Unter "Vermischtes" finden sie in Zukunft Kurzberichte oder besondere Begebenheiten zur früheren Zeit unseres Ortes. Allerdings wollen wir auch über "Nennenswertes" aus unseren heutigen Tagen berichten, denn diese aktuellen Infos sind dann sicherlich für unsere Nachkommen in späteren Jahren die Dokumentationen aus früheren Zeiten. Sofern Sie in dieser Rubrik aus früherer oder aktueller Zeit etwas zu berichten wissen, würden wir uns über eine kurze Info sehr freuen.

Nach der Entlastung des langjährigen und angesehenen Bürgermeisters, Herrn Offermann, im August 1858 wurde Herr Landgerichts-Auskultator Reinkens von der Königlichen Regierung zu Aachen als Bürgermeister provisorisch eingesetzt. Im April 1859 trat er sehr kurzfristig wieder in seine juristische Arbeit in Aachen zurück. Sein kommissarischer Nachfolger wurde Joseph Heinz, Bürgermeister-Secretair von Blankenheim, gebürtig aus Bettingen im Kreise Saarlouis.

Aber auch diese Mission dauerte nicht lange: "Der unglückliche junge Mann wurde schon zu Anfang des Monats Dezember desselben Jahres wegen Unterschlagung amtlich ihm anvertrauter Armengelder seines Amtes entsetzt und vom zuständigen Gericht zu Aachen über ihn eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten verhängt. Mit der einstweiligen Wahrnehmung fraglicher Stelle wurde der Ortsvorsteher Mathias Gerhard Kaulard betraut.

                                  30.07.12 Ludwig Siebertz - Quelle Protokolle Bürgermeisterei 1858/59

Die Jahre 1816/17 waren für die Bevölkerung des Monschauer Landes aufgrund des "immerwährenden Regens" regelrechte Notjahre. Dies geht aus den damaligen Jahresprotokollen der Eicherscheider Bürgermeisterei hervor. Nur durch die "Väterliche Vorsorge Sr. Majestät des Königs von Preußen unseres allergnädigsten Herrn" in Form einer Roggen-Lieferung konnte eine Hungersnot in Eicherscheid vermieden werden. Offensichtlich war die "Noth und Armuth" in Roetgen noch größer als in Eicherscheid. Daher baten der Roetgener Bürgermeister Türck und Pastor Thelen 1817 die Verantwortlichen in Eicherscheid um eine Kollekte für die dortigen Armen. Die Kollekte erbrachte ein Ergebnis von 30 Thalern in bar, für damalige Verhältnisse eine stolze Summe.

(Originaltext dieses Protokolls finden Sie auf unseren Websites unter "Geschichte/Protokolle der Bürgermeisterei/1816/17").

Anm. vom AK/L. Siebertz: Vielleicht war diese Kollekte der erste Schritt für den heutigen bekannten "Wohlstand" in der Gemeinde Roetgen; aber nur vielleicht!

                     12.07.2012 Ludwig Siebertz - Quelle Protokolle Bürgermeisterei Eicherscheid 1816/17 

Der preußische König Friedrich Wilhem III. ordnete im Jahre 1812 an, dass seine Untertanen für die Auswanderung und Naturalisation in einem anderen Staat eine behördliche Genehmigung benötigen. Dieser Tatsache verdanken wir, dass hierüber heute Informationen zur Verfügung stehen.

Es handelte sich angesichts der seinerzeitigen politischen Landkarte dabei nicht immer um spektakuläre Übersiedlungen nach Übersee, sondern teilweise nur um einen Übertritt in einen anderen Staat auf deutschem Boden. Natürlich gab es auch illegale Grenzübertritte und Desertationen.

Als Quelle diente uns eine Auswertung des Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchivs.

Wenn wir wissen, dass alleine aus Dedenborn 28 Anträge auf Auswanderung nach Nordamerika bekannt sind, so stellt sich die Situation in Eicherscheid anders dar: Unsere Vorfahren waren offensichtlich bodenständiger. Über die wenigen bekannten Fälle sei nachfolgend berichtet:

1. Nicolas Budscheid (auch Burtscheid) wurde 1800 geboren, war von Beruf Tuchweber und wanderte 1820 nach Belgien aus.

2. Johann Hubert Offermann wurde am 16.11.1851 als Sohn von Johannes Offermann und Anna Catherina Arnolds geboren. Er besuchte die Minoritenschule in Montjoie und meldete sich 1875 nach St. Nicolas in Belgien ab, um in Leuven Theologie zu studieren. Dort wurde er 1879 zum Priester geweiht und beendete sein Theologiestudium anschließend in Innsbruck. Als Priester war er in Leeds (1881 - 1883), Shortingwell (1883 - 1894) und Cerleton (1894 - 1903) tätig. Wegen einer Erkrankung kehrte er dann nach Eicherscheid (jetzt Eicherscheid Nr. 52) zurück und las bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1912 Messen in Hammer.

3. Martin Offermann wurde 1826 geboren, war Schuster von Beruf und meldete sich 1854 nach Verviers in Belgien ab. In den Standesamtsunterlagen findet man nur einen Martin Offermann, der am 08.05.1825 als Sohn von Joseph Offermann und Eva Catharina Stollenwerck geboren wurde.

4. Mathias Offermann wurde am 26.12.1821 als Sohn von Joseph Offermann und Eva Catharina Stollenwerck geboren. Er war Bäcker von Beruf und meldete sich 1853 nach Disons (nahe Verviers) in Belgien ab. Möglicherweise war der Mathias ein Bruder des Martin unter 3.

5. Petrus Schreiner, Sohn von Lucas Schreiner aus Insuhl an der Ahr und Anna Küpper heiratete 1813 Anna Catharina Küpper, Tochter von Anton Küpper und Anna Catharina Kell. Er war Weber in der kircheneigenen Fabrik im Websaal beschäftigt. Acht Kinder wurden geboren, von denen zwei schon als Kleinkind starben. In den schlechten Zeiten um 1830 fasste die Familie den Entschluss, auszuwandern. Allerdings erkrankte Petrus Schreiner an einem "hitzigen Fieber" und starb am 12.06.1938. Die Witwe Catharina war zu dem Zeitpunkt 50 Jahre alt. Die älteste Tochter Maria Catherina heiratete 1846 Franz Joseph Isaak aus Imgenbroich. Catharina stellte dann einen Antrag auf Auswanderung nach Nordamerika; der 1847 bestätigt wurde. So wanderte Catharina Schreiner im April 1847, begleitet von ihren Kindern Anna Maria, Anna Gertrud, Johannes Hubertus, Maria Catharina und Mathias Peter sowie ihrem Schwiegersohn von Antwerpen nach Amerika aus. Leider hat man nichts mehr von der Familie gehört. Nach Informationen von Irmgard Kaulard (Belle) sollen beide Söhne Musikanten gewesen sein. Vermutlich sind sie den Dedenborner Auswanderern nach Wisconsin gefolgt. Diese hatten in mehreren Briefen an Angehörige und Freunde in der Heimat viel Positives über Leben in der neuen Welt berichtet. Zudem verkaufte Catharina Schreiner ihr Haus (jetzt Zum Belgenbach 13) an Quirinus Schröder aus Dedenborn, aus dessen Familie Auswanderer stammten. Im Online-Archiv der Mormonen gibt es einen Peter Schreiner, der 1855 in Milwaukee/Wisconsin eingebürgert wurde. Es handelt sich möglicherweise um den oben erwähnten Sohn Mathias Peter.

6. Margarethe Offermann wurde 1803 geboren. Sie heiratete den Nicolaus Joseph Weishaupt aus Mützenich. Die Eheleute Weishaupt sind 1847 zusammen mit Peter Joseph Claßen, Paul Völl und Matthias Paul Krings (alle aus Mützenich) nach Nordamerika ausgewandert. Nach Auskunft von Herrn Karl Schütt aus Mützenich verstarb der Ehemann schon kurz nach der Ankunft in den Vereinigten Staaten; die Margarethe heiratete daraufhin den mitgereisten Peter Josef Claßen. Weitere Informationen liegen nicht vor. Der Paul Völl lebte mit seiner Familie in Marshfield, Fond du Lac, Wisconsin. 

                                                  Von Trude und Jürgen Heiler - 17.06.2012