ersten Wochen hielten sich auch noch einige Eicherscheider widerrechtlich in den östlichen Wäldern Eicherscheid's (Böschfeijld, Düvelsley u.a.), unter Felsübersprüngen oder anderen Behausungen auf. Am Evakuierungsort wurde gearbeitet. Man half bei den Gastgeber-Familien in der Landwirtschaft, im Gewerbe oder auch in öffentlichen Einrichtungen soweit, es ging. Schließlich war man auch auf die karge Verpflegung in den Familien vor Ort angewiesen.

Obschon der Krieg erst zum 08.05.1945 offiziell beendet wurde, wußten natürlich alle, dass die Kriegshandlungen im Altkreis Monschau bereits Anf. Februar 45 beendet waren. Zwar war weiter auch für die Rückkehr ein "Permit" (Erlaubnis) der Besatzungstruppen notwendig, doch für viele Eicherscheider ware der Drang zur Rückkehr ungebrochen und größer; und so waren die ersten Rückkehrer trotz der formellen Vorgaben in kleinen Gruppen nach einem 2-Tages-Tripp bereits Ende März 1945 wieder zu Hause. Zitat in der Schulchronik: "Blutende Heimat, arme Heimat! Was ist über dich gekommen?". Bittere Tränen wurden geweint. Eicherscheid, ein Bild des Grauens: Laut offizieller Schätzung ist Eicherscheid zu 80 % zerstört. 25 Häuser sind abgebrannt, 15 durch Beschuss unbewohnbar, kein heiles Dach oder geschlossenes Fenster! Unrat durch Plünderungen und Kriegswirren bergeweise: Zerschlagene Möbel und Türen, verbeulter und kaputter Hausrat, modernde Kleidung und Bücher, Tierkdadaver uvm. Viele Eicherscheider rücken zusammen und wohnen mit größeren Familien in notdürtig hergerichteten 1-2 Zimmern.

 

 

Teil 5 - Chronologie 2. WK. - Zerstörungsgrad - Sonstige Fakten (Quelle u.a.: Routes of Liberation und Veröffentlichungen von Jürgen Siebertz)

1939

  • 01.09. Invasion und Besetzung Polens durch Deutschland
  • 17.09. Invasion Polens durch die Sowjetunion
  • 30.11. Sowjetischer Angriff auf Finnland

1940

  • April - Mai Massaker der Sowjets an polnischen Offizieren  in Katyn
  • 10.05. Deutscher Einmarsch in Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Frankreich
  • 15.05. Kapitulation der Niederlande
  • 22.06. Unterzeichnung des deutsch-französischen Waffenstillstands
  • Aug.-Mai 1941 Offensive der deutschen Luftwaffe gegen Großbritannien

1941

  • 22.06. Deutscher Einmarsch in die Sowjetunion
  • 11.12. Hitler erklärt den Vereinigten Staaten den Krieg

1942

  • Sept.-Febr. 1943 Schlacht um Stalingrad

1943

  • April-Mai Aufstand im Warschauer Ghetto
  • Dez. - 126 Eicherscheider Männer sind bzw. waren im Kriegsdienst.

1944

  • 06.06. Landung der Alliierten in der Normandie
  • 01-08.-02.10. Warschauer Aufstand
  • 03.09. - Befehl zur sofortigen Schulräumung wegen Unterbringung von Jugendlichen aus Köln, die zum Schanzen in Höfen in der Schule untergebracht wurden.
  • 12.09. - Roetgen wird von den Amerikanern eingenommen.
  • 15.09. - Beginn der Evakuierungs-Order durch die NSDAP
  • 15.09. - Besetzung von Mützenich und Monschau durch die Amerikaner.
  • 17.09. - Eicherscheid erhält den 1. feindlichen Beschuß (Quelle: Schulchronik)
  • Sept. - 3. Sept.-Woche - Sprengung des Kirchturmes durch deutsches Sprengkommando 
  • 08./09.10. - Evakuierung von Eicherscheid nach anfänglicher Weigerung.
  • 21.10. - Aachen wird als erste deutsche Großstadt eingenommen.
  • 16.12. - Beginn der Ardennenoffensive durch die deutschen Truppen mit T 250 Soldaten.

1945

  • 24.01. - Erste Ausgabe der Aachener Nachrichten (1. deutsche Zeitung).
  • 30.01. - Besetzung Eicherscheid's durch die Amerikaner
  • 31.01. - Auch Imgenbroich wird eingenommen.
  • 03.02. - Kesternich ist nach längeren Kämpfen auch komplett besetzt.
  • 04.02. - Besetzung von Wollseifen und Burg Vogelsang.
  • 05.02. - Einnahme von Strauch und Steckenborn.
  • 08.02. - Nach längeren heftigen Kämpfen wird Schmidt, der letzt Ort im Kr. Monschau, besetzt.
  • Ende März - Die ersten Eicherscheider kommen zurück aus der Evakuierung.
  • 08.05. - Ende des verheerenden 2. Weltkrieges.

 

Teil 6 - Gefallene/Vermißte Soldaten u. Ziviltote - Reihenfolge nach Todestag.

Dieser verheerende Krieg - das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte - hat auch in Eicherscheid brutale Spuren hinterlassen. Insgesamt verloren 57 junge Männer aus Eicherscheid im Krieg ihr Leben oder wurden als Vermißte registriert. (Zusätzlich 15 aus Hammer). Weiter hat Eicherscheid aus diesem Krieg 12 Ziviltote zu beklagen; also insgesamt 69 Tote bei ca. 900 Einwohner um 1939!! Nahezu jede Familie im Ort war von diesem Leid in der Zeit geprägt.

Die gefallenen Soldaten (Quelle: Aufzeichnungen Trude Heiler):

 

Thumbnail imageFörster Bruno, * 19.05.1916, † 11.07.1941 - 25 Jahre, Bruder von Felix Förster s.u., Sohn vom alten Küster - Beruf: Organist - wohnhaft jetzt Hermanns, Zum Belgenbach 1 -  Dienstgrad: Obergefreiter und Melder - Truppenteil: Feldpost-Nr. 06541 B - gefallen am 11.07.1941 im Dorfe Usstje/Orscha in Rußland

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Junkersdorff Hans, * 14.11.1909, † 03.09.1941 - 31 Jahre, Beruf Bäcker-Meister - wohnhaft jetzt Werden, Kirchweg 9 - Dienstgrad: Unterscharführer - Truppenteil: Feldpost-Nr. 27814 B - gefallen am 03.09.1941 westlich von Kandalakscha/Murmansk am Weissen Meer/Russland - beerdigt auf dem Heldenfriedhof Salla.  

 

 

 

 

 Thumbnail imageLinzenich Ludwig Nikolaus, * 24.08.1907, † 19.11.1941 - 34 Jahre, Beruf Kaufmann - wohnhaft jetzt N. Linzenich, Am Weiher 13 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 01652 B - vermißt seit dem 19.11.1941 im Lazarett Kursk/Rußland

 

 

 

 

 

 Thumbnail image

Jansen Alfons, * 06.10.1909, † 23.01.1942 - 32 Jahre, Polezejs - Beruf Gemeindebote - wohnhaft jetzt Hilde und Erich Offermann, Zum Belgenbach 18 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: 10 Kp. des Gren.Regt. Nr. 398 - am 20.01.1942 in einem Gefecht bei Krassnoje-Poljana schwer verwundet und am 23.01.1942 im Lazarett Nowo-Alexandrowskoje/Rußland verstorben. Beerdigt auf dem Heldenfriedhof Nowo-Alexandrowskoje.

 

 

 

 

Thumbnail imagePier Rudolf, * 24.11.1919, † 17.08.1942 - 32 Jahre, Pieesch/Breefdräjesch - Bruder von Edmund und Julius Pier (s. nachf.) - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Schiller, Zum Belgenbach 16 - Dienstgrad: Oberschütze - Truppenteil: Feldpost-Nr. 23316 - gefallen am 17.08.1942 in Gretnja/Rußland - beerdigt auf dem Heldenfriedhof in Pancwo.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Förster Felix, * 17.10.1912, † 30.08.1942 - 29 Jahre, Bruder von Bruno Förster s.o. - Sohn vom alten Küster - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Hermanns, Zum Belgenbach 1 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 19941 D - gefallen am 30.08.1942 bei Rshew - beerdigt auf dem Heldenfriedhof in Murawjnow/Rußland

 

 

 

Thumbnail image

 

Heck Josef, * 16.06.1910, † 08.10.1942 - 32 Jahre, Plöße, Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Christine Hermanns geb. Heck, Breitestraße 7 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: 12. Kp. des Inf.Regt. Nr. 551 - Feldpost-Nr. 06757 E - gefallen am 08.10.1942 bei Koslowo/Rußland, südostwärts des Ilmensees - beerdigt auf dem Heldenfriedhof in Bjakowo.

 

 

 

 

Faymonville Anton, * 22.09.1907, † 20.11.1942 - 35 Jahre, Beruf Anstreicher -Thumbnail imagewohnhaft früher Gärtnerei Esch/Regina Esch verw. Faymonville, Auf Dohnschet 15 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: 16. Pz.Di., Werkstatt-Kp., 6. Armee - Feldpost-Nr. 16969 - vermißt seit dem 20.11.1942 in Kalatsch/Stalingrad/Rußland.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Hoch Ernst Bernhard, (Foto links) * 26.10.1922, † 12.12.1942 - 20 Jahre, Hoche, Beruf Elektriker - wohnhaft jetzt W. u. Doris Rüttgers geb. Hoch, Eicherscheid 1 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 12266 - gefallen am 12.12.1942 in Pokrowskiy, südlich von Liwny/Rußland.

 

 

 

 

 Thumbnail image

 

Kaulard Bernhard, * 07.08.1921, † 30.12.1942 - 21 Jahre - Uhmäschich - Bruder von Erich Kaulard s.u. - Beruf: Elektriker - wohnhaft jetzt Nießen, Zum Belgenbach 25 A - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Pionier Batl. Nr. 160 mot., 6. Armee - vermißt seit dem 30.12.1942 in Stalingrad/Rußland.

 

 

 

Thumbnail image

 

Hilgers Rudolf, * 26.03.1923, † 06.01.1943 - 19 Jahre - Hellijesch - Studium Ingenieur - wohnhaft jetzt Karin Hensen, geb. Röder/Nichte - Dienstgrad: Soldat - Truppenteil 1. Kp. des Inf.Regt. Nr. 191 - gefallen am 06.01.1943 im Vorgelände von Stalingrad/Rußland bei einem Stoßtrupp-Unternehmen - Beerdigung leider damals aufgrund der Kriegswirren nicht möglich.

 

 

 

 Thumbnail image

 

Baumgarten Ewald Martin, * 25.06.1920, † 07.01.1943 - 22 Jahre - Paulesse - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Baumgarten, Buschgasse - Dienstgrad: Soldat - Truppenteil: Feldpost-Nr. 32237 C - vermißt seit dem 07.01.1943 bei Stalingrad/Rußland

 

 

 Thumbnail image

 

 

Fink Hermann Alfons, * 12.02.1915, † 07.01.1943 - 27 Jahre - Möllesch - Bruder von Fink Heinrich und Hermann s.u. - Beruf Kraftfahrer - wohnhaft jetzt Geschw. Gostek/Neffen, Eicherscheid 5 - Dienstgrad: Unteroffizier - Truppenteil: Panzer-Nachschub Feldpost-Nr. 14222 Frankreich - vermißt seit dem 07.01.1943 im Kampfraum von Stalingrad/Rußland

 

 

 Thumbnail image

Förster Leo, * 02.12.1919, † 09.12.1943 - 24 Jahre - Pittsches - Beruf Schmied - wohnhaft jetzt Jens Siebertz, Buschgasse 11 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: 2. Bat. Heeresflack, Art. Sf./304 - gefallen am 09.12. 1943 an der italienischen Front bei Giuliano, 12 km Südöstlich Gietti/Adriaküste.

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Jost Karl August, * 14.09.1919, † 07.01.1943 - 23 Jahre - Joste - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Dr. Kursawe, Eicherscheid 35 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 25536 E - vermißt seit dem 06.01.1943 bei Stalingrad/Rußland.

 

 

 

 

 Thumbnail image

 

 

Scheidt Adolf, * 26.04.1922, † 21.01. 1943 - 20 Jahre - Meartsches - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Trinchen Kell, Eicherscheid 13 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 09565/R - gefallen am 21.01.1943 in einem Gefecht bei Podsserednoje/Nähe Alexejewka/Rußland - beerdigt in einem Schneegrab.

 

 

Thumbnail image

 

 

Fink Heinrich, * 27.03.1909, † 12.09.1943 - 34 Jahre - Möllesch - Bruder von Fink Alfons s.o. und Hermann s.u. - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Geschw. Gostek/Neffen Eicherscheid 5 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: 5 Kp. des Pz Gren. Regt. Nr. 93 - gefallen am 12.09.1943 in Malaja-Jenesal - beerdigt auf dem Heldenfriedhof nordwestlich von Malaja-Jenesal.

 

 

 

Thumbnail image

 

 

Bertram Wilhelm, * 03.05.1913, † 11.09.1943 - 30 Jahre - Beruf Bäcker - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Gren. Ers. + Ausb. Batl. 317 in Köln-Riehl, Feldpost-Nr. 11542 - vermißt seit dem 11.09.1943 in Rußland.

 

 

 

Thumbnail image

 

 Hoch Ferdinand, * 29.08.1910, † 28.10.1943 - 33 Jahre - Hoche - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Doris (Nichte) und Winfried Rüttgers, Eicherscheid 1 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: 1. Kp. des Gren.Regt. Nr. 216, Feldpost-Nr. 18147 B - gefallen am 28.10.1943 bei Gefechten am Denjepr bei Schilitschi/Rußland, beerdigt auf dem Heldenfriedhof in der Nähe von Schilitschi.

 

 

 

Thumbnail image

 

Niessen Nikolaus, * 23.10.1923, † 29.11.1943 - 20 Jahre - Albertsches - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Fam. Friese Fronrather Weg - Dienstgrad: Grenadier - Truppenteil: Feldpost Nr. 23913 B - gefallen am 29.11.1943 bei Majewskaja-Ssloboda, 40 km südlich von Mogilew - aufgrund Stellungsaufgabe hat keine Beerdigung stattgefunden.

 

 

 

Thumbnail image

 

Pier Edmund, * 06.09.1921, † 29.11.1943 - 22 Jahre - Pieesch/Breefdräjesch - Bruder von Rudolf (s. vor) und Julius-Heinrich Pier (s. nachf.) - Beruf Molkereigehilfe - wohnhaft jetzt Fam. Schiller, Zum Belgenbach 16 - Dienstgrad: Obergefreiter und Funker - Truppenteil: Pz.B.Batt., Pz.A.Regt. 16, Feldpost-Nr. 17245 - An der italienischen Front schwer verwundet und am 29.11.1943 im Lazarett in Gardone am Gardasee/Oberitalien verstorben. Auf dem Heldenfriedhof Gardone beigesetzt - später umgebettet auf den Soldatenfriedhof in Costermano/Provinz Verona - Grablage Block 8, Grab-Nr. 1036.

 

 

Thumbnail image

 

Offermann Josef Arnold, * 28.02.1906, † 31.12.1943 - 36 Jahre - Börjermeestesch - Beruf Landwirt - wohnhaft früher: Eicherscheid/neben Obladen - Haus im Kriege abgebrannt - Dienstgrad: Jäger - Truppenteil: Feldpost-Nr. 41039 E - vermißt seit dem 31.12.1943 bei Kodre/Albanien bei einem Zusammenstoß mit Partisanen.

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Offermann Richard, * 13.04.1913, † 27.02.1944 - 30 Jahre - Mecheljereds/alde Köster - Beruf Waldarbeiter - Wohnhaft jetzt H. Hermanns, Zum Belgenbach 1 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: 1. Kp. des Pionier-Batl. Nr. 257 - gefallen am 27.02.1944 in Losowatka, nördlich von Kriwoi-Rog/Rußland - Beerdigung wegen der Kriegswirren nicht möglich.

 

 

 Thumbnail image

Pier Eduard, * 02.01.1925, † 07.03.1944 - 19 Jahre - Pieesch  - Beruf  Landwirt - wohnhaft jetzt Gertrud Küpper geb. Pier, Eicherscheid 11 - Dienstgrad: Kanonier - Truppenteil: Feldpost-Nr. 08148 B - gefallen am 07.03.1944 um Narwa bei Sirgala/Estland - beerdigt auf dem Heldenfriedhof in der Nähe von Sirgala.

 

 

 

 

 Thumbnail image

Förster Ernst August, * 14.10.1908, † 03.06.1944 - 35 Jahre - Lennertsches - Beruf Schreiner - wohnhaft jetzt Gerd Küpper, Kirchweg 15 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 78815 E - vermißt seit dem 03.06.1944 in der Nähe von Cherbourg/Frankreich. Später wurde die Familie von deutschen Dienststellen informiert, dass Ernst im Juli 1944 bei Cahagnes/Frankreich gefallen sei. Er ist nach einer Umbettung nun begraben auf dem Soldatenfriedhof in Mariqny/Frankreich, Grab-Nr. 190, Reihe 10, Platz AA.

 

 

 Thumbnail image

 

 Scheidt Josef, * 11.05.1922, † 06.06.1944 - 22 Jahre -  Meartsches - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Fam Heinrich Scheidt, Eicherscheid 32 - Dienstgrad: Gefreiter/Pionier - Truppenteil: Feldpost-Nr. 20016 C - vermißt seit dem 06.06.1944 bei Witebsk/Rußland

 

 

 

Thumbnail image

 

Pier Julius Heinrich, * 15.01.1924, † 21.06.1944 - 20 Jahre - Pieesch - Bruder von Rudolf und Edmund Pier (s. vor) - Beruf Schmelzschweißer - wohnhaft jetzt Fam. Schiller, Zum Belgenbach 16 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: 296. Inf. Div., Inf.Regt. Nr. 250, Stab-Kp., 9. Armee, Feldpost-Nr. 08409.

 

 

 

Thumbnail image

 

 Förster Josef, * 23.09.1913, † 22.06.1944 - 30 Jahre - Pittsches - Bruder von Leo Förster (s. vor) - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Jens Siebertz, Buschgasse 11 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Pion.Schule Borrishof - vermißt seit dem 22.06.1944 in Borrishof

 

 

 

 Thumbnail image

Heck Josef, * 22.09.1912, † 26.06.1944 - 31 Jahre - Abels - Beruf Kraftfahrer - wohnhaft jetzt Günter Förster und Marliese geb. Heck, Breitestraße 35 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 38013 - vermißt seit dem 26.06.1944 bei Bobojedowo/südlich von Witebsk/Rußland

 

 

 

 

 Thumbnail image

Althoff Karl-Herbert, * 23.02.1925, † 30.06.1944 - 19 Jahre - Sohn v. Hauptlehrer Althoff - Beruf Schüler - wohnhaft ? - Dienstgrad: Mechaniker/ Gefreiter - Truppenteil: 3. U.-Flottille ("U478") Erk.M: UO.57173-42-Feldpost-Nr. M.36094 - gefallen am 30.06.1944 - Untergang des Unterseebootes U 478 im Nordatlantik, ca. 160 Seemeilen westlich der norwegischen Küste; U-Boot versenkt von britischen Luftstreitkräften. Alle Besatzungsmitglieder sind umgekommen.  

 

 

 Thumbnail image

Schwan Hermann, * 17.12.1922, † 04.07.1944 - 21 Jahre - Schwans - Beruf Mechaniker - wohnhaft früher Fam. Leo Offermann, Eicherscheid 9 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Fallschirmjäger-Regt. und zuletzt Hauptunterkunftsstelle der Gen.Kp. Xi - Fl. Korps Gardelg. - gestorben am 04.07.1944 im Reservelazarett in Stendal an einer im Krieg erlittenen Krankheit - beerdigt auf dem Eicherscheider Friedhof.

 

 

Thumbnail image

 

Knein Johann Ulrich, *04.07.1925, † 31.07.1944 - 19 Jahre - Kniengs - Bruder von Rudolf Knein (s.u.) - Beruf Fabrikarbeiter - wohnhaft: früher Fam. Knein, Auf Dohnschet 2 - Dienstgrad: Soldat - Truppenteil 1. Kp., Pz. Jäger-Abt. Nr. 6, Feldpost-Nr. 29348 - gefallen Ende Juli 1944 bei Gefechten in Slubin am Dnjepr/Rußland -> Quelle: Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft, der in der gleichen Einheit eingesetzt war und berichtete, dass er an einer späteren Sammelstelle keinen der früheren Kameraden mehr angetroffen habe.

 

 

 

Thumbnail image

 

Röhrlich Johann August, * 22.03.1908, † 04.08.1944 - 36 Jahre - Henderes - Beruf Landwirt und Waldarbeiter - wohnhaft: jetzt Josef Huppertz und Maria geb. Förster, Kirchweg 13 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 47377 C - vermißt seit dem 04.08.1944 im Raume von Cherbourg/Frankreich

 

 

 

 

 Thumbnail image

 

Isaac Hubert, * 19.05.1910, † 14.08.1944 - 34 Jahre - Hausname: Isaac's aus Imgenbroich - Ehemann von Gerda Isaac geb. Stollenwerk - Beruf Maler und Anstreicher - wohnhaft: früher in Konzen - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: 212. Inf. Division - Feldpost-Nr. 40429 C - vermißt seit dem 14.08.1944 in Jassy/Rumänien

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Offermann Ernst Mathias, * 01.10.1922, † 16.08.1944 - 21 Jahre - Pitte - Beruf Schuhmacher - wohnhaft: Jetzt Peter Offermann und Vroni geb. Förster, Breitestraße 33 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Panzereinheit 3. Pz. Ers. Abt. 11, II. St. Kp. - Feldpost-Nr. 33132 A - gefallen am 16.08.1944 - Info des Kompanie-Chefs: Als Fahrer führte Offermann den Angriff der Panzer bei Vatiskiai/Rußland mit. Dabei wurde der Wagen von einem Pak-Volltreffer getroffen und E. Offermann tödlich verletzt. Aufgrund des extremen Gefechtes konnte die Leiche nicht mehr geborgen werden.

 

 

Thumbnail image

 

Förster Rudolf Gerhard, *03.09.1912, † 18.08.1944 - 31 Jahre - Lennertsches - Bruder von Hubert Förster s. u. - Beruf Kaufmann - wohnhaft: Jetzt Fam. Gerd Küpper, Kirchweg 15 - früher Gaststätte - Dienstgrad: Unteroffizier - Truppenteil: Feldpost-Nr. 23757 - vermißt seit dem 18.08.1944 an der Ostfront im Raume Wilna/Litauen.

 

 

 

Thumbnail image

 

Hüpgens Ivo, * 06.12.1925, † 20.08.1944 - 18 Jahre - Hausname: Hochpauelze - Beruf Landwirt - wohnhaft: Jetzt Fam. Daniel Stollenwerk, Bachstraße 15 - Dienstgrad: Grenadier - Truppenteil: Grenadier-Regiment Nr. 306 - gefallen am 20.08.1944 in der Nähe von St. Lambert/Frankreich; seine Grablage ist unbekannt.

 

 

 

 Thumbnail image

Offermann Matthias Heinrich Josef, *18.03.1901, † 20.08.1944 - 43 Jahre - Hausname: Heuesch - Beruf Landwirt - wohnhaft: jetzt Fam. Karl Dahmen, Buschgasse 5 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: unbekannt - gefallen am 20.08.44 in Dijon/Vogesen/Coté D´or in Frankreich; beerdigt an der Straße Dijon-Gray/Arc.

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Matheis Ludwig, * 21.02.1910, † 27.08.1944 - 33 Jahre - Chrestepittsches - Beruf Arbeiter - wohnhaft: Jetzt Fam. Jochen Nießen, Schornsteinfeger, Auf Dohnschet 27 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: 13 Kp. des Inf. Regt. Nr. 426 - schwer verwundet am 26./27.08.44 in Plougastel/Frankreich und am 27.08.1944 im Lanzarett auf der Halbinsel Amorique verstorben; beerdigt auf dem Heldenfriedhof in Lesneren/Frankreich, Grab-Nr. 143, Reihe 6, Platz F.

 

 

 Thumbnail image

 

Kaulard Ewald Ernst, * 06.01.1909, † 24.12.1944 - 35 Jahre - Miene/Hammer - Beruf Landwirt, Metzger u. Hausschlachter - Ehemann von Paula Heck/Hennesse/Schmette - wohnhaft: Kirchweg 20 - Dienstgrad: Unteroffizier - Truppenteil: Feldpost-Nr. 36849 B - gestorben an Ruhr am 24.12.1944 im Waldlager Schmidt 4 in Nischiwoloscheck bei Kalinin in russischer Gefangenschaft; Grablage unbekannt.

 

 

Thumbnail image

 

Fink Hermann, * 24.09.1920, † 12.01.1945 - 24 Jahre - Möllesch - Bruder von Alfons und Heinrich s.o. - Beruf Schüler - wohnhaft heute: Geschw. Gostek/Neffen Eicherscheid 5 - Dienstgrad: Oberfähnrich (Ord.-Offizier) - Truppenteil: 11. Art. Regt. 169 Stabs-Batterie - gefallen am 12.01.1945 zwischen Schmilgen und Mühlenhöhe, Kreis Schlossberg/Ostpreußen - beerdigt auf dem Heldenfriedhof bei Rautenberg; Kreis Schlossberg, Reg.Bez. Gumbinnen.

 

 

 Thumbnail image

Jansen Josef, * 27.09.1907, † 15.01.1945 - 37 Jahre - Wösjes - Vater von Theo Jansen, Buschgasse 12 - Beruf Arbeiter - wohnhaft jetzt: Käthe Jansen, Auf Dohnschet 17 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 40463 C - am 15.01.1945 an den schweren Verletzungen im Feldlazarett Nr. 132 in Bleialf gestorben - beerdigt auf dem Ehrenfriedhof in Bleialf/Kreis Prüm, Grab-Nr. 84 

 

 

 

Thumbnail image

 

Kaulard Viktor Alois, * 26.02.1914, † 16.01.1945 - 30 Jahre - Hörmsches - Beruf Arbeiter - wohnhaft jetzt Friedhelm Wilden, Zum Belgenbach 2 - Dienstgrad: Stabsgefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 08408 E - vermißt seit dem 16.01.1945 bei Litzmannstadt

 

 

 

 

 Thumbnail image

 

Offermann Matthias Josef, * 30.03.1925, † 18.01.1945 - 19 Jahre - Nöllsches - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt: Siegfried Huppertz und Dorothea geb. Offermann, Eicherscheid 12 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 42545 E - vermißt seit dem 18.01.1945 am Weichselbogen/Polen.

 

 

 

Thumbnail image

 

Nießen Walter, * 07.02.1921, † 21.01.1945 - 23 Jahre - S'jannes - Beruf Sparkassenangestellter - wohnhaft jetzt: Irene Niessen, Zum Belgenbach 11 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 25321 - vermißt seit dem 21.01.1945 an der Ostfront.

 

 

 

Thumbnail image

 

 

Matheis Johann Engelbert, *16.12.1906, † 10.02.1945 - 38 Jahre - May - Beruf Holzarbeiter - wohnhaft jetzt: Leni Schmitz geb. Matheis, In den Gassen 11 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 19438 A - vermißt seit dem 12.02. 1945 im Raum Ostpreußens.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Förster Hubert, * 02.11.1914, † 19.02.1945 - 30 Jahre - Lennertsches - Bruder von Rudolf Förster s. o. - Beruf Buchdrucker - wohnhaft jetzt: Fam. Gerd Küpper, Kirchweg 15 - früher Gaststätte - Dienstgrad: Feldwebel - Truppenteil: Feldpost-Nr. 33427 - gefallen am 19.02.1945 in den schweren Abwehrkämpfen auf der Höhe 517 südlich Viglas/Slowakei - beerdigt auf dem Heldenfriedhof in der Nähe von Viglas.

 

 

 Thumbnail image

Kaulard Erich Josef, * 20.01.1923, † 06.03.1945 - 22 Jahre - Uhmächisch - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt: Martin Nießen, Zum Belgenbach 25 - Dienstgrad: Obergefreiter und Meldereiter - Truppenteil: St. Kp., Rt. Ig. Nr. 317 - gefallen am 06.03.1945 in einem Minenfeld in Mutzla/Nord-Ungarn - beerdigt auf dem Gemeindefriedhof in Mutzla.

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Jerusalem Matthias Gerhard, * 11.12.1906, † 08.03.1945 - 38 Jahre - Jerusalems - Vater von Franz Jerusalem, Buschgasse 29 - Beruf Arbeiter - wohnhaft jetzt: unbek. - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: unbekannt - gefallen am 08.03.1945 beim Aufbau einer gesprengten Brücke bei Burg Heidt, ca. 5 km nördlich von Zerf im Bezirk Trier durch Granatsplitter - beerdigt auf dem kath. Friedhof in Mandern/Trier - umgebettet auf den Ehrenfriedhof von Kloster Himmerod/Eifel, Grab-Nr. 476.

 

 

 

Thumbnail image

 

 Küpper Martin Werner, * 09.04.1913, † 17.03.1945 - 31 Jahre - Küppeschhennesse - Bruder von Josef Küpper s.u. - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt: Maria Carl geb. Küpper, Zum Belgenbach 21 - Dienstgrad: Unteroffizier - Truppenteil: Inf. Regt. Nr. 878 - verstorben am 17.03.1945 an den Folgen einer schweren Verwundung in Schönau/Kreis Neumarkt/Österreich - beerdigt auf dem Heldenfriedhof in Hermanville-Calvados, Grab B16 und am 15.06.1951 umgebettet zum Militärfriedhof St. Desir/Calv., Grab-Nr. 688, Plot C.

 

 

Thumbnail image

 

Scheidt Johann, * 19.01.1927, † 28.03.1945 - 18 Jahre - Märtsches - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt: Wilma Weishaupt/Nichte, In den Gassen 17 - Dienstgrad: Grenadier - Truppenteil: Gren. Ers. und Ausb. Batl. Nr. 306 Köln-Mülheim - gefallen am 28.03.1945 bei den Kämpfen bei Hervest-Dorsten/Westfalen - beerdigt auf dem Friedhof Hervest-Dorsten - umgebettet nach der Evakuierung auf den Heimatfriedhof in Eicherscheid.

 

 

 Thumbnail image

Knein Rudolf, * 03.04.1921, † 15.04.1945 - 24 Jahre - Kniengs - Bruder von Ulrich Knein (s.o.) - Beruf Arbeiter - wohnhaft früher: Fam. Knein, Auf Dohnschet 2 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: 5. A.R. Nr. 185, Feldpost-Nr. 12630 - am 15.04.1945 schwer verwundet und am selben Tag auf dem Hauptverbandsplatz in Mettmann bei Düsseldorf verstorben - beerdigt auf dem Ehrenfriedhof in Mettmann.

 

 

 

Thumbnail image

 

Küpper Gerhard Josef, * 16.02.1904, † 20.04.1945 - 41 Jahre - Küppeschhennesse - Bruder von Küpper Werner (s. vor) - Beruf  Landwirt - wohnhaft jetzt Maria Carl geb. Küpper, Zum Belgenbach 21 - Dienstgrad: Soldat - Truppenteil: Feldpost-Nr. 11563 - vermißt seit dem 20.04.1945 an der Ostfront.

 

 

 

Thumbnail image

 

Kaulard Ewald, * 16.12.1898, † 21.05.1945 - 46 Jahre - Änne - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt: Geschwister Marita Jansen bzw. Doris Münch, beide Enkelin von E. Kaulard, Buschgasse 21- Dienstgrad: Reiter - Truppenteil: Pferdelazarett 106 in Minden - verstorben am 21.05.1945 an seiner Diphterie-Erkrankung im Reservelazarett in Minden/Westfalen - beerdigt auf dem Ehrenfriedhof in Minden.

 

 

Thumbnail image

 

Stollenwerk Peter, * 26.06.1900, † 03.11.1945 - 45 Jahre - Lonies - Beruf Weber - wohnhaft jetzt: xxx, Kirchweg 40 - Dienstgrad: Gefreiter - Truppenteil: 2. Ldschtz. Btl. Nr. 479 Dorsten/Westfalen - Am 26.04.1945 wurde P. Stollenwerk mit einer schweren Herz- und Nierenerkrankung in das Reservelazarett II in Salzburg/Österreich eingeliefert und ist dort am 03.11.1945 verstorben - beerdigt auf dem Kommunal-Friedhof in Salzburg in einem Soldatengrab, Gruppe 61 a, Nr. 39.

 

 

Thumbnail image

 

Heinrichs Reinhold Johann, *29.01.1923, † 08.05.1949 - 36 Jahre - Heinrichs - Beruf Landwirt - wohnhaft jetzt Fam. Gereon Braun und Margot geb. Jansen/Nichte v. R. Heinrichs, Eicherscheid 19 - Dienstgrad: Obergefreiter - Truppenteil: Feldpost-Nr. 23863 B - Als franz. Kriegsgefangener mußte R. Heinrichs in St. Avold im Saargebiet im Bergwerk arbeiten; am 23.05.1946 wurde er wegen einer sich dort zugezogenen unheilbaren Krankheit entlassen und ist am 08.05.1949 im Heimatort Eicherscheid verstorben und auch dort begraben.

 

 

 

Durchschnittsalter der gefallenen und vermißten Soldaten: 28,4 Jahre!! Ein unfaßbar junges Alter!

 

Ziviltote 1939 - 1945

Offermann Wolfgang, * 21.03.1933, † 16.10.1944 - 11 Jahre - Polizeis - wohnhaft jetzt Erich und Hilde Offermann, Zum Belgenbach 18 - verunglückte bei der Evakuierung tödlich nach Kollision mit einem Militärfahrzeug in Mechernich

Huppertz geb. Gillessen, Anna, * 04.12.1905, † 21.12.1944 - 39 Jahre - Bäckermathes - Mutter von Anneliese Wollgarten geb. Huppertz und Nichte von Mathias Kaulard (s. nachf.) - wohnhaft jetzt Kirchweg 25 - bei einem Luftangriff in der Evakuierung in Ludendorf b. Rheinbach wie auch Mathias Kaulard (s. nachf.) umgekommen.

Kaulard Mathias, * 18.12.1873, † 21.12.1944 - 71 Jahre - Bäckermathes/früher "Kulerts" Breitestraße - Onkel von Anna Huppertz, wohnhaft jetzt Kirchweg 25 - bei einem Luftangriff in Ludendorf b. Rheinbach wie auch Anna Huppertz (s. vor) umgekommen.

Förster Olga, *14.09.1924, † 29.01.1945 - 20 Jahre - Martinsches - Schwester vom früheren OV Simon Förster - wohnhaft jetzt Wilfried Jansen und Brunhilde geb. Förster, Eicherscheid Nr. 40 - bei Arbeiten in einem Lazarett bei einem Luftangriff in Rheinbach umgekommen.

Hammerschmidt Josef, * 15.10.1897, † 23.02.1945 - 47 Jahre - Hammerschmödds - Opa von Ralf und Uwe Hammerschmidt - wohnhaft jetzt Fam. Uwe Hammerschmidt, Am Weiher 8 - bei einem Luftangriff auf Münstereifel umgekommen.

Brüll Anton, * 13.07.1885, † 05.03.1945 - 59 Jahre - Töns - Vater von Gretchen Faymonville - wohnhaft jetzt Gretchen Faymonville, Zum Belgenbach 7 - bei einem Fliegerangriff gleichzeitig mit Helene Pier (s. nachf.) in Ollheim tödlich verletzt und auch dort begraben.

Pier Helene, * 24.05.1872, † 05.03.1945 - 72 Jahre - Pate Lienche - wohnhaft früher Buschgasse Nähe Marianne Lambertz - bei einem Fliegerangriff gleichzeitig mit Anton Brüll (s.o.) in Rheinbach tödlich verletzt

Heinrichs Werner, * 26.05.1926, † 13.07.1945 - 19 Jahre - Henderes - Bruder von Reinhold Heinrichs (s. vor - gefallener Soldat) - wohnhaft jetzt Fam. Gereon und Margot Braun (Nichte von W. Heinrichs), Eicherscheid 19 - umgekommen nach Rückkehr aus dem Kriege bei Erntearbeiten durch Explosion einer Landmine.

Siebertz Ludwig, * 25.09.1908, † 15.08.1945 - 36 Jahre - Siebertz - Vater vom Verfasser dieser Dokumentation - wohnhaft jetzt Karl Heinz Siebertz, Buschgasse 1 - nach Rückkehr aus dem Krieg umgekommen mit seinem Pferd auf dem Weg nach Hammer - unterhalb des weißen Kreuzes - durch eine explodierende Landmine.

Weitere Ergänzungen mit Fotos - sofern vorhanden - zu den Ziviltoten folgen.

 

7. Das karge Leben nach dem Kriege - Leid und Zuversicht

 

Bericht folgt!

 

Ludwig Siebertz 16.10.2016

 

 

Vorwort vom AK                                                                                            Teil 1           

Geschichtliche Kurzfassung zum Ausbruch des 1. Weltkrieges                Teil 2

Gefallene Soldaten Eicherscheid's - Doku v. Trude Heiler                         Teil 3

Tagebücher von Johann Michael Förster                                                    Teil 4

                   
                                        01.03.2014 - Ludwig Siebertz

 

Vorwort vom AK Geschichte Eicherscheid - Teil 1

2014 jährt sich der Ausbruch des 1. Weltkrieges zum 100. Mal. Am 31.07.14 wurde im Deutschen Kaiserreich die Mobilmachung ausgerufen. Dies hatte auch für unseren Ort schreckliche Auswirkungen mit vielen gefallenen Soldaten und großem Leid in der Bevölkerung. Der 1. Weltkrieg ist vom US-Diplomaten George Kennan und von unzähligen internationalen Historikern in der Vergangenheit zurecht als Urkatastrophe des 20. Jh bezeichnet und im Detail aufgearbeitet worden und füllt große Bibliotheken mit umfangreicher Literatur.

Uns vom AK Geschichte Eicherscheid ist es jedoch wichtig, die Kriegsgeschehen und deren leidvollen Auswirkungen auf die Bevölkerung von Eicherscheid im nachfolgenden Beitrag darzustellen. Insbesondere geht es auch darum, den gefallenen Soldaten der heutigen Generationen noch mal ein Gesicht zu geben und ihnen zum 100. jährigen Kriegsausbruch eine angemessene Ehre zu erweisen. Im Übrigen sind die gefallenen Soldaten Vater, Opa oder Onkel der heute noch lebenden Generationen. Zwar können wir heute leider keine Zeitzeugen mehr zu diesem traurigen Geschichtskapitel hören, allerdings können wir auf eine umfangreiche Dokumentation aus dieser Zeit zurück greifen. Insbesondere sind dies das geführte Tagebuch vom im Ort zu seiner Zeit geschätzten "Altküsters" Johann Michael Förster von 1914 - 16 und die Dokumentation zu den gefallenen Soldaten von der Eicherscheider Historikerin, Trude Heiler. Danke an die Hinterbliebenen von J.M. Förster für die Überlassung der Tagebücher und an Trude Heiler für die umfangreiche Dokumentation zu den gefallenen Soldaten.

 

Ein Attentat und seine Folgen - Kurze Zusammenfassung zum Kriegsausbruch - Teil 2

Während der Fahrt durch die bosnische Hauptstadt Sarajevo werden am 28.06.1914 der habsburgische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin von einem serbischen Nationalisten erschossen. Nach einem mit Deutschland abgestimmten Ultimatum seitens des designierten Herrschers der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie an Serbien erklärte Österreich-Ungarn am 28.07.14 den Krieg an Serbien. Dieses zunächst lokal relevante Attentat führte jedoch auf Grund der vielen geschlossenen internationalen Pakte und Bündnisse zu einer weltweiten Kettenreaktion mit der Beteiligung Deutschlands, Russlands, Englands, Frankreich, später USA u. a. an den kriegerischen Auseinandersetzungen. Zum Kriegsende mit der Unterzeichnung einer Waffenstillstandsveinbarung mit den Alliierten am 11.11.1918 wurden weltweit ca. 15 Mio Tote (ca. 9 Mio Soldaten und ca. 6 Mio Zivilisten), davon knapp 2 Mio. in Deutschland gezählt!!!

Neben diesem Attentat als eigentlicher Auslöser des Krieges führte sicherlich - und da sind sich fast alle Historiker einig -  der überschäumende Nationalismus und Patriotismus in den betroffenen Nationen auch zu einer regelrechten Kriegseuphorie und damit unvermittelt in die kriegerischen Auseinandersetzungen. Auch in den Tagebüchern von J.M. Förster schwingt ein wenig diese damals im Ort zu erkennende Euphorie mit.

 

Die gefallenen Soldaten Eicherscheid's im 1. Weltkrieg - Teil 3 - Reihenfolge n. Todestag

In Eicherscheid waren 26 gefallene/vermißte Soldaten zu beklagen und ein weiterer Eicherscheider, wohnhaft in Hammer. Sehr tragisch ist hierbei auch, dass die Familie Wynands/Wösjes 3 ihrer Söhne, die Familien Förster/Henderes, Nießen/S'jannes, Offermann/Juppe und Kaulard/Martinches jeweils 2 ihrer Söhne im 1. Weltkrieg verloren haben. Das Durchschnittsalter der gefallenen Eicherscheider Soldaten lag bei 27,5 Jahren.

Bemerkenswert in der nachfolgenden Dokumentation ist auch, dass 18 der 27 Soldaten ihr Leben in Frankreich lassen mußten. Spätestens bei dieser Betrachtung können wir uns heute glücklich schätzen, in einem vereinigten und friedlichen Europa zu leben. Die Europa-Kritiker sollten sich dieser Fakten einmal bewußt werden!!!

 

Thumbnail imageBaumgarten Martin Josef , * 20.12.1883,  † 10.09.1914 - 30 Jahre - Bruder von Baumgarten Matthias Arnold s.u., Beruf: Weber; wohnhaft im früheren alten Doppelhaus Fuere - jetzt: Offermann, In den Gassen 10.

Dienstgrad Wehrmann; Truppenteil: 6. Kp. des Res. Inf. Regt. Nr. 29; gefallen am 10.09.1914 bei Ripont/Frankreich.

Leider existiert zu diesem Gefallenen kein Bild. Ist irgendwo noch ein Bild im Archiv?

 

 

Thumbnail imageKaulard Johann Mathias, * 16.02.1883,   † 27.11.1914 - 31 Jahre - Martinches/früherer Gasthof -Bruder von Heinrich Johann Kaulard s.u. - Beruf: Landwirt - wohnhaft jetzt: Jansen, Eicherscheid Nr. 40. 

Dienstgrad: Wehrmann; Truppenteil 6. Kp. des Res. Inf. Regt. Nr. 29; gestorben am 27.11.1914 im Seuchenlazarett in Rethel/Frankreich an Typhus.

 

 

 

 

 

1914-18-Huppertz Jakob Johann - Mnnches

 

 

Huppertz Jakob Johann , * 29.03.1886,  † 28.09.1914 - 28 Jahre - Männches - Beruf: Landwirt; wohnhaft im zerstörten Haus jetzt: M. Bertram, Buschgasse 2.

Dienstgrad: Reservist; Truppenteil: 6. Kp. des Res. Inf. Regt. 29; gestorben am 28.09.1914 im Kriegslazarett 8 in Sedin an den Folgen einer erlittenen Kriegsverwundung.

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail imageFörster Heinrich Josef , * 25.04.1876,  † 28.02.1915 - 38 Jahre - Henderes - eingeh. nach Lennertsches - Bruder von August Johann Förster s.u. - Beruf: Ackerer; wohnhaft jetzt: Huppertz, Kirchweg 13.

Dienstgrad: Gefreiter; Truppenteil: Ers. Batl. Inf. Regt. Nr. 29; gestorben am 28.02.1915 an Ruhr im Kriegslazarett in Sedan III/Frankreich

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Baumgarten Matthias Arnold , *04.10.1886,  † 23.05.1915 - 28 Jahre - Bruder von Josef Martin Baumgarten s. o. - Beruf: Schuhmacher; wohnhaft im früheren alten Doppelhaus Fuere - jetzt Offermann, In den Gassen 10. Kein Foto verfügbar!

Dienstgrad: Reservist; Truppenteil 6. Kp. des Rhein. Inf. Regt. Nr. 161; gefallen am 22.05.1915 bei Neuville/Frankreich.

 

 

 

Thumbnail image

 

Kaulard Josef Arnold ,  * 12.05.1892,  † 09.06.1915 - 23 Jahre - Kulerts/Kägesjes/Jännesjes - Beruf: Schüler; wohnhaft jetzt: Kaulard, Bachstraße 3.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: 1. Kp., Inf. Regt. Nr. 257; vermißt seit dem 09.05.1915 in Rußland.

 

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Wynands Matthias Johann, * 08.12.1888  †  10.06.1915 - Jans - Bruder vom späteren BM Leonhard Wynands, Bruder von Karl Wynands und  Josef Martin Wynands s.u. - Beruf: Hüttenarbeiter; wohnhaft jetzt: Jansen, Auf Dohnschet Nr. 21.

Dienstgrad: Reservist; Truppenteil: 5. Kp. des Inf. Regt. Nr. 29; gefallen am 10.06.1915 bei Ripont/Frankreich; beerdigt auf dem Heldenfriedhof Séchault, Départment Ardennes, 16 km südöstlich von Vouziers/Frankreich; Grab Nr. 277. 

 

 

 

 

 

Thumbnail imageSchröder Karl Richard ,  * 03.04.1892,  † 22.06.1915 - 23 Jahre - Micke - Beruf: Maurer; wohnhaft jetzt: Nießen, Kirchweg 16.

Dienstgrad: Hornist; Truppenteil: 5. Kp. des 4. Garde-Augusta-Grenadier-Regiment; gestorben am 22.07.1915 auf dem Verbandsplatz in Krasnostaw/Polen; mit weiteren 6 Kameraden in einem Massengrab auf dem Kriegerfriedhof in Krasnostaw am Nordausgang beerdigt.

 

 

 

 

 

 

Thumbnail imageOffermann Johann,  * 21.09.1886,  † 28.08.1915 - 28 Jahre - Juppe - Bruder von Martin Offermann s.u. - Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt: Huppertz, Eicherscheid Nr. 12.

Dienstgrad: Pionier; Truppenteil: 2. Kp. des Pionier-Regt. Nr. 30; gefallen am 28.08.1915 im Argonnenwald in Frankreich; beerdigt auf dem Kriegerfriedhof 2 des Pionier-Regts. Nr. 30.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Wynands Martin Josef,  * 25.01.1891,  † 26.09.1915 - 24 Jahre - Jans/Bruder vom späteren BM Leonhard Wynands - Bruder von Karl Wynands s. u. und Johann Matthias Wynands s.o. - Beruf: Weber; wohnhaft jetzt: Jansen/Wösjes, Auf Dohnschet Nr. 21.

Dienstgrad: Kanonier; Truppenteil: Res. Fussart. Regt. Nr. 9, 5. Batterie; gefallen im harten Nahkampf am 25.09.1915 südlich von Rouvroy/Frankreich. 

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Baumgarten Johann Arnold,  * 09.05.1894,  † 28.09.1915 - 21 Jahre - Hübs - Beruf: Weber; wohnhaft jetzt: Kreutz, In den Gassen 12.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: 4. Kp. des Res. Inf. Regt. Nr. 68; gefallen am 28.09.1915 bei Ripont/Frankreich. 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Brüll Johann Gerhard,  * 24.09.1882,  † 08.04.1916 - 33 Jahre - Vöße - Beruf: Weber; wohnhaft jetzt: Steffens, Breitestraße 10.

Dienstgrad: Musketiere; Truppenteil: Res. Inf. Regt. Nr. 68; gefallen am 08.04.1916 in Bickencuar bei Reims/Frankreich, begraben in einem Einzelgrag auf dem Kriegerfriedhof Bickencuar.

 

 

 

  

 

 

Thumbnail imageSchröder Johann,  * 23.12.1887,  † 15.07.1916 - 28 Jahre - Belle - Beruf: Holzsattler; wohnhaft jetzt: Zum Belgenbach 13.

Dienstgrad: Unteroffizier der Reserve; Truppenteil: 12. Kp. des Inf. Regt. Nr. 29, gefallen am 15.07.1916 im Gefecht an der Somme in Frankreich.

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Kaulard Hubert Leonhard,  * 19.09.1882,  † 24.07.1916 - 33 Jahre - Kulerts/Bäckermathes - Beruf: Bäcker; wohnhaft jetzt: Lutterbach/Isaak, Breitestraße Nr. 14.

Dienstgrad: Wehrmann; Truppenteil: 5. Kp. des Res. Inf. Regt. Nr. 25; gestorben am 24.07.1916 im Kriegslazarett 1, VII infolge einer Gasvergiftung; beerdigt auf dem Kriegerfriedhof in St. Quentin/Frankreich.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Hoch Joseph Paul,  * 28.09.1895,  † 28.07.1916 - 20 Jahre - Änne - Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt Kaulard, Buschgasse Nr. 21.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: 3. Kp. des Inf. Regt. Nr. 138, 42. Inf. Div.; gestorben am 28.07.1916 im Kriegslazarett 1 des XVII. Armeekorps/Eisenbahnhospital zu Wilna Antokol an Nierenentzündung; beerdigt auf dem Kriegerfriedhof "Deutsche Krieger" in Wilna.

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Förster Josef Hubert,  * 24.03.1890,  † 18.08.1916 - 26 Jahre - Mecheljereds - Beruf: Stellmacher; wohnhaft früheres Haus  HenderesMathes/neuere Zeit bei "Angela", jetzt: Kirchweg Nr. 21.

Dienstgrad: Ersatz-Reservist; Truppenteil: 12. Kp. des Inf. Regt. von Horn, 3. Rhein. Nr. 29; gefallen am 18.08.1916 an der Seite seines Vetters, Johann Hubert Niessen s.u., in den Kämpfen bei Thiepval/Frankreich durch Kopfschuß eines Infantriegeschosses.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Kaulard Gerhard Heinrich * 07.09.1895,  † 18.08.1918 - 20 Jahre - KulertsHermanns/Möllesch - Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt: Lutterbach/Isaak, Breitestraße 14.

Dienstgrad: Gefreiter; Truppenteil: 3. Bat., 9. Kp. des Res. Inf. Regt. Nr. 221; G. H. Kaulard wurde am 18.06.1918 morgens am Hals leicht verwundet und befandt sich auf dem Weg zum Verbandsplatz. Hier ist er jedoch nicht angekommen. Ein Kamerad von ihm hat später den Angehörigen mitgeteilt, dass er gefallen sei. Er sei bei St. Pierre/Frankreich in Gefangenschaft geraten; dort habe er bei dem Abtransport Kaulard tot liegen gesehen.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Nießen Johann Hubert,  * 02.09.1889,  †  18.08.1916 - 26 Jahre - S'Jannes - Bruder von Johann Aloysius Nießen s. u. - Beruf: Weber, wohnhaft jetzt: I. Nießen, Zum Belgenbach 11.

Dienstgrad: Ersatz-Reservist; Truppenteil: 12. Kp. des Inf. Regt. Von Horn, 3. Rhein. Nr. 29; gefallen am 18.08.1916 an der Seite seines Vetters Josef Hubert Förster s.o., in den Kämpfen bei Thiepval/Frankreich durch Kopfschuß eines Granatgeschosses.

 

 

 

Thumbnail image

Offermann Heinrich,  * 09.02.1896,  † 24.09.1916 - 20 Jahre - Schmettepits/Polezejs - Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt: E. Offermann, Zum Belgenbach 18.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: 4. Kp. des Res. Inf. Regt. 240,; vermißt seit 24.09.1916 seit dem Gefecht an der Somme/Frankreich. 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Fink Arnold Johann,  * 31.07.1875,  † 24.01.1917 - 41 Jahre - Pittsches/Opa des Verfassers dieser Dokumentation - Beruf: Fuhrmann; wohnhaft jetzt K.H. Siebertz, Buschgasse 1.

Dienstgrad: Landsturm-Rekrut; Truppenteil: 8. Kp. des Res. Inf. Regt. Nr. 20; gefallen am 24.01.1917 6 km südlich von Kekkau/Lettland 1,5 km westlich der Straße Eckau-Kekkau durch einen Volltrefer eines Artelleriegeschosses; beerdigt in einem Einzelgrab in Lettland. 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail imageFörster August Johann,  * 31.05.1873,  † 23.03.1917 - 43 Jahre - Henderes - Bruder von  Förster Heinrich Josef s. o. - Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt: Huppertz, Kirchweg 13.

Dienstgrad: Landsturmmann; Truppenteil: 8. Kp. des I. Ers. Batl. des Inf. Regt. Nr. 25; gestorben am 23.03.1917 im Krankenhaus Aachen-Forst an den Folgen einer im Kriege zugezogenen Krankheit; beerdigt auf dem Eicherscheider Friedhof.

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Arnolds Josef Johann,  * 19.03.1893,  † 18.07.1917 - 24 Jahre - BöckcheHüppertsches - Beruf: Landwirt/Fabrikarbeiter; wohnhaft jetzt: Zum Belgenbach 20.

Dienstgrad: Jäger;Truppenteil: unbekannt; gestorben am 18.07.1917 in Eicherscheid infolge einer im Kriege zugezogenen Gasvergiftung; beerdigt auf dem Eicherscheider Friedhof.

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Wynands Carl,  * 26.11.1897,  † 27.07.1917 - 19 Jahre - Bruder vom späteren BM Leonhard Wynands, Bruder von Martin Josef Wynands und Johann Matthias Wynands - Beruf: Schuhmacher; wohnhaft jetzt: K. Jansen/Wösjes, Auf Dohnschet 21.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: 4. Kp. des Inf. Regt. Nr. 29; gefallen am 27.07.1917 in der Schlacht in Flandern bei Warneton durch Kopfschuß von einem Granatgeschoß.

 

 

 

 

 

 

 

Thumbnail imageNießen Johann Aloysius,  * 27.08.1894,  † 25.09.1917 - 23 Jahre - S'Jannes - Bruder von Johann Hubert Nießen s.o. - Beruf: Fabrikarbeiter; wohnhaft jetzt: I. Nießen, Zum Belgenbach 11.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: Res. Inf. Regt. Nr. 231; gefallen am 25.09.1917 in der Schlacht in Flandern durch Brustdurchschuß eines Artelleriegeschosses; beerdigt 400m rechts von der Straße Menie-Ypern.

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Kaulard Heinrich Johann,  * 27.10.1887,  † 18.08.1918 - 30 Jahre - Martinches/früherer Gasthof - (Bruder von Matthias Johann Kaulard s. vor) Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt: Jansen, Eicherscheid Nr. 40.

Dienstgrad: Ersatz-Reservist; Truppenteil 1. Ersatz-Batl. des Inf.Regt. Nr. 30; gefallen am 18.08.1916 vor Verdun bei Souville-Nase/Frankreich.

 

 

 

 

 

Thumbnail image

 

Röhrlich Martin Johann,  * 30.01.1895,  † 29.09.1918 - 23 Jahre - MechelAreds - Beruf: Landwirt; wohnhaft jetzt: H. Röhrlich, Breitestraße 4.

Dienstgrad: Musketier; Truppenteil: 8. Kp. des Inf. Regt. Nr. 60; gefallen am 29.09.1918 bei Bony/Frankreich durch Granatsplitter.

 

 

 

 

 

 

Thumbnail image

Offermann Martin, * 18.07.1879,  † 20.03.1915 - 35 Jahre - Juppe - Bruder von Johann Offermann s. o.; wohnhaft jetzt: Huppertz, Eicherscheid 12; vor dem Kriege verheiratet nach Hammer und dort gelebt.

Dienstgrad: Gefreiter; Truppenteil: Ers. Batl. des Res. Inf. Regt. Nr. 29; gefallen am 20.03.1915 in Ripont/Frankreich durch Kopfschuß.

 

 

 

 

 

 

Die nachfolgenden Fotos zeigen einige logistische Szenen und andere Dokumente des Krieges sowie einige aus heutiger Sicht sehr bemerkenswerte Totenzettel  der gefallenen Soldaten.

 

Thumbnail image  Thumbnail image Thumbnail image Thumbnail image

 Thumbnail imageThumbnail imageThumbnail imageThumbnail imageThumbnail image

 

Tagebücher von 1914-16 vom 1. Weltkrieg von Johann Michael Förster - Teil 4

Langjähriger Küster von Eicherscheid, * 1879  † 1965

J. M. Förster hat die ersten 2 Jahre des 1. Weltkrieges von 08/1914 - 04/1916 in einem Tagebuch sehr detailliert dargestellt. In diesen Aufzeichnungen sind unschwer die Nöten und Ängste für die Zukunft der Familien und des Vaterlandes aber auch ein gewisser Patriotismus zu erkennen. Die ersten Monate, insbesondere auch die Zeit der Mobilmachung, finden Sie im Folgenden wortgetreu und ungekürzt; die weiteren Darstellungen sind in einer Zusammenfassung dargestellt.

"Nachdem schon seit einer Woche die Zeitungen allerhand Kriegsgerüchte gebracht hatten, sollte am 31.07.1914, Anfang des großen Weltendramas, der Anfang des großen völkermordenden Krieges sein. An diesem Tage hatte ich in der Brommbach Gras gemäht. Als ich am Abend 1/2  9 Uhr nach Hause ging, hörte ich schon unterhalb des Dorfes in der Kuhl das über das Gebiet des VIII. Armeechorps der Kriegszustand verhängt sei. Um 6 Uhr sei die Depesche angekommen. Mehrere Leute der älteren Jahrgänge müßten sich noch heute Abend in Montjoie stellen.

An der Wirtschaft Junkersdorff gegenüber der Kirche hing ein großes Plakat mit allerhand Verfügungen über den Kriegszustand. Wohl ein Dutzend Leute standen dabei lesend und die Ereignisse des Tages besprechend. Diese sagten mir, der Polizeidiener sei nach Hammer, um auch dort bekannt zu machen. Derselbe mußte sich heute Abend oder Morgen früh zur Bewachung der Bahnstrecken auf den ihnen zugewiesenen Bahnstationen stellen. Aus der Wirtschaft heraus hörte ich lautes Gespräch über Krieg, Fortgehen usw.. Eintretend gewahrte ich hier, wie der Wirt Förster und Junkersdorff darüber uneinig waren, ob sie bis Morgen früh warten könnten. Einige der Umstehenden rieten ihnen schließlich an, zu warten. Der Diskussion wurde ein Ende gemacht, als der Herr Ortsvorsteher, Andreas Offermann, in der Tür erschien und ihnen klar machte, daß sie sich ihrem Paß gemäß sofort nach dem bekannt werden des Kriegszustandes zu stellen hätten. Da gibt's kein Warten mehr. Noch am selben Abend also gingen die beiden Wirte, Junkersdorff und Förster zur Bewachung der Bahnstrecken auf den ihnen angewiesenen Stationen; ebenfalls aus der Wirtschaft heraus sodann Hubert Kaulard und Johann Thomas zu ihren Gestellungsorten. Wie ich hörte, haben sie in derselben Nacht auch schon Dienst Dienst getan.

Der Postagent Mathias Kaulard, unser Nachbar, mußte ununterbrochen am Telephon stehen. Gegen 2 Uhr in der Nacht wurde auch er abberufen nach Losheimergraben. Morgens 5 Uhr /Samstags ging mein Schwager, Paul Jansen, um sich in Ulfingen hinter St. Vith zu stellen. Ebenso noch mehrere andere vom geübten Landsturm und Landwehrmänner, deren Aufgabe es war, die Bahnstrecken und Bahnhöfe zu bewachen. Zusammen mochten wohl 11 Mann fort sein.

Bis Samstag Mittag erwartete man die Mobilmachung. Als diese aber noch immer nicht bekannt gemacht wurde, beruhigten sich allmählich die aufgeregten Gemüter und man dachte schon, es würde wohl doch nicht ernst werden. Wie der Mensch geneigt ist, immer wieder das Gute und Beste zu hoffen und zu erwarten. Ich ging Mittags nach der Kirche zum Heu. Aber schon Abends auf dem Heimwege erfuhr ich, dass die Mobilmachungsorder eingetroffen sei. Nun fing die Sache doch an, unheimlich zu werden. Das ganze furchtbare eines Krieges mit den modernen Waffen der Jetztzeit stieg einem unaufhörlich vor die Seele. Wieviel Jammer, Elend und Not mußte ein solcher Krieg mit sich bringen. Wir Deutsche und Österreicher mußten ja nach 2 Fronten kämpfen, gegen Frankreich und Rußland, soviel man hier aus den Zeitungsberichten wußte.

Im Dorf angekommen, hörte ich immer wieder von der Mobilmachung. Der eine rief es dem anderen zu. Zu ganzen Haufen standen die Leute auf der Straße zusammen, die Ereignisse des Tages besprechend. Die einen wohl noch mutwillig, andere dagegen weinend und jammernd, dass ihre Söhne oder der Gatte zum Krieg fort müßten. Da es Samstag Abend war, so begab ich mich gleich zur Kirche, um meinen Verpflichtungen als Küster nachzukommen und zur Salve Andacht zu läuten. Hier gewahrte ich am Beichtstuhle fast lauter Reservisten und Landwehrleute, welche sich, bevor sie den Gefahren des Krieges entgegen gingen, noch mit ihrem Gott durch den Empfang der hl. Sakramente aussöhnen wollten. Dieses dauerte auch noch nach der Andacht an. Es war fast 10 Uhr, als ich nach beendigtem Dienst nach Hause ging.Froh, endlich Feierabend zu haben und über die Kriegslage nachdenkend.

Aber es sollte noch ganz anders kommen. Auf dem Heimwege begegnete mir der Stimme nach ein Fremder. Erkennen konnte ich ihn nicht, da es bereits stark dunkelte. Nach dem üblichen Gruße rief er mir nach: Alles, alles ist mobil! Der ganze Landsturm auch. Das wird wohl noch Zeit haben, rief ich lachend, so schlimm ist's noch nicht. Zu Hause angekommen, erzählte ich die Tagesneuigkeiten und erwähnte auch des Fremden, dem ich aber nicht so recht glauben könnte. Wie wahr derselbe aber gesprochen hatte, sollten wir bald erfahren. Wir saßen noch am Abendbrot als ein Bote vom Ortsvorsteher eintraf mit der Weisung, ich sollte sofort zur Kirche gehen und Sturmläuten. Der Landsturm müsse zusammen kommen. Jetzt fing die Sachlage aber an, brenzlich zu werden. Bis jetzt wußte man ja noch garnichts von einer Kriegserklärung und schon sollte der Landsturm aufgeboten werden? Sollte das denn auch den ungedienten Landsturm angehen? Das war doch wohl kaum möglich. Und dann jetzt Sturmläuten, wo es doch beinahe 11 Uhr war. Das mußte ja das ganze Dorf aus den Federn heben. Weil die Sache mir zweifelhaft vorkam, so erkundigte ich mich gleich beim Herrn Pastor und dem Ortsvorsteher, um sicher zu sein. Nachdem mir diese zuteil geworden, trat ich mit meinem Bruder und einem Studenten, welcher beim Herrn Pastor zu Besuch war, an den Strang der Glocken und zogen feste drauf los. Bald löste mich einer ab. Ich ging hinaus um zu sehen, ob das Läuten Erfolg hätte. Und das hatte es! Wohl 20 Leute standen schon auf der Straße harrend der Dinge die da noch kommen sollten. Weithin dröhnten die gewaltigen Töne der Glocken durch die Stille Nacht, immer mehr Schläfer aufweckend und herbeiführend. Aber wie ganz anders klangen die Glocken, als wenn sie sonst in friedlichen Zeiten die Gläubigen zum hehren Gottesdienste zusammen riefen! Nicht feierlich und weihevoll! Nein, ganz anders! Wie in wilden Fieberfantasien schienen sie sich gegenseitig noch übertönen zu wollen. Schauerlich hallten die ehernen Klänge durch die Nacht und unwillkürlich mußte ich an die Worte des Dichters denken, wo es im Lied von der Glocke heißt: "Hört ihr's wimmern hoch vom Thurm, das ist Sturm".

Bald hatte sich eine Menge Volk vor der Kirche angesammelt. Wo dann der Ortsvorsteher durch den stellvertretenden Polizeidiener, Mathias Offermann (Scheid), bekannt machte, dass das erste Aufgebot des gedienten Landsturms einbefohlen sei und dass diejenigen, welche paßgemäß sich sofort zu stellen hätten, dies bis längstens Sonntags Morgens an dem Bezirkskommando in Montjoie tuen sollten. Die Übrigen aber nach Angabe Ihres Passes. Das war wieder eine aufregende Nachricht für alle, besonders aber für die davon betroffenen Vaterlandsverteidiger. Jetzt strömte jung und alt zur Wirtschaft Junkersdorff hinein, wo noch verschiedene gedruckte Formulare aufgehängt wurden mit allen möglichen Bestimmungen und Befehlen. Das gab ein Befragen und Gerede hin und her, ob in diesem oder jenem Paragraph auch der nicht geübte Landsturm gemeint sei oder nicht, und mancher der Letzteren glaubte schon, dass er auch bald absacken müsse. Gegen 12 Uhr erschienen schon 3 Reservisten, Mathias Scheidt, Josef Baumgarten und Anton Brüll, welche sich sofort stellen sollten, reisefertig in der Wirtschaft. Noch einige Glas Bier wurden zum Abschied getrunken, dann zogen die braven Streiter mutig unter frohem Gesang auf Montjoie zu. Am Sonntag Morgen rückten dann ca. 5 Landsturm-Männer aus, ihre Frauen und Kinder weinend zurücklassend. Auch noch einige Reservisten zogen ab. Den ganzen Tag über wurde nur von Krieg gesprochen, die unglaublichsten und schrecklichsten Geschichten wurden erzählt. Jedenfalls war manches davon sehr übertrieben oder ganz geschwindelt. Unter anderem wurde erzählt, dass der Uhrmacher "Grigalet" aus Monschau als Spion entlarvt worden sei. Derselbe sollte nachmittags erschossen werden. Auch Vorpostengefechte mit den Russen sollten vorgekommen sein.

Reservisten und Landwehrleute , die sich in den nächsten Tagen stellen sollten, saßen in den Wirtschaften gruppenweise beisammen, Vaterlandslieder singend und von Heldentaten plaudernd, die sie im Krieg verrichten wollten. Weiter wurde bekannt, dass die Volksschulen geschlossen würden, damit die Kinder auf dem Lande an den Erntearbeiten helfen könnten. Am Montag, den 3. zogen wieder eine Anzahl Leute aus, meistens Ersatz, welche meistens Fuhrmann waren. Diese wurden mit Transporten zur Grenze geschickt. An diesem Tage wurde der Güterverkehr auf der Eisenbahn gesperrt. Sättel, welche ich Freitags dorthin geschickt hatte, bekam ich zurück. Auch am Dienstagmorgen mußten sich wieder einige Mann in Montjoie stellen. An diesem Tage fuhr ich vormittagsmit dem Rad nach Montjoie, um mir die Kriegsvorbereitungen mal anzuschauen. Dort traf ich noch die meisten von hier einberufenen Reserve- und Landwehr-Leute an. Es sollte ein kriegsstarkes Bataillon gebildet werden. Einige Hundert Mann standen auf der Chaussee nach Höfen zu und wurden hier in Gruppen verteilt. Auch ein paar Ersatzleute traf ich an. Die sagten, dass sie sehr beschäftigt seien mit Ausrüstungsgegenständen herbei zu schleppen und in Ordnung zu bringen. Zahlreiche Posten waren durch Montjoie aufgestellt. An diesen fiel die neue feldgraue Uniform und der verdeckte Helm auf. Alle Augenblicke wurden einem von diesen Posten die Papiere gefragt. Ich zeigte beständig meine Radfahrerkarte, was einstweilig noch genügte.

In Imgenbroich war an diesen Tagen Pferdemusterung. Die Straße durch den Ort war mit Pferden so stark besetzt, dass man kaum durch kommen konnte. Auch hier von Eicherscheid wurden 12 Pferde für den Kriegsdienst ausgehoben und gut bezahlt. Johann Küpper erhielt für sein Pferd mit Geschirr nicht weniger als 1456 Mark. Unterwegs wurde mir erzählt, dass der wegen Spionage verhaftete Grigalet aus Montjoie sich daselbst im Gefängnis erhängt habe. Am Abend wurde durch Ausschellen bekannt gemacht , dass alle wehrfähigen Männer von 17 bis 45 Jahren sich am 7. des Monats in Imgenbroich auf dem Bürgermeisteramte zu melden hätten. Hiervon wurde zwecks späterer Aushebung eine Liste aufgestellt. Am Mittwoch, den 5., hörte man den ganzen Tag hindurch in der Richtung nach der belgischen Grenze heftigen Kanonendonner. Wenn dies früher vom Truppenübungsplatz Elsenborn gehört wurde, so beachtete man es kaum. Wie ganz anders war es aber jetzt. Bei den schweren Schüssen schreckte man förmlich zusammen. Es war ja kein Übungsschießen mehr, nein Krieg und bittererErnst war es.

Ich war in der Brombach am Grasmähen und hing so meinen Gedanken nach. Wie mochte es gehen an der Grenze? Ob unsere Truppen dem französischen Ansturm widerstehen konnten? Von unseren Soldaten waren ja die meisten noch nicht da. Oder würde unsere Gegend bald, vielleicht schon Morgen, von Franzosen überflutet sein? Was dann? Doch nein, soweit wird es wohl nicht kommen. Wenn auch an Zahl geringer, so würde doch die altbewährte Tapferkeit unserer deutschen Soldaten den Feind zurückhalten.

Als ich abends nach Hause ging, erzählte man mir in der Kuhl, dass die belgische Festung Lüttich beschossen worden sei. Belgien kämpfte mit auf französischer Seite. Ich fragte bei Gillehsen (jetzt Haus Kell) an, ob er mir Morgen Heu holen könnte. Ja, sagte der, ich würde das Heu aber an deiner Stelle draußen lassen, wenn es sollte schief gehen an der Grenze, so dass die Franzosen herüber kämen, dann wäre das Heu im Feld sicherer wie im Hause. Ich hielt jedoch solche Bedenken für übertrieben und fuhr ein.

Auch am Donnerstag 6. hörte man vereinzelt noch Schüsse. Heute kam der Schwager Paul Jansen von der Musterung zurück. Er war als dienstuntauglich befunden worden und darum entlassen. Vormittags wurde der Postverkehr bis auf Pakete und Postanweisungen eingestellt. Wenn's mal gut ging, bekam man auch mal eine Zeitung, meist jedoch nicht. Am Abend kam der Ersatzmann Andreas Küpper zurück. Derselbe war mit einem Transport Pferde nach Metz gewesen. Er sagte, es wären viele Ersatzleute nach Hause geschickt worden. Hörte, dass die Deutschen Lüttich eingenommen hätten. Die Stadt und einige umliegenden Dörfer seien in Brand geschossen worden.

Freitag 7. fuhr ich nach Simmerath. Dort war die Chaussee gesperrt mit Telegrafenstangen. Ein Simmerather stand davor auf Posten. Am Arm trug er ein weißes Band. In der Hand sein Jagdgewehr. Am daneben liegenden Hause standen noch 4 Mann mit Gewehren, wahrscheinlich zur Ablösung. Mir wurden die Papiere gefragt, ich zeigte meine Karte, worauf die Wache mir erzählte, dass sie hauptsächlich wegen fremder ausländischer Autos hier stehen müßten; jedes Auto wurde angehalten. Es sollten französische Autos mit Gold für Rußland bestimmt, durch Deutschland kommen, darum wurde überall danach gefahndet. Samstag 8. und Sonntag 9. kamen wieder 4 Ersatzleute und der Schneider, Mathias Hüpgens zurück. Letzterer mußte sich aber am 17. des Monats wieder in Cöln stellen.

Fast jeden Tag hörte man auf die Grenze zu schießen. Man sagt, dass die aus Belgien ausgewiesenen Deutschen dort unmenschlich behandelt worden seien. Auch ein Eicherscheider, der lange Jahre in Belgien gewohnt hatte, kam von dort zurück. Paul Hoch, so hieß er, versicherte, dass er nach mancherlei Unbilden, welche er erdulden mußte, sein ganzes Hab und Gut verloren hätte, und, wie ihm, so hätte es Tausenden anderen auch ergangen. Auch wurde erzählt, dass die belgische Zivilbevölkerung von manchen Orten meuchlings auf unsere Soldaten geschossen hätten. Wo dies jedoch geschehen sei, da wären diese Orte von unseren Truppen ohne Rücksicht zusammen geschossen worden. 

 Am Sonntag 9. war 13 stündiges Gebet, um den Segen Gottes für den gegenwärtigen Krieg zu erflehen. Wie ich hörte, haben die umliegenden Orte fast täglich Einquartierung von durchziehenden Truppen. Auf der Post werden seit gestern wieder Briefe befördert, jedoch nicht ins Ausland. Montag 10. wieder Kanonendonner. Morgens kamen mehrere Flugmaschinen hier herüber auf die Grenze zu. Dieselben wurden sehr angestaunt, obschon sie in ziemlicher Höhe flogen. Zuerst hörte man das Surren der Motoren, dann bemerkte der Beobachter vom Boisch herüber einen dunklen Punkt, der dann rasch näher kam. In der Sonne blitzte das Metall und man konnte deutlich Ein-und Zwei-Decker unterscheiden. Für uns war dieser Anblick etwas Neues, da man hier noch keine Flugmaschine gesehen hatte, nur einmal einen Zeppelin. Die ganze Woche hindurch hörte man fast täglich schießen und öfters auch den munteren Gesang der auf der Chaussee daherziehenden Truppen. Einer der Flieger kam mal direkt über unser Haus hin und ging so tief, dass man die Propeller und den Insassen gut sehen konnte. Es war wie eine große Taube, unter den Flügeln auf weißem Feld ein schwarzes Kreuz. Einige male sah ich eine in einiger Entfernung kreisen und dann wieder gehen. Später erfuhr ich, dass zwischen Rohren und Höfen im Felde ein Flugplatz eingerichtet worden sei, wo die Flieger anführen und landeten. Einige Haferfelder, die hinderlich waren, wurden gekauft und dann gemäht. Nach etlichen Tagen aber hörte man nichts mehr von ihnen. Alle waren nach Frankreich zum Kriegsdienst. In Imgenbroich und in Conzen sollen an einem Tage bis 2000 Mann einquartiert gewesen sein; in Roetgen sogar an einem Tage 7000-8000.

Am Sonntag dem 16. wurde eine Hauskollekte gehalten, zur Pflege verwundeter Krieger. Landwirtschaftlich wäre zu verzeichnen, dass wir Ende Juli ein Kalb verkauft hatten, welches bis zum 5. August fortgehen sollte. Das Tier wurde aber nicht abgeholt und wir hörten auch von dem Händler nichts mehr. In der Werkstatt hatte ich 1 Dtzd. Sättel zum Versand fertig und außerdem noch 6 Stück, welche am 31. Juli an der Bahn nicht mehr angenommen wurden. Doch der Güterverkehr war noch immer gesperrt. Die Kunden, von denen sonst noch Bestellungen vorlagen, meldeten garnichts mehr, es schien, als ob sie nichts mehr nötig hätten. Am 16. wurde bekannt gemacht, dass die Jahrgänge 1889 - 1896 sich am Mittwoch zur Aushebung zu stellen hätten. Von 34 Gestellungspflichtigen  wurden 26 zum etwaigen Kriegsdienst ausgehoben. Dieselben brauchen aber noch nicht einzutreten. Aus den Städten soll der Ersatz schon eingezogen sein. Wegen Berücksichtigung der Ernte soll der Ersatz auf dem Lande erst später heran geholt werden.

Da ein Staat nach dem anderen  uns den Krieg erklärt, so gibt es unter den Leuten hier und da ängstliche Gemüter, welche glauben, dass der Allerweltskrieg der Anfang vom Weltende sei. Ich schließe mich diesen Schwarzsehern einstweilig noch nicht an. Meine Schwester Josefina im Kloster der Franziskanerinnen in Aachen schreibt, dass sie ca. 90 Verwundete dort in Pflege hätten. Täglich gingen Geheilte ab und noch mehr neue kämen an. In der Landwirtschaft steht man schlecht, weil man, da so viele Pferde fort sind, oft gar keinen Fuhrmann kriegen kann. Wie ich hörte, steigen die Preise für Pferde bedeutend. Nach Rindvieh ist jedoch wenig Nachfrage. Am 23. dröhnen wieder die Kanonen besonders stark. Die Zeitungen bringen Sieg auf Sieg von Ost und West. Der gütige und gerechte Gott verleiht unseren Waffen sichtlich seinen Segen.

Am 1. September wurde unser Nachbar Anton Heck zu Grabe getragen. Der Kriegerverein, welcher sich am Begräbnis beteiligte, war nur schwach vertreten, da mehr als die Hälfte der Mitglieder im Kriege war. Im ganzen sollen 42 Mann eingezogen sein. 9 Mann von hier, welche an der Bahn Posten stehen, waren zum Begräbnis erschienen, in Kriegsuniform und Gewehr, geführt von Unteroffizier Wilden. Am Grab wurde präsentiert. Auch später kamen die Landsturmleute öfters auf ein paar Tage in Urlaub. Am 5. hörte ich, dass der Güterverkehr auf der Bahn wieder aufgenommen sei. Da wegen der Gütersperre an meinem Handwerk nicht viel zu machen war, so arbeitete ich an der Landwirtschaft für uns und andere.

Es wird gesagt, dass Leonhard Kaulard und Heinrich Kaulard leicht verwundet seien. Der erste am Fuß, der andere am Arm. Ein anderer Streiter von hier soll geschrieben haben, dass sie außer Einem noch alle beisammen wären. Ob dieser Eine nun tot oder gefangen ist, weiß man nicht. Der Güterverkehr auf der Bahn hat bloß ein paar Tage gedauert und sich auch nur auf das allernotwendigste beschränkt. Holzsättel kann ich noch immer nicht fortkriegen. Von den Kunden höre ich noch immer nichts.

Am Sonntag, dem 13. kam von Lammersdorf ein Herr Wilden, Brot, Fleisch oder Butter für hungernde Krieger sammeln. Er trug das Armband des roten Kreuzes. Am Bahnhof in Lammersdorf wurden seiner Aussage gemäß die durchfahrenden Soldaten gespeist, er führe aber auch mit seinem Auto bis zur Front nach Frankreich oder Belgien. Wilden brauchte nicht lange zu bitten und konnte bald mit seinem mit Lebensmitteln beladenen Auto abfahren. Nach der Andacht fuhr ich mit dem Rad nach Lammersdorf, um mir die Sache mal anzusehen. Als ich zum Bahnhof kam, hielt da ein langer Zug mit Trainsoldaten, welche aber ihre Butterbrote verzehrt hatten. Kaum war der Zug abgefahren als auch wieder ein anderer einlief, ebenfalls mit Trainsoldaten. Sobald der Zug hielt, kamen aus dem Bahnhofsgebäude wohl ein Dutzend Mädchen oder Frauen mit Körben, die hoch mit Butterbroten beladen waren, gingen an der Waggonreihe vorbei und teilten aus. Andere hatten ganze Eimer voll Kaffee und reichten jedem eine Tasse hin. Noch 3-4 Züge kamen an und es wiederholte sich die Fütterung von neuem. Dass der Hunger der Soldaten nun gerade arg war, das wollte mir nun doch nicht einleuchten, denn ich bemerkte wohl in jedem Zuge, wie hier und da ein Soldat eine dargebotene Zigarre dem Butterbrot vorzog. Wie schon erwähnt, bestanden die Transporte heute alle aus Train. Auf einer Reihe flacher Waggons standen auf jedem von diesen ein Heuwagen, welche dem Train als Transportwagen dienten. Aus diesem Umstande sowohl wie auch an den Vollbärten der Soldaten konnte man sehen, dass es Reserve und Landwehrmänner waren. Und dann kamen die Viehwagen mit den Pferden und Soldaten. An jeder Seite des Wagens waren 2 Pferde angebunden und in der Mitte dazwischen kampierten die Soldaten. Am Bahnhofe hatte sich eine Menge Neugieriger eingefunden, welche sich auch mehrfach mit den Soldaten unterhielten. Ich fragte einen derselben, wo es denn nun eigentlich hinginge. Ja, erwiderte der, ob es nach Rußland oder nach Belgien geht, wissen wir selbst nicht, wir sind schon 3 bis 4 Tage auf der Bahn gefahren und sind dessen schon herzlich satt. Sie kämen aus der Gegend von Sedan her, wo man nur verlassene und mehr oder weniger verbrannte und zerstörte Dörfer und Städte sehen würde. In den Nachbarorten waren ebenfalls Lebensmittel gesammelt worden und auch von hier aus ging Montags nochmals eine Fuhre nach Lammersdorf ab.

Bis zum 19. (Anm.: September 1914) war der Güterverkehr noch immer gesperrt. Der Postwagen kam auch nicht mehr. Der hiesige Postverwalter war abgereist. Die Zeitungen kamen sehr unregelmäßig oder blieben sogar ganz aus. Letzteres empfand man besonders unangenehm, weil man begreiflicherweise auf die Ereignisse vom Kriegsschauplatz so sehr gespannt war. Aus diesem Grunde erhielten viele Leute eine Tageszeitung, die früher kaum das Montjoier Volksblatt lasen. Die Postsachen wurden mit einem Auto, welches zwischen Düren, Aachen und St. Vith verkehrte, befördert. Da dieses Unternehmen aber, wie mir gesagt wurde, privater Natur war, so ging es eben so wie es konnte. Es war eine traurige Zeit. Das vorhin andauernd gute Wetter hat sich seit dem 12. in Regen und Sturm verwandelt. Jedoch war die Ernte bis heran als gut zu bezeichnen.

Hörte in diesen Tagen, dass wieder zwei von unseren Kriegern verwundet seien. Es waren dies Johann Claßen und Richard Schröder. Claßen hatte eine leichte Wunde am Arm, Schröder eine Kugel im Knie. Auch der Unteroffizier Matthias Scheidt hätte von einer Granate was mitgekriegt. Einer von Huppenbroich, Andreas Kessel, sei auch verwundet nach Haus gekommen und hätte erzählt, dass auch Josef Baumgarten von hier schwer verwundet sei, möglicherweise auch Jacob Huppertz. Eine Granate hätte direkt bei Josef Baumgarten in den Schützengraben eingeschlagen. Ein Splitter davon hätte ihn am Kopf verwundet, er hätte noch gesehen, dass Baumgarten zusammengefallen sei, bevor er selbst ohnmächtig geworden wäre, aber auch Huppertz müsse getroffen sein.

Am 19. (September 1914) kam der Vater Baumgarten zu mir und sagte, dass sein Sohn Josef tot sei. Mathias, der 2. Sohn, hätte aber eine Karte geschickt. Die Karte, die ich gelesen, hatte folgenden Inhalt: Mein Bruder Josef ist nun tot. Während dem Rosenkranzgebet im Schützengraben, wurden ihm beide Beine abgeschossen. Er wußte noch nicht gleich, dass er beide Beine verloren hatte. Bald darauf starb er. Auch Jacob Huppertz war bei ihm und ist am Bein getroffen. Der alte Mann war wohl etwas niedergeschlagen ob dieser plötzlichen Trauerkunde, aber doch nicht verzagt. Er hatte im Leben so vieles Herbe durchmachen müssen, so dass er gelernt hatte, sich in das Unvermeidliche in das Geschick Gottes ohne Klagen zu fügen. Das war also das erste Opfer, welches der Krieg aus unserem Orte forderte. Ob wohl auch das Letzte? Dies darf man kaum hoffen bei den mörderischen Waffen der Jetztzeit und der vielen Feinde, die unser Vaterland von allen Seiten bedrohen.

Am 22. war das Exequiem für Josef Baumgarten. Der Kriegerverein beteiligte sich daran. Die Tumba war mit einem Kranz aus Eichlaub geziert. Der Pfarrer hielt eine ergreifende Ansprache, so dass manchen in der gut besetzten Kirche die Tränen in die Augen traten. Der Kirchenchor sang ein 3 stimmiges Requiem, wodurch die Feier sehr gehoben wurde. Es konnte auch nicht leicht zu viel getan werden, denn wer sein Leben für andere dahin gibt, der hat es gewiß verdient, im Tode geehrt zu werden.

Am Sonntag, dem 20. September 1914 wurde bekannt gemacht, dass sogleich eine Fuhre mit Liebesgaben zum Bahnhof fahren sollte. Auch Zigarren  und Tabak könnten geschenkt werden. Aus der Gesangsprobe kommend gab ich am Consum noch ein paar Päckchen Tabak mit. Es wurde gesagt, dass XIII. und XIV. Armeechor käme durch und führe nach belgien. Glaube aber, dass dies nur Vermutungen sind, da die Heeresleitung so etwas nicht bekannt werden läßt. Heute fuhr mein Bruder Josef und Heinrich Schröder nach Aachen, um Richard, der dort im Krankenhaus war, zu besuchen. Josef erzählte mir, dass Richard munter und guten Mutes sei. Die Kugel stecke unterhalb der Kniescheibe im Bein. Der Arzt hätte sie noch nicht heraus gezogen. Richard hätte jetzt nicht mehr viele Schmerzen, nur könne er das Bein nicht biegen. Beim Abschied hätte er sie noch bis auf die Straße begleiten können. Von Heinrich Kaulard, der im Lazarett in Siegburg liegt, erhielt ich als Antwort einen Brief, worin er mitteilt, dass es ihm jetzt besser gehe und er vielleicht bald nach Hause käme. Einen langen Brief könnte er nicht schreiben, da er wegen der Wunde am rechten Arm links schreiben müsse und außerdem noch zu Bett liege.

Am 20. und 21.09.1914 hörte man in Richtung Belgien starkes Schießen. Diese hielt die ganze Woche mehr oder weniger an. Donnerstags nach Mittag erscholl plötzlich unten im Dorf lauter Gesang. Ich schwang mich auf  mein Fahrrad, um dort mal zu sehen, was da eigentlich los sei. Ich staunte, als ich mich auf der Breitestraße plötzlich einer Abteilung Soldaten gegenüber sah. Doch gleich bemerkte ich dabei bekannte Gesichter. Das ganze war nicht anders als die Landsturmkompanie Montjoie, dabei auch mehrere Eicherscheider. Diese hatten zur Abwechslung einen Ausflug nach Hammer gemacht, hatten sich Mittags dort einquartiert und gingen nun hierdurch wieder nach Montjoie zurück. Das Landsturmbattailönchen machte einen ganz gemütlichen kriegerischen Eindruck. Hatten belgische Tornister. Am 27.09. war bekannt gemacht worden, dass am Montag Morgen nochmals eine Fuhre nach dem Bahnhof Conzen gehen sollte. Die Häuser von Nr. 1 - 72 sollten sich mit dem Spenden der Liebesgaben betätigen.

Am Montag, dem 28. erhielten die Angehörigen des Jakob Huppertz einen Brief von demselben. Der Brief war aus dem Lazarett bei Sedan aus geschrieben. Jakob teilt darin mit, dass man ihm den verwundeten Fuß bis zur Ferse abgesetzt hätte; er hätte sehr viel Schmerzen ausgestanden und aus der Front einen langwierigen Transport mitgemacht habe. Für die Nacht waren sie meistens in Scheunen untergebracht worden und bei jedesmaligem Ausladen seien schon wieder ein paar Kameraden tot gewesen. Er sollte weiter nach Deutschland geschafft werden, sobald es anginge und würde dann von da an wieder schreiben.

Oktober am 1. (1914) kam Leonhard Kaulard in Urlaub. Derselbe erzählte, dass er bei Sedan verwundet worden sei. Während er knieend einen Kameraden verbunden habe, sei ihm eine Kugel durch die Sohle in den Fuß gedrungen. An die 60 Verwundeten hätten noch den ganzen Tag im Feuer liegen müssen, weil es zu gefährlich war, um fortgeschafft zu werden. Sie hätten Anfangs strenge Marschtage gehabt, oft ganze Nächte hindurch . Der Verwundete hinkte ein wenig, ging aber doch meistens seiner Arbeit nach.

Bis zum 11. Okt. hörte man fast täglich die Kanonen dröhnen. Eine Depesche vom 10. besagte, dass Antwerpen gefallen sei. Dieser starken Festung hatte also die furchtbare Sprache der Kanonen gegolten. Leonhard Kaulard mußte sich in Montjoie beim Arzt untersuchen lassen. Dieser stellte ihm noch einen Monat Urlaub aus. Auch von Mathias Scheidt erhielt ich auf mein Schreiben die Antwortkarte zurück. Dieser schrieb, dass er noch wohl und munter sei, nur der Tabak fehlte. Meine Schwester Anna beeilte sich, 2 Päckchen zu schicken. Vetter Alois aus Rohren schrieb von dort, dass er wegen überstandener Krankheit beurlaubt sei.

Da auf der Bahn noch immer keine Güter angenommen wurden, so schickte ich am Mittwoch, 7. Okt., 1 Dtzd. Sättel mit dem Fuhrmann Heinrich Küpper nach Aachen. Am 9. hörte ich, dass auf der Eisenbahn wieder kleine Posten Güter transportiert werden würden und sandte darum sogleich Sättel nach Hagen ab. In diesen Tagen wurde bekannt, dass Math. Baumgarten, der Bruder des Gefallenen, verwundet worden sei und bei Köln im Lazarett liege. Auch manche aus den Nachbarorten seien tot oder verwundet. Der verwundete Kessel aus Huppenbroich mußte sich wieder, da er als geheilt angesehen wurde, beim Ersatzbattailon in Köln stellen.

Am Sonntag dem 11. Okt. sollte uns eine Überrachung beschieden sein. Gleich nach der Andacht fuhr ein Auto bei Junkersdorff vor, dem 2 Soldaten entstiegen. Frau Junkersdorff begrüßte einen sehr freundlich und lud ihn ein doch mal herein zu kommen. Dieser trug den linken Arm in der Binde. Während das Auto wieder davon fuhr, erzählte das Söhnchen des Wirten mir, dass Johann Schröder gekommen sei. Da auch dessen Vater und Bruder bereits auf der Straße erschienen, so ging ich mit ihnen, um den angekommenen Krieger zu sehen. Johann hatte sich einen dichten Vollbart wachsen lassen und man konnte ihm absehen, dass in den Schützengräben von Seife und Frisierartikeln nicht viel die Rede war. Er erzählte, dass er am Donnerstag Abend mit der Schaufel auf der Schulter in den Schützengraben hätte steigen wollen, als ihm eine Kugel 2 Finger der linken Hand abgerissen hätte. Darauf war er zurückgegangen, hatte seine Verwundung gemeldet und dann die Fahrt zwischen Reims und Verdun aus bald mit der Eisenbahn, bald mit dem Auto über Namur bis Aachen zurück gelegt. Da er von Walheim aus keinen Zug mehr kriegen konnte, so sei er entschlossen gewesen, die Strecke bis hierher zu Fuß zurück zu legen. Unterwegs habe aber der Insasse des Autos ihn gerufen und da dieser ein wohlwollender Offizier war, so hätte der ihn direkt nach Hause gefahren. Schröder wurde natürlich von allen Seiten mit Fragen bestürmt und erzählte dann auch viel von seinen Erlebnissen und von den Schrecken des Krieges. Montags mußte er zum Arzt gehen. Dieser verordnete ihn ins Krankenhaus zu Simmerath.

Am 13. besuchte ich unseren Vetter Alois in Rohren. Er hatte in Frankreich Lungenentzündung gehabt und war, nachdem er transportfähig war, auf einige Wochen nach Hause  beurlaubt worden. Am 14. kam Heinrich Kaulard aus dem Lazarett von Siegburg nach Hause. Derselbe trug den verwundeten Arm noch in der Binde. Am 15. meldete er sich in Montjoie, blieb dort im Krankenhaus bis Sonntag, wo er wieder hier war. Dann sollte auch er nach Simmerath in Pflege kommen, konnte aber gleich Schröder tagsüber öfters zu Hause sein.

Am 16. erhielt ich einen sehr interessanten Brief von Math. Scheid, den er im Unterstande des Schützengrabens, umsaußt von feindlichen Kugeln und Granaten, geschrieben hatte. Der Brief war trotzdem stellenweise recht witzig und zeugte also, dass der Schreiber noch guten Mutes war. Vom 18. an hörte man noch öfters das ferne Rollen und Grollen der Kanonen. Schon daran konnte man hören, dass unsere Truppen immer weiter in Frankreich und Belgien vorgingen.

Am 19. Okt. stiegen die Preise für fette Schweine plötzlich von 42 - 43 Pfennig Lebend-Gewicht auf 60 - 65 Pfg. per Pfund. Dieser Preis war wohl nie erreicht worden. Am 21. war ich auf dem Simmerather Markt. Es waren nicht viele Buden da, höchstens halb so viel wie sonst. Wollene Kleidungsstücke waren kaum zu haben. Nur viele Soldaten sah man dort, Landsturmleute und Verwundete.

Am 27. kam Richard Schröder aus dem Lazarett von Aachen. Er stellte sich zur Untersuchung in Montjoie und wurde ebenfalls nach Simmerath verwiesen, wo also jetzt die Gebrüder Schröder und Heinrich Kaulard sind. Leonhard Kaulard ist noch immer hier und kann teilweise seine Arbeit verrichten. Am 28. hörte ich das Hubert Förster auch nach Hause gekommen sei. Derselbe hatte 2 Schüsse erhalten. Einen im Arm, den anderen im Bein ohne jedoch gefährlich zu sein. Hatte ein paar Wochen Urlaub erhalten. In der letzten Zeit regnete es viel, so dass auch die armen Soldaten im Felde einen schweren Stand haben, besonders in den kalten und feuchten Nächten im Schützengraben und auf Posten. Vom 1. bis 8. November war recht schönes Wetter. An den meisten Tagen hörte man wieder die Kanonen reden. Hubert Förster ist noch immer hier. Er trägt die blaue Uniform und wird, da er fast ganz hergestellt ist, bald wieder fort müssen.

Am 8. November veranstaltete der Pfarrer (Anm.: Pfarrer Joseph Loogen) einen Volksvereins-Abend im Saale der Wirtschaft Kaulard (Anm.: "Martinsches"). Das Programm bildete der jetzige Krieg. Der Herr Pfarrer leite mit einem diesbezüglichen schönen Vortrag ein, dann folgten abwechselnd Gedichte und Lieder, vorgetragen von Kindern und Chorsängern. Der erste Teil derselben bezog sich auf die Mobilmachung, das einmütige Erheben unseres ganzen deutschen Volkes, dem Abschied unserer tapferen Krieger von Haus und Herd und der Abschiedstränen der zurückbleibenden Eltern und Angehörigen. Im zweiten Teil wurde dem geistigen Auge der Zuhörer eine Schlacht mit all ihren Schrecken vorgestellt. Das Lied: Gebet vor der Schlacht, welches 3 stimmig, vorgetragen wurde, war besonders erhebend. Der Inhalt desselben zeigte so recht, wie selbst die gewaltigste Schlacht ihren Schrecken verliert, wenn der Krieger mit starkem Gottvertrauen in den Kampf zieht. Weiter folgte ein Vortrag, gehalten von Kaulard (Isaak), welcher uns an Hand einer Landkarte auseinander setzte, warum in der jetzigen Kriegszeit der Bezug von ausländischen Getreidearten und Rohstoffen schwierig oder gar oft unmöglich sei. Nach der Schlacht, so hieß der dritte und letzte Teil der Vorführung, der uns in Wort und Lied einerseits zwar Tod und Wunden, andererseits aber auch lauter Jubel und Siegesfreuden kundgab. Mit dem gemeinschaftlichen Lied: Heil dir dem Siegerkranz, schloß die so schön verlaufene Versammlung. Die Gedichte waren meistens aus den Zeitungen zusammen gesucht worden.

Am 09. Nov. kam auch der verwundete Mathias Baumgarten hier an. Obschon, wie er sagte, seine Wunde in der Seite noch nicht ganz geheilt war, sah er doch ziemlich gut aus. Ging dann ebenfalls nach Simmerath ins Krankenhaus. Am 10. erhielt Bruder Josef den Gestellungsbefehl als Ersatzreservist. Er wurde der jüngste Ersatzmann von hier und also der erste von diesen, der vom hiesigen Orte eingezogen wurde. Er soll sich am Samstag, dem 14. des Monats 1/2 10 Uhr in Montjoie melden. Am 12. mußte sich der verwundete Leonhard Kaulard nach voraufgegangener ärztlicher Untersuchung in Köln beim Ersatzbataillon melden. Derselbe hinkte zwar noch immer etwas, obschon die Wunde am Fuße längst geheilt war. Ob er wieder nach Frankreich muß? Möglicherweise wird er nur noch im Garnisondienst verwendet.

Auch Johann Kaulard (Amtsrichter, Sohn vom Uhrmacher) kam an diesem Tage zu kurzem Urlaub hier an. Der Urlaub war ihm zu seiner Erholung bewilligt worden. Er hatte als Unteroffizier mit in Belgien bei Antwerpen gestanden und zuletzt in Flandern im Überschwemmungsgebiet mitgekämpft. Derselbe äußerte sich, dass er nur wünschen täte, nicht mehr dorthin zu müssen; da sei es fürchterlich hergegangen.

Sonntag, dem 14. Nov. begleitete ich meinen Bruder Josef nach Montjoie. Auch Vetter Josef Niehsen ging mit. Obschon der Abschied ewas schwer schien, war Josef doch guten Mutes. Galt es ja doch für's geliebte Vaterland zu dienen und zu streiten. Und die Liebe zum Vaterland ist einem jeden von uns nie deutlicher zum Bewußtsein gekommen, als gerade jetzt im Kriege. In Montjoie waren bald im Kasernenhof so ca. 150 Ersatzleute beisammen. Sie wurden verlesen und ihnen gesagt, dass sie nach Köln befördert würden. Um 11 Uhr Marsch zum Bahnhof. Hier ein letztes Händedrücken zum Abschied, dann sprangen die munteren Ersatzleute in den inzwischen eingelaufenen Zug. Josef in einen Waggon II. Klasse, wohl in dem Gedanken, es sich vor Antritt des Dienstes noch mal möglichst bequem zu machen. Dann dampfte der Zug mit den neuen Vaterlandsverteidigern davon. Nach einigen Tagen schrieb Josef, dass er sich schon gut eingelebt hätte. Der Dienst sei nicht zu streng und meistens sogar sehr interessant, weil fast täglich neue Übungen gemacht würden; hätte noch immer guten Appetit.

Wer in der jetzigen Zeit zum Konsum oder zum Kleinhändler geht, mußte seine Geldbörse gut versehen, da die Puttikwaren stets im Preise stiegen. Im Nov. fing Petroleum  an rar zu werden. Als der Wagen im Kosum abgesezt hatte, erhielt jedes Mitglied nur 4 Liter. Damit sollte man den Monat hindurch auskommen. Am 20. gelang es uns, nochmal einen Liter zu kriegen. Öfters brannten wir abends eine Kerze. Sogar die alte Tranlampe, welche vor 20-30 Jahren außer Dienst gesetzt wurden, wurde wieder heraus gesucht und gebraucht. Diese Nothelfer setzten zwar ein klägliches Licht ab, aber es war doch besser wie gar keins.

Am 24. Nov. kam endlich Nachricht von dem verwundeten Jakob Huppertz, nämlich dass er schon am 28. September im Lazarett bei Sedan gestorben sei. Am 28. war ein Ex.-Amt für ihn. Außer dem Kriegerverein und den 4 verwundeten Soldaten von hier waren ca. 20 Soldaten vom Simmerather Krankenhaus gekommen, um dem Seelenamt für ihren toten Kameraden beizuwohnen. Der Kirchenchor verschönerte die Feier durch ein 3-stimmiges Requiem. Aus dem Ame nach Hause gekommen, erfuhr ich auf der Post, es sei soeben ein Telegramm gekommen, dass Mathias Kaulard im Lazarett an Typhus gestorben sei. Also mithin schon das dritte Opfer, das der Krieg aus unserem Orte forderte. Bruder Josef schreibt von Cöln, dass sie zu 10 Mann in einem Zimmer eines Privathauses am Hahnentor kampierten. Sie wären alle wohlgemut und sängen oft vor dem Schlafengehen noch lustige Lieder. Am 27. hätten sie den Fahneneid abgelegt, ausreißen gäb es also jetzt nicht mehr. Vielleicht kämen sie am 8. Dez. nach Düren zu liegen, das er bald nach Hause käme, wenigstens für einige Zeit.

Am 28. Nov. (1914) erhielten auch die Ersatzleute Johann Niehsen, Andreas Küpper und Martin Brüll den Befehl, sich am 1. Dez. in Montjoie zu stellen. Das war also in gut 12 Tagen. Am Sonntag, dem 29. Nov., kam Math. Scheid schon an. Das gab ein freudiges Wiedersehen. Seine Verwundungen waren zwar verheilt aber er war hochgradig nervöß, warum er auch beurlaubt werden mußte. Er erzählte uns viel von seinen Kriegserlebnissen, von langen und bangen Stunden im feindlichen Artilleriefeuer, durch das sie hindurch gemußt; von der Not der Bevölkerung der dortigen Gegend. 1. Dezember.

Heute, morgens 8 Uhr , mußten sich die Ersatzleute Niehsen, Küpper und Brüll in Montjoie stellen. Dieselben kamen alle wieder zurück und sagten, dass sie noch um einige Wochen zurück gestellt worden seien. Sie wären zu 500 Mann in Montjoie gewesen; 200 nur Garnison-diensttauglich seien nach Eschweiler abgegangen. Die anderen 300 Felddiensttaugliche seien einstweilig wieder nach Haus geschickt worden.

Am 2. Dez. war um 8 Uhr Exequien-Amt für Math. Kaulard. Auf näheres Übereinkommen der einzelnen Vereine versammelten sich diese diesmal am Wohnhause des Verstorbenen, das war der Kriegerverein mit einer noch größeren Anzahl Verwundeter aus Simmerath, der Kirchenchor, dessen Mitglied der Verstorbene war (1. Tenor), gleich hinter dem Kriegerverein mit der Vereinsfahne und die freiw. Feuerwehr in Uniform. Leonhard Kaulard, welcher wie schon angegeben, jetzt wieder in Cöln steht, war ebenfalls zu der Trauerfeier erschienen. Derselbe war Hauptmann der Feuerwehr und darum telegraphisch von dem Tode ihres Mitgliedes benachrichtigt worden. Darauf hin hatte man ihm ein paar Tage Urlaub bewilligt. Der Chor sang unterwegs 4 St. Miserere. Beim Amt 3 St. Messe. Die Feuerwehr ehrte das Andenken ihres verstorbenen Kameraden, in dem sie an der Tumba einen prächtigen Kranz niederlegten. An der Trauerfeier beteiligten sich 150 Personen.

Josef Arnolds, Mathias Carl, Johann Förster (Buschgasse) und Arnold Jansen gingen heute zur Aushebung. Der erste wurde wegen einer Verrenkung am Knie zurück gestellt. Die anderen drei wurden als tauglich erkannt und ihnen gesagt, daß sie bald  einberufen würden. Am 3. Dez. mußten die bisher an den Bahnstrecken stehenden Landwehrmänner Heinrich Förster, Wirt Hubert Kaulard (Breitestraße) und .... (2 Seiten fehlen!)..... die Bahn verlassen in Conzen und sich in Walheim anmelden. Wie es hieß, sollten von dort eine Anzahle Landwehrleute zum Ersatzbataillon Cöln abgehen. Kaulard war mit Rücksicht auf die Postagentur, welche er von Conzen aus bisher noch teilweise verwaltet hatte, bisher noch verschont geblieben. Wie soll es denn nun für die Folge auf unserem Postamte zugehen? Wahrscheinlich noch schlechter als bisher. Oder ob das Ganze aufgehoben wird? Dagegen würden wir aber energisch protestieren. Bruder Josef schrieb heute, daß er auf der Fahrt nach Elsenborn wäre. Sie seien in Düren nur 3 Tage gewesen und wären dort in Feldgrau gekleidet worden, hätten neue Stiefel bekommen und Gewehre. Er hoffte, daß wir ihn in Elsenborn besuchen würden.

Am 3. Dez. wurde außer der kirchlichen Feier das St. Lucienfest ziemlich still begangen. Wohl waren hier und da Gäste zu sehen, aber das Ganze hatte doch infolge der Kriegszeit ein mehr ernstes und stilles Gepräge. Es wurde mir erzählt, dass Johann Niehsen aus unserem Orte an seine hier noch wohnende Mutter geschrieben habe aus Rußland. Niehsen dürfte schon in den vierziger Jahren stehen und war mit anderen Altersgenossen von Aachen nach Rußland beordert worden.

Am 14. (1914), dem Lucienmontag, fuhren mein Bruder Mathias, Schwager Paul, Vetter Josef Niehsen und ich nach Elsenborn, um Josef in seinem neuen Stande zu sehen und zu besuchen. Gegen 1/2 11 Uhr kamen wir im Lager an. Nachdem wir uns in einer Kantine an Speise und Trank gelabt hatten, suchten wir uns zunächst Baracke 62, wo Josef kampierte. Da das Militär zu Felddienstübungen ausgerückt war, so trafen wir ihn nicht an, erfuhren aber, dass die Soldaten vor 12 Uhr zurück kämen. Während dieser Zeit wollten wir uns das Lager mal ansehen. Noch garnicht weit gekommen, stellte uns schon ein Gendarme zur Rede. Er verlangte unsere Papiere zu sehen. Glücklicherweise hatten wir unsere Pässe bei uns und uns auch beim Eintritt ins Lager mit einer Lagerkarte versehen. Das müssen Sie sich schon gefallen lassen, sagte der Wachtmeister. Es laufen nämlich viele Franzosen hier in Deutschland herum, die mit Papieren von gefallenen deutschen Soldaten ausgerüstet sind und betreiben auf diese Weise Spionage. Darum sei besonders an solchen Stellen wie hier die größte Wachsamkeit geboten. Damit konnten wir weiter gehen. Draußen auf einer Anhöhe sahen wir schon, wie ein Trupp Soldaten Felddienstübungen machte. Dahin gehen durften wir nicht. Eine Kompanie kam auch schon heimwärts gezogen, andere folgten. Bald kamen sie von allen Seiten, muntere Marschlieder singend, zum Lager zurück. Wir stellten uns an eine Kreuzung des Weges um nach dem Bruder Ausschau zu halten. Da, endlich bei einer der zuletzt einrückenden Companien entdeckten wir ihn. Strammen Schrittes kam er heran und winkte uns freudig zu. Nachdem die Compagnie sich aufgelößt hatte, nahm Josef uns mit in seine Bude. Hier erzählte er uns alle seine Erlebnisse von Cöln, Düren und Elsenborn. Wir freuten uns über seinen guten Mut und gesundes Aussehen. Dann tat er dem von uns mitgebrachten Gebäck alle Ehre an. Hierauf rief der Unteroffizier zum Essen holen. Es gab heute Graupensuppe mit Speck. Auch wir probierten mal an dieser Soldatenkost und fanden das Essen garnicht übel. Derweil war auch der Unteroffizier Mathias Brüll, ein Schulkamerad meines Bruders, zu uns gekommen. Da derselbe zur Zeit ebenfalls in Elsenborn stand und bei einer anderen Compagnie mit an der Ausbildung der neuenMannschaft betätigt war, so hatte er Josef schon öfters getroffen. Da erstum 1/2 3 Uhr wieder angetreten wurde, so verbrachten wir sowie einige von Josefs besten Kameraden eine gemütliche Stunde beim Glase Bier. Dann zogen die sämtlichen Compagnien wieder zu einer nachmittäglichen Übung aus. Wir beobachten diese vom Lager aus so gut es ging und fanden die Sache richtig interessant. "Lieb Vaterland magst ruhig sein." Diese Worte des Liedes fielen einem immer wieder ein, wenn man bedachte, dass trotz der Millionenheere von uns, die das Banner des Sieges weit in Feindesland getragen, wir auch noch mit einer solchen Masse von Reserven ausgerüstet sind, wie wir ja hier sahen. Wie uns gesagt wurde, sollten zur Zeit in Elsenborn so 9.000 Mann liegen. Und wie hier, sei es auch in allen deutschen Garnisonstädten und Übungsplätzen.

Gegen 5 Uhr abends, als es zu dunkeln begann, da kamen die Mannschaften wieder herangerückt. Einige davon machten im Lager noch eine kleine Probe von Wendungen und Gewehrgriffen. Wir gingen wieder mit Josef in seine Stube. Von 1/2 6 bis 1/2 7 Uhr war noch Putzstunde angesagt worden; darum zogen wir es vor, uns in eine Kantine zurückzuziehen. Math. Brüll kam auch dahin und bald auch Josef mit seinen Kameraden. Leider verging die Zeit gar zu schnell und um 7 Uhr mußten wir uns von den neuen Vaterlandsverteidigern verabschieden und zum Bahnhof gehen. Beim Abschied wurde beidseitig die Hoffnung ausgedrückt, dass wir uns bald im Weihnachtsurlaub wiedersehen möchten. Ob es überhaupt Urlaub gibt?

Heute mußte auch Johann Förster, Buschgasse, sich in Montjoie stellen und wurde nach Düren beordert. Der mit ihm Ausgehobene, Mathias Carl, wurde infolge Krankheit seiner Mutter nochmals zurück gestellt. Arnold Jansen war zur Artellerie gezogen und hatte noch keinen Befehl erhalten. Von Hammer vernahm ich, dass Johann Arnolds, der in Frankreich stand, an Typhus erkrankt und im Lazarett zu Rhetel gestorben sei. Das war also der 5 te Tote unserer Gemeinde. Am 15. (Dez.1914) kam unangemeldet Johann Schröder hier an. Er hatte in Frankreich mit in den vordersten Reihen gelegen und war abkommandiert worden, um in Aachen Weihnachtsgaben für die Truppen in Empfang zu nehmen. Er war mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet worden und trug es siegesfroh am Busen. Hatte in Aachen 4 Tage Urlaub erhalten. Heute war auch Exequ.-Amt für Joh. Arnolds aus Hammer. Der Kriegerverein sowie die hier weilenden Krieger beteiligten sich daran. Auch der Kirchenchor erfüllte seine Aufgabe wieder wie bei den früheren Fällen. Wann mag es uns vergönnt sein, das letzte feierliche Requiem einem gefallenen Krieger zu singen? Gebe Gott, wir hätten es bereits getan.

Am 16. Dez. (1914) wurde mir gesagt, dass auch Math. Wynands an Typhus erkrankt sei und im Lazarett Rethel liege. Hoffen wir mit der besorgten Mutter und den Geschwistern, dass die Krankheit gut verläuft. Am 17. hörte man nochmal aus westlicher Richtung Kanonendonner. Ob unsere 42 ziger wieder an der Arbeit sind?. Dann dürfte es aber bald Luft geben, da in der Gegend von Galois herum dann Flugs nach England hinein. Auch am 20./21. und 22. (Dez. 1914) hörte man mehr südwestlich eine fast ununterbrochene Kanonade. Sogar, wenn es längst dunkel war, wurde noch geschossen. Der Richtung gemäß muß es da unten im Elsaß sein, wohl bei Mühlhausen und Tann; wahrscheinlich sind die unserigen mit der Besatzung von Belfort aneinander geraten. Die Luft war besonders am 22. klar und rein, wodurch man das Schießen sogar im Hause hören konnte. Diesem alle zufolge muß es eine große Schlacht sein, die dort im Gange ist. Mal abwarten, was nächste Tage die Zeitung bringt.

Am 20. Dez. war Generalversammlung vom Consumverein. Trotz der misslichen Geschäftslage der letzten Zeit kamen dennoch 12 % Dividende zur Verteilung. U.a. war auch die Petroleumsfrage auf der Tagesordnung. Aus der Versammlung sollten Vorschläge gemacht werden, wie die Notlage gesteuert werden könnte. Da war aber guter Rat teuer. Mehr davon beschaffen konnte keiner und so kam man zum Schluß überein, dass im Geschäft an jedes Mitglied Petrol verteilt werden sollte wie bisher. Jede größere Haushaltung bekam ungefähr jeden Monat 4 Liter, kleinere oder solche, die umständehalber nicht soviel nötig hatten, nur 2 - 3 Liter. Handwerker dann nochmal 1 - 2 Liter extra. Es mußte also weiter gespart werden und mancher saß abends, seine Zeitung lesend beim Schein einer Kerze. Es wurden nämlich in dieser Zeit viele Tageszeitungen gehalten wegen der Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz. In unserem Ort kamen so ca. 60 Exemplare vom Aachener Volksfreund. Aber auch noch manch andere Zeitung. Gestern kam auch Mathias Scheid wieder von Köln zurück, hatte nochmal Urlaub bekommen. Seine erschütterten Nerven hatten sich aber schon bedeutend gebessert.

Teures Schuhwerk. Den größten Preisaufschlag in den letzten Monaten hat wohl das Leder erhalten. Ein Schuster von hier erzählte mir, dass das Leder immer noch teurer würde. Schon im Oktober hätte er für das Pfund 5 Mk bezahlen müssen, wogegen es sonst nur 2,50 bis 2,80 Mk gekostet hätte. Jetzt aber würde einem nicht weniger als 7,50 Mark für das Pfund gefragt. Er hätte infolge dessen von Simmerath kein Leder mitgebracht, da man nicht wissen könnte, ob die Kunden bereit seien, 20 und mehr Mark für ein Paar Schuhe zu zahlen und darunter könne er solche nicht mehr machen. Da werden wir wohl bald auf Holzschuhen herumlaufen müssen. Vom Herrn Pastor wurde mir gesagt, dass auch der Studiosus Josef Kaulard (Kuhl) einberufen worden sei.

24. Dez. (Heiligabend-1914). Trotz Abschreibens kam heute Abend Bruder Josef von Elsenborn auf einen Tag Urlaub. Auch Mathias Brüll (Unteroffizier) kam mit ihm. Sie waren in letzter Stunde noch direkt zum Hauptmann gegangen und hatten sich den einen Tag Urlaub zu erwirken vermocht. Josef unterstützte uns am Weihnachtstage im Chörchen (Kirchenchor) und mußte leider um 4 Uhr schon wieder abschieben. Im Kriege gibt es leider kein Nachsehen, so dass selbst an diesem hehren Feiertage der Dienst nicht ausfallen durfte.

25.Dez. Wie war denn nun das Weihnachtsfest im Kriegsjahre? So werden wohl die nachkommenden Generationen fragen. Ja wie wars? Nicht gerade wie sonst. Bei aller Festtagsstimmung lag es doch wie ein leichter Druck auf einem jeden. Wie konnte man sich auch recht freuen, wenn auch in der Kirche im Lied die Worte: "Engel erscheinen verkünden den Frieden, Friede den Menchen wer freuet sich nicht" gesungen wurde, so war's einem doch dabei als müßte man mitten im Worte abbrechen und sagen: Lasst uns lieber aufhören, diese erhabenen Worte passen  in die heutige Welt voll Haß und Feindschaft nicht hinein. Im übrigen verweise ich auf  die Zeitungen vom 24. Dez., wo die Stimmung des Volkes am Kriegsweihnachtsfeste so schön geschildert wird. Will nämlich alle Zeitungen seit Beginn des Krieges zusammen heften und aufbewahren.

Der Schneidermeister Math. Hüpgens von hier war von Koblenz, wohin er bei Ausbruch des Krieges beordert wurde, auf Urlaub gekommen. Er erzählte, dass sie dort fortwährend feldgraue Uniformen und Mäntel anfertigen. Es seien da nicht weniger als 2.700 Militätschneider beschäftigt und außerdem noch 1.500 Schuster. Diese Zahlen scheinen einem bald etwas übertrieben und doch versicherte Hüpgens, dass es genau so sei und dass dieses Heer von Handwerkern nur dem Achten Armeechor liefere. Folglich würden wohl jedes Armeechor ein solches Handwerkerregiment haben. Das feldgraue Tuch käme mit ganzen Zugladungen an und würde mit elektrisch betriebenen Maschinen zugeschnitten. In dem Saale, wo er arbeitet, stünden über 100 Nähmaschinen. Das heißt wirklich Großbetrieb, so dass man sich gar keine rechte Vorstellung davon machen kann. "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt".

Jung-Deutschland, so nennt sich auch hier eine Truppe junger Burschen, welche sich um den Hauptmann des Kriegervereins, Johann Förster, zusammen geschart haben und fast jeden Sonntag einige Stunden üben und exerzieren, um sich höherer Weisung gemäß für den künftigen Heeresdienst auszubilden. Die kleine Kolonne, es mochten wohl ca. 30 Mann sein, begegneten mir eben und ich muß gestehen, dass sie einen strammen schneidigen Eindruck machten. Lieb Vaterland magst ruhig sein.

28.Dez. Vernahm heute, dass der schon früher verwundete Andreas Kessel aus Huppenbroich wieder schwer verwundet sei und im Lazarett liege. 29.Dez.- Hörte heute, die älteren Landwehrleute Heinrich Förster (Wirt), Martin Heinrichs, Hubert Kaulard, Stollenwerk/Briefträger, Martin Offermann und Johann Arnolds von Hammer und der im August verwundete Leonhard Kaulard seien von Köln, wo sie seit einiger Zeit gestanden, nach Frankreich zur Front abgegangen.

Neues Jahr 1915. Das alte Jahr hat es nicht vermocht, uns den Frieden zu bringen. Das neue Jahr muß das wilde Kriegsgetümmel von seinem Vorgänger übernehmen und fortsetzen. Wie lange wohl noch? Josef schrieb, sie würden am 6. oder 8. Januar von Elsenborn fortkommen. Nach dem Sennelager bei Paderborn oder nach Magdeburg um dann später nach Rußland zu rücken. Am 3. Jan. besuchte ich Josef in Elsenborn. Wollte mit dem Zuge um 9:05 Uhr fahren. Vor der Ankunft des Zuges wurde uns aber gesagt, dass derselbe in Roetgen schon überfüllt gewesen sei und wir also nicht mitfahren könnten, es würde aber ein Sonderzug eingelegt und wir könnten 20 Minuten später damit fahren. Dieser war aber fast ebenso stark besetzt wie der erste. Es wurde gesagt, dass Mannschaften vom Infantrie-Regiment 29 aus Frankreich nach Elsenborn gekommen seien. Daraus erklärt sich auch die große Zahl der Reisenden. Fast alles stieg in Sourbrodt aus, so dass der Weg zum Lager nur so wimmelte von Menschen. Der Bruder war noch voll auf. Hatte ihm Mundvorrat und andere Sachen mitgebracht. Obschon es Sonntag war, hatten sie doch vormittags wieder Schützendienst machen müssen, statt zur Kirche gehen zu können.

Die aus Frankreich gekommenen Leute konnte man von den anderen durch ihre teilweise herunter gekommene Uniform gut unterscheiden. Auch ein Eicherscheider, Gerhard Schröder, war dabei und kam plötzlich mit noch 2 seiner Kameraden in Josef's Baracke. Das gab ein frohes Wiedersehen, ein Fragen und Erzählen ohne Ende. Wir waren erstaunt über ihr gutes gesundes Aussehen. Schröder erzählte, sie seien einmal 14 Tage nicht mehr unter Dach gewesen und seien in den 5 Monaten auch nicht einen Tag krank gewesen. Weite Bahnstrecken  hätten sie zurückgelegt, aus der Gegend von Verdun seien sie nach Ügern transportiert worden. Da hätte man bis an die Knie im Wasser gestanden. Von da sei es nach Mühlhausen und Sennheim unten im Elsass gegangen. Von da aus seien von jeder Kompanie 20 Mann nach Eldenborn abkommandiert worden. Wahrscheinlich würden Sie nun mit dem Ersatzbatallion 39, zu dem Josef ja auch gehört, nach dem Sennlager und später nach Rußland kommen. Mit dem Nachmittagszuge kam der Vater und Onkel von Schröder auch noch an. Wir saßen noch ein paar Stunden froh beisammen, bis wir wieder zur Bahn mußten. Dort wurde dann von den neuen und älteren Kriegern herzlich Abschied genommen. Ein Abschied vielleicht für's Leben?

5. Jan. 1915: Heute mußte sich der früher zurück gestellte Math. Carl in Montjoie stellen und wurde mit ca. 120 Anderen zum 65. Infantrieregiment nach Köln beordert. Am 6. Jan. schrieb mir Math. Scheid, der vor einigen Tagen wieder nach Köln gerufen wurde, dass er in der dortigen Garnison Wachdienst machen müßte und voraussichtlich längere Zeit da bleiben würde. Auch wurde mir gesagt, dessen Bruder Arnold Scheid habe das Eiserne Kreuz erhalten. Am 7. Jan. kam Gerhard Schröder von Elsenborn auf 2 Tage in Urlaub.

Ein Hirtenschreiben, welches die versammelten Bischöfe Deutschlands erlassen, ordnete an , dass am 7./8./9. und Sonntag, den 10. Januar Buß- und Bettage sein sollten. Zweck dieser Verordnung war, dass dadurch der Segen Gottes im neuen Jahr auf unsere Waffen herab kommen möge und das Gott uns um so eher den ersehnten Frieden schenken möge. Auf besonderen Erlaß des Herrn Erzbischofs hatten wir an den 3 erstgenannten Tagen je 2 Gebetsstunden vor ausgesetztem hochw. Gut. Wegen Mangel an Petroleum wurden diese nachmittags von 2-4 Uhr gehalten. Am Sonntag den 10. war feierliches Hochamt zu Ehren des hl. Herzen Jesu und danach bis 1/2 4 Uhr Betstunden. Zum Schluß Predigt und Weihegebet. An jedem der Tage war Beichtgelegenheit und alle Pfarrangehörigen gingen mehrmals zum Tisch des Herrn. Hoffen wir, dass Gott der Herr den Sieg verleihen und baldigen Frieden schenken möge. 

 

    

Fortsetzung folgt!!!  -  21.10.2017  -  Ludwig Siebertz