Unter "Vermischtes" finden sie in Zukunft Kurzberichte oder besondere Begebenheiten zur früheren Zeit unseres Ortes. Allerdings wollen wir auch über "Nennenswertes" aus unseren heutigen Tagen berichten, denn diese aktuellen Infos sind dann sicherlich für unsere Nachkommen in späteren Jahren die Dokumentationen aus früheren Zeiten. Sofern Sie in dieser Rubrik aus früherer oder aktueller Zeit etwas zu berichten wissen, würden wir uns über eine kurze Info sehr freuen.

Bis in die 70 er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es in und um Eicherscheid eine Vielzahl von Pfaden (Päddcher), die zwischenzeitlich aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr existieren.Eicherscheid hat sich ja bekanntlich von Beginn an (15. Jh) als unregelmäßige Streusiedlung entwickelt (Anm.: Im Gegensatz zu klassischen Besiedlungen von hiesigen Orten längs einer gezogenen Durchgangsstraße). Bereits in den Tranchot-Karten Napoleons von 1802 sind einige der Pfade schon eingezeichnet.

In den gerodeten Wäldern wurden nach und nach breitflächig Wohngebäude und Stallungen erricht, so dass die Entfernungen innerhalb des Ortes und auch zu den bewirtschafteten Äckern und Wiesen sehr groß waren. Alle Wege mußten zu Fuß z.T. mehrmals täglich bewältigt werden, und so war verständlich, dass man, sofern möglich, den direkten Weg suchte. Hieraus entwickelten sich viele "Päddcher", die erst mit der Mobilität (Fahrräder, Moped's, Traktoren, PKW's etc.) der Bewohner sowie aufgrund vieler Bebauungen nach und nach verschwanden.

Im AK Geschichte Eicherscheid wurden nun diese früheren Pfade (Päddcher) nochmals recherchiert. Nachfolgend finden Sie eine entsprechende Zusammenfassung (Namen in Plattdeutsch):

  1. Eicherscheid (Om Scheed) <-> Huppenbroich (Bauernhof Kessel)
  2. Err Kuhl/jetziger Rasensportplatz/alte Viehtränke <-> Lang Dröft
  3. Err Kuhl (s. vor) <-> Krieebsbörsch
  4. Böschjaaß/Em Städtche <-> Haseroath
  5. Hoptstrooß/Em Fröschepool <-> Weimertszung/Fingert
  6. Bredestrooß/A Mereje <-> Rottelejaaß
  7. Kalmerich/Uhmäschisch/Dreischmaschien <-> Bredestrooß/Abels
  8. Kalmerich/Uhmächisch/Dreischmaschien <-> Drosselbüsch
  9. Kerschstrooß/Lennertsches <-> Bredestrooß/Vöße und Möllesch sowie Om Hövel
  10. Kerschstrooß/Köstesch <-> Hövel ("Köstesch Jäßje -> noch vorhanden!)
  11. Kerschstrooß/Schmettepäeulzjes <-> Kühlescheed
  12. Om Scheed/Hooche <-> Levembörsch <-> Dohnschet/Tönnsches.
  13. Zur Belgebüsch <-> Fronrather Wäsch (Maria Arnolds/Schrüetsches)

Über den nachfolgenden Link können Sie den Verlauf der Päddchen verfolgen: http://www.openstreetmap.org/relation/5945495

 

                                   12.02.2016 - L. Siebertz

 

Der 23.07.1922 war ein großer Tag für Eicherscheid: An diesem Tage wurden die neuen Glocken für unser "Kirchlein" (alte Kirche) eingeweiht, nachdem die Glocken zu Beginn des 1. Weltkrieges im damaligen Kaiserreich generell zwangsvereinnahmt und für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurden.

Zur Einweihungfeier war - dem Anlass entsprechend - eine stattliche Anzahl (9) an Geistlichen erschienen:

Die Pfarrer Thelen aus Conzen, Grimmendahl aus Höfen, Jansen aus Lammersdorf, Goebel aus Rohren, Flemming aus Montjoie und natürlich Pfarrer Vassen aus Eicherscheid; weiter Dechant Löhrer aus Imgenbroich als Consecratordelegator, Pater Theodardus Boelaars O.S.B. Corn.-Münster, Dr. P. Joseph Offermann O.S:B. aus Maria-Laach sowie Bürgermeister Dominik aus Imgenbroich/Eicherscheid, Lehrerin Christel Kaufmann und Lehrer L. Küppers. Als Paten (Sponsoren) sind genannt Rendant Math. Gerhard Förster, Gertrud Kaulard, Joh. Jakob Heck, Wwe. Gerhard Förster, Andr. Offermann, Frau Gertrud Huppertz.

Quelle: Präsenz-Liste Pfarrchronik Eicherscheid.

Anm.: Im 2. Weltkrieg sind dann diese Glocken unter dem Hitler-Regime erneut beschlagnahmt und für Rüstungszwecke eingeschmolzen worden. 1952 sind dann die heute noch im Kirchturm befindlichen Glocken eingeweiht worden. Hoffentlich für "ewig"!!!

                                                     20.02.2015 - Ludwig Siebertz

 

Die dörflichen Gaststätten waren in früheren Jahren neben den Kirchen und Schulen Dreh- und Angelpunkt dörflichen Lebens. Hier wurden nach harter täglicher Arbeit Meinungen getauscht, gemeindliche Bekanntmachungen veröffentlicht, das dörfliche Leben besprochen u.v.m.. 

Auch schon Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Wirte sehr geschäftstüchtig. So fanden z. B. in der Gaststätte Hermann Offermann (Männesjes Nöll/Pitte) - später Gaststätte Hilgers/Röder, Am Weiher - 1861/62 "Loos"-Schießwettbewerbe statt. Hier wechselten in der Zeit fette Schweine, tragende Kühe, Uhren oder Tombasle-Pflüge in einem Schießwettbewerb ihre Besitzer. Mit Jagdgewehren und unerschiedlichsten Modalitäten wurden die Gewinne in Form von Tieren/Gegenständen von Schießlustigen ausgeschossen. Jedes Los ("Loos") kostete 10 Silbergroschen. Der Ursprungseigentümer kassierte das eingesetzte Loos-Geld, der Sieger den Gewinn (manchmal das 30-fache des Einsatzes) und auch der Wirt machte seinen "Profit" über den guten Getränke-Umsatz, zumal manchmal über 60 Schießlustige und zahlreiche Schaulustige bei diesen Wettbewerben dabei waren. So wurden in der Zeit neben den unten in den Inseraten aufgeführten Wettbewerben auch Uhren von Uhrmacher Mathias Gerhard Kaulard oder von Lambert Nießen aus Huppenbroich ein 2 1/2 jähriges Rind ausgeschossen.

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Quellen: Buch von Gerd Lauscher, "Wirtshauswesen-Kleinhandel-Trinkgewohnheiten im 19. Jahrhundert" sowie Auszüge aus den Zeitungen "Stadt- und Landbote 1861/62 und eigene Recherchen.

                                    08.02.2015 - Ludwig Siebertz