Christliche Wallfahrten haben eine lange Tradition und sind seit dem frühen Mittelalter sehr bekannt. Christliche Wallfahrten wurden in dieser Zeit  als ein Glaubenszeugnis etabliert und dienten dazu, Sünden abzutragen, religiöse Läuterung zu erfahren, geheilt zu werden oder in besonderen Anliegen - z.B. der Verschonung von einer Epidemie - zu beten. Auch in Eicherscheid haben die Wallfahrten eine lange Tradition. Vermutlich gab es die 1. Wallfahrt bereits 1685, der Gründung unserer Kirchengemeinde.

 

Fuß-Wallfahrt nach Nievenheim bei Neuss

In Nievenheim wird Jesus Christus als Salvator Mundi verehrt. Vermutlich ging die 1. Prozession ab Eicherscheid 1685. Dauer: 5 Tage zu Fuß; 1. bis Merzenich, 2. bis Nievenheim, 3. Tag zurück bis Bergheim, 4. Tag bis Hürtgen und am  5. Tag Rückkehr in Eicherscheid. Das Gepäck wurde auf Pferdfuhrwerken transportiert. 1920 oder 1921 fand die letzte Nievenheim-Wallfahrt statt. Die Wallfahrt kam durch die Kontakte Reichensteiner und Nievenheimer Mönche zustande.

1757 wurde speziell für Wallfahrten das "Eicherscheider Pilgerbüchlein" gedruckt; ein Exemplar befindet sich im Aachener Diözesanarchiv.

Fuß-Wallfahrt nach Moresnet/Belgien (unweit der deutsch/belgischen Grenze)

In Moresnet wird die Mutter Gottes verehrt. Wallfahrten von 1859 - 1872 (Quelle: Stadt- und Landbote) zur Abwendung der Cholera-Epedemien. Die zu damaliger Zeit zu der Wallfahrt hinzustoßenden Mützenicher (Wo dazugestoßen?) setzten diese Wallfahrt bis heute fort.

Anm.: In Eicherscheid "Auf dem Brandstein" (Richtung Belgenbacher Mühle) wurde wegen der damals herrschenden Cholera-Epedemie im Monschauer Land ein Friedhof speziell für evtl. Cholera-Tote hergerichtet. Gott sei Dank blieb Eicherscheid von dieser tödlichen Seuche verschont.

Fuß-Wallfahrt nach Barweiler

Diese Wallfahrt zur "Jungfrau mit der Lilie" geht zurück auf ein Versprechen nach der Pestepedemie 1669 im Dreißig-jährigen Krieg und fand jeweils am ersten Wochenende im Oktober statt. Hinzu stießen bei den Wallfahrten immer viele Wollseifener und Dreiborner. Nach dem 2. Weltkrieg setzten die Eicherscheider die Tradition nicht weiter fort; die Dreiborner/Wolseifener haben jedoch die Wallfahrt beibehalten. Dauer 4 Tage: 1. Tag samstags bis Engelgau, 2. Tag sonntags bis Barweiler, 3. und 4. Tag montags/dienstags wieder zurück. Übernachtungen in Privatunterkünften. In der jüngeren Zeit fährt sonntags ein Bus und bringt die Buspilger hin und zurück.

Auch nach dem  2. Weltkrieg schlossen sich einzelne Pilger dieser Dreiborner Prozession an; Irmgard Lutterbach, Breitestrasse, brachte es auf insgesamt 42 Teilnahmen. Auch gingen verschiedene Brudermeister (Johann Pier, Albert Wynands, Konrad Kaulard und Richard Kell) mit dieser Prozession.

Walvahrt am Tönesdag nach Monschau

Diese "Walvahrt" geht zurück auf das Jahr 1746 zum heiligen Antonius, Schutzpatron der Haustiere, nach Monschau in die Pfarrkirche (nach einem Gedicht von Alois Fink). Gleichzeitig ging eine Wallfahrt ins Monschauer Minoritenkloster zur hl. Jungfrau von Loreto.

Bus-Wallfahrt nach Banneux/ Belgien

Diese Wallfahrt zur Jungfrau der Armen wurde von Pfarrer Pohen veranlaßt und war in den 50-er Jahren.

 

Bus-Wallfahrt nach Neviges (zwischen Ruhr und Wupper)

Wallfahrt zur Mutter Gottes in den 50-er Jahren, veranlaßt durch Pfarrer Pohen.

Bus-Wallfahrt nach Kevelaer am Niederrhein

Thumbnail image  Wallfahrt zur Mutter Gottes in den 50/60-er Jahren; meistens über 2 Tage. Später Anschluß an die Simmerather Wallfahrt.

 

 

 

Heimbach-Wallfahrt

Thumbnail imageDie ersten Prozessionen aus unseren Regionen zu Ehren der Mutter Gottes liegen - so Dokumente vom Kloster Maria-Wald - ca. 400-500 Jahre zurück. Aus Eicherscheid gingen die ersten Prozessionen in den 30-er Jahren des 20 Jh., jedoch nicht regelmäßig. Nachdem die Nazis im Dritten Reich die Prozessionen verboten hatten gingen die Wallfahrten aus Eicherscheid nach dem 2. Weltkrieg auf ein Gelöbnis vieler gläubiger Eicherscheider nach der glücklichen Heimkehr aus der Evakuierung dann regelmäßig. Diese Prozessionen, durchgeführt von Pfarrer Josef Jansen, gingen in den ersten Jahren zu Fuß über den Kermeter und Schmidt, weil noch keine Personenschiffe auf dem Rursee fuhren und die Wege am Rursee teilweise noch vermint waren. In den 50-er Jahren ging es dann zu Fuß bis Rurberg oder Woffelsbach und dann weiter mit dem Schiff bis Schwammenauel; von da wieder zu Fuß bis Heimbach. Ganz Rüstige gingen in der Mittagspause noch den steilen Weg hoch ins Kloster Mariawald und wieder zurück. In den 50-er Jahren spendete die Eicherscheider Kirchengemeinde für die Wallfahrtskirche in Heimbach jeweils jährlich eine große Kerze. Diese Kerze wurde vom Schreiner, Ludwig Offermann, ob der Größe mit seinem Lieferwagen nach Heimbach gebracht. Kreuzträger über 25 Jahre war Hermann Josef Rogner ("Kutsche"-HJ).

Seit 2010, nach dem Zusammenschluß der Pfarren in der Gemeinde Simmerath zur "Gemeinschaft der Gemeinden" gehen die Eicherscheider Pilger in der Frühe von Eicherscheid los und treffen in Kesternich die Pilger von Simmerath zur gemeinsamen Wallfahrt -via Boot ab Woffelsbach bis Schwammenauel- nach Heimbach. In den 50-er Jahren waren annäherend jeweils 500 Pilger von Eicherscheid unterwegs; heute zählt die Gruppe aus Eicherscheid ca. 10-15 Pilgerer.

Fronleichnams-Prozession

Zum Fronleichnamstag ziehen die Gläubigen Eicherscheids mit dem "Allerheiligsten" durch den Ort zu den geschmückten 4 Heiligen-Häuschen. Die Heiligen-Häuschen sind jeweils einem Heiligen gewidmet und stehen unter unterschiedlichen Bäumen, und zwar:

Ortseingang "Krözgeswass" - Linde - Hl. Matthäus; Breitestraße - Kastanie - Hl. Markus; "Kalmerich" - Eiche - Hl. Lukas; "Dohnschet" - Linde - Hl. Johannes.

Männer-Gebetsgang nach Mariawald und Heimbach

In den 80-er Jahren gingen auf Privat-Initiative von Josef Huppertz, Franz Schröder, Ernst Neuß und Norbert Förster Eicherscheider Männer über 2 Tage betend zu Fuß nach Mariawald/Heimbach.

Bittgang zur Mutterkirche nach Konzen

Bittgang nach Konzen zum Hl. Pankratius zur Erhaltung des Augenlichtes und zur Rochus-Kapelle zwischen Imgenbroich-Mützenich zur Pest-Abwendung.

Bittgang zur Kapelle der Belgenbacher Mühle

Die Eicherscheider Frauen beteten jeden Donnerstag im 2. Weltkrieg von  1941 bis zur Evakuierung 1944  in der Kapelle der Belgenbacher Mühle für die Eicherscheider Soldaten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde für die Heimkehr der Kriegsgefangenen bis ca. 1948 gebetet. Der Landfrauenverein hat 1987 diesen Bittgang wiederbelebt mit aktuellen Fürbitten, z. B. für Menschen aus Kriegsgebieten etc.

Bittgang nach Hammer

Bittgang um Regen in trockenen und heißen Sommermonaten.

Bittgang zur Krankenhauskapelle nach Simmerath

Bittgang zur Hl. Brigida mit einer Butter- und Salz-Segnung.

Bittgang Markus-Prozession Bittgang am Markustag, 25.04. durch Felder und Wiesen für eine gedeihliche Witterung. Eine Bauernweisheit besagt "Markustag - krabbel am Tag"; man sollte keine Kartoffel setzen.

Bittprozession um gedeihliche Witterung In den 50-er Jahren Bittprozession werktags an den letzten  3 Tagen vor Christi Himmelfahrt morgens um 6 Uhr vor der Messe durch Feld und Flur für eine gedeihliche Witterung.

Bittgang zu den  14 Nothelfern nach Kesternich Bittgang bei schwerer Erkrankung eines Nachbarn oder sonstigen nahestehenden Mitbürgers. Bis in die heutige Zeit gehen die Nachbarschaft und Bekannte zu Fuß über Huppenbroich und bitten um Wiederherstellung der Gesundheit mit der Fürbitte: "Herr gib den Kranken was selig ist und wende ab, was schädlich ist."

                       26.11.2012 - Lucie Kell und Kurt Förster

Quellen: Monschauer Land-Jahrbücher, "Der Eremit am Hohen Venn", Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Aufzeichnungen Alois Fink, Geschichte der Wallfahrten im Bistum Aachen, Broschüre "Wallfahrt nach Heimbach", Gebetsordnung für die Wallfahrt von Dreiborn-Wollseifen nach Barweiler, Aufzeichnungen und mündliche Überlieferungen von verschiedenen Wallfahrtsteilnehmern.  

      

Als Zehnt bezeichnete man eine etwa 10 %-ige traditionelle Steuer in Form von Geld oder Naturalien (Getreide etc.) an religiöse (Kirchen, Tempel) oder weltliche (Könige, Fürsten, Grundherren etc.) Institutionen. In unserer Gegend mußte der Zehnt an das Marienstift Aachen abgeliefert werden. Im Altertum bis in die frühe Neuzeit war dieser Zehnt üblich. Mit der Besetzung des linken Rheinufers durch die Franzosen 1794ff erloschen alle alten Rechte der Kirche und der Könige, Fürsten etc., so auch der Zehnt.

Die nachfolgende Zehntliste aus Eicherscheid nennt die Zahlungspflichtigen von 1554 -> insgesamt 73 Steuerpflichtige (Quelle: Hans Steinröx, Eremit, 31. Jahrgang 1959):

leritzs theis gorges clementzs
clas graff frin bruls clas Kinder
eichen theis thonis eichentheis lodwich pauwels thonis frau
offermans Clais hermges theis lienartzs Dreis
Junckers neiß lienartzs peter Der hain
Druyden thonis=GertrudenT.? bulen clas Dochter Dreiß fischer
Kristges nellis peter schomecher Junckers thewes
Junckers Jan stark/stock (?) Jan Der aldt Dansser
ceonradt Damges lienart Damges Jan
thonis clas weuerßen gillis=Webers G. aßheuwers frau
Hamer Jans peter hamer Jengen hermes Kirstgen
hermes Jan heymeych (?) Propert Jores weißhufft
luchen weißhufft elssen Krin fallenting
wolber theis Jockges thonis becker Jans Dam
neiß swaritz clossgen winckes Jan
neissen peter steins Dreiß peter woffgardt
schroeder Jans Kirstgen Der Jung scheitt Jan Der aldt scheit Jan
weier Jan Der aldt weuer weuer theißgen
haauß barb gieretzs thonis haus Kirstgen
welters Jans Jans Krinß Jans clas
heinen peter roemeschen hupert bus theis
heillischs elas lorers nellis gieretm peter
gieretzs nellis peter finck Krinß willem
Der Jung Krin weuers hein Der Dick thoniß
smitten theis Kinder    


                                                    14.10.2012 - Jürgen Heiler

Bis in unsere heutige Zeit haben sich seit Generationen immer wieder Eicherscheider sehr intensiv mit der Genealogie im Ort auseinander gesetzt. Trude Heiler oder Paul Stollenwerk, aber auch noch viele andere sind bis heute mit diesem Thema sehr intensiv beschäftigt. Die Recherchen und Aufzeichnungen gehen zurück bis ins 15. Jahrhundert. Dieser Dokumentation sind auch die ältesten Familien, die ihre Wurzeln vermutlich teilweise schon in Fronrath hatten, zu entnehmen; dies sind die Familien Brüll, Fink, Heck, Hoch und Pier.

In der Folge finden Sie unter diesem Punkt generelle Beiträge zu älteren Eicherscheider Familien.

                                           07.12.2012 - Ludwig Siebertz

 

Familie Förster

Der heute in Eicherscheid weit verbreitete Name wird hier erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts vermerkt. Am 21. April 1712 heiratete in Eicherscheid der Johannes Förster aus Rohren die Anna Maria Roder. Die Eheleute hatten 10 Kinder, von denen 4 im Kindesalter starben und waren die Stammeltern für fast alle Familien Förster in Eicherscheid. Johannes starb am 19.07.1765, Anna Maria am 04.04.1759.

Der Sohn Michael (*21.11.1726) heiratete am 24.09.1751 die Maria Catharina Heck. Aus dieser Verbindung gingen die folgenden Familien hervor: "Tiens", "Mecheljereds", "Mechelareds", "Henderes", "Pleus", "Pittches", und "Lennertsches".

Hermann Förster (*Januar 1730) heiratete am  05.05.1759 die Johanna Fink. Sie hatten 11 Kinder. Ihr Sohn Valentin heiratete am 16.04.1793 die Anna Gertrud Kaulard. Ihre Nachfahren waren die "Schmettepäuelzjes", "Schörresch", "Höreme/Krejesch", "Pettech" und "Mechelareds".

Töchter aus den Försterfamilien heirateten ein in Familien Röhrlich, Heck, Scheidt, Jansen, Nießen, Pfennings, Kaulard, Kallenberg, Huppertz, Küpper, Fink, Offermann, Heinen, Heinrichs, Hoch, Claßen, Linzenich, Carl, Schröder, Löhrer, Pier, Roder, Läufer, Bertram, Moeris, Groß, Ulbas, Kistermann und natürlich Förster.

                                   07.12.2012 - Trude und Jürgen Heiler