Unter "Vermischtes" finden sie in Zukunft Kurzberichte oder besondere Begebenheiten zur früheren Zeit unseres Ortes. Allerdings wollen wir auch über "Nennenswertes" aus unseren heutigen Tagen berichten, denn diese aktuellen Infos sind dann sicherlich für unsere Nachkommen in späteren Jahren die Dokumentationen aus früheren Zeiten. Sofern Sie in dieser Rubrik aus früherer oder aktueller Zeit etwas zu berichten wissen, würden wir uns über eine kurze Info sehr freuen.

Die Aufforstung und das Stopfen /Bearbeiten der Textilballen

Die Zerstörung im 2. Weltkrieg war ja bekanntermaßen im Ort Eicherscheid sehr dramatisch. Rund 80 % der Häuser waren zerstört oder zumindest stark beschädigt. Der Aufbau, das war jedem zur damaligen Zeit klar, wird über Jahre gehen und auch entsprechend viel Geld kosten. Hinzu kam die Problematik, dass leider in der Nachkriegszeit in unserem Umfeld die Arbeitsplätze sehr knapp waren. Die meisten waren in der Landwirtschaft beschäftigt; da war das anstehende Programm der Aufforstung von ca. 1948 bis 1955 oder das Stopfen und Bearbeiten von Textilballen in Heimarbeit beginnend Mitte der 60-er Jahre eine willkommene Gelegenheit für viele Eicherscheider-/innen, in diesen Bereichen ganztags oder im Nebenerwerb zu arbeiten. Leider war es insbesondere den Frauen in damaliger Zeit nicht möglich, eine Ausbildung in welchem Beruf auch immer zu machen; sie mußten vielmehr mit ihrer Arbeit die Haushaltskassen der Familien aufbessern. In heutiger Zeit undenkbar!!!Immerhin waren in diesen 2 Bereichen rund 30 Eicherscheider Frauen und Männer beschäftigt.  

Thumbnail imageDie Aufforstung

Gepflanzt wurden vordergründig Tannenpflanzen. Die Männer schlugen mit einer Hacke die Bodenlöcher in z. T. sehr unwegsamem und steilem Gelände und die Frauen pflanzten die Bäumchen dann in dieses Bodenloch mit einem kleinen Häckchen. Wichtig war auch das anschließende Festtreten der Pflanzen. Zunächst waren viele Eicherscheider/-innen über ca. 2 Jahre im Gemeindeforst in Hammer/Widdau beschäftigt; später war der Einsatzbereich im Staatsforst in Menzerath. Hier wurde im Akkord gearbeitet, so dass man für damalige Verhältnisse recht gut verdiente. Immerhin lag dieser Akkordlohn bei ca. DM 160,-/Monat, bei allerdings auch sehr anstrengender Arbeit. Im Gemeindeforst waren die Verdienstmöglichkeiten deutlich geringer. Quelle: Erzählung einer noch lebenden Akteurin.

Thumbnail imageDas Stopfen und Bearbeiten von Textilballen

Die Stoffballen, gewebt von den Firmen Becker und Chmel in Brand, hatten z.T. Löcher oder sonstige Webfehler, so dass eine entsprechende Nacharbeit notwendig wurde. Robert Förster aus Höfen als Initiator und Maria Wynands brachten von etwa 1965 - 1979 die Ballen zu den einzelnen Hausfrauen nach Hause. Dort wurden die Ballen dann in Handarbeit entsprechend bearbeitet. Es wurde im Akkord gearbeitet; ein schönes Nebenverdienst, allerdings war der Lohn relativ gering. Das Foto ist im Keller von Alwine Förster bei einer gemütlichen feucht fröhlichen Grillparty entstanden. Hier fehlen Liesel Hüpgens, Elisabeth Homann und Hilde Hermanns. Maria Wynands hat es bei dieser Fete an nichts fehlen lassen. Quelle: Erzählung von Friedchen Neuß.

                25.01.2014 - L. Siebertz

Das heutige Am Gericht hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit; stand doch noch bis Ende des 18. Jh dort ein Galgen. Zu damaliger Zeit verurteilte "Schwerkriminelle" wurden hier hingerichtet. Die letzte Hinrichtung fand .... statt. Wo exakt der Galgen gestanden hat, hat Paul Stollenwerk aus Berichten der Zeitschrift "Eremit am hohen Venn" herausgefunden:

In der Zeitschrift, Ausgabe Nr. 4 vom 04.01.1927 wird folgende Frage gestellt:

"Im Jahre 1828 beschloß der Kreistag den an der Bezirksstraße von Monjoie nach Düren zwischen Imgenbroich und Simmerath gelegenen gänzlich unbenutzten und öde liegenden ehemaligen Richtplatz als sämtlichen Gemeinden des Kreises zugehörig, öffentlich zu verkaufen. Ist die Lage des betr. Grundstückes bekannt und wer ist jetzt Eigentümer desselben?"

Die Antwort erschien in Nr. 6 am 06.03.1927 auf den Seiten 47 und 48 wie folgt (Originaltext):

"Herr Heinrichs aus Eicherscheid gibt zur Antwort, deren Richtigkeit vom hiesigen Katasteramt aktenmäßig festgestellt wurde:

Nach Aussagen meines noch lebenden Vaters, der 1845 geboren wurde und dessen Eltern ihm in seinen Jugendjahren davon erzählt haben, ist der ehemalige Richtplatz, hier "Galgenfeldchen" genannt, das Grundstück gewesen, auf dem die Wohnhäuser  des Herrn Alois Wilden und dessen Bruder, Herrn Johann Wilden, am Gericht stehen: diese Häuser sind in den 1860-er Jahren gebaut worden. Um das Jahr 1828 soll das betreffende Grundstück öffentlich verkauft worden sein und von Herrn Hubert Schnitzler und Ehefrau Elisabeth Cläßens aus Eicherscheid erstanden sein. In dessen Händen ist das Grundstück bis zu deren Tod verblieben, wonach Heinrich Förster von hier als testamentarischer Erbe das Grundstück miterbte. Dies wird in den ersten Jahren nach 1860 gewesen sein. Herr Heinrich Förster verkaufte dasselbe aber schon gleich nachher an Herrn Mathias Küpper von hier; selbiger hat es auch nicht lange behalten, sondern gleich nachher durch Tauschhandel abgetreten an den Vater des Alois und Johann Wilden Am Gericht, der auch gleich darauf sich ein Wohnhaus errichten ließ. Die Stelle wird wohl ein preuß. Morgen groß gewesen sein und soll Herrn Math. Küpper etwa 80 Reichsthaler gekostet haben."

            28.07.2014 - L. Siebertz

 

Für viele Eicherscheider unfassbar und "Teufelswerk"

Die 1921 begonnene und 1922 beendete Elektrifizierung war für viele im Ort technisch zunächst unfassbar, brachte jedoch im Laufe der Zeit sensationelle Erleichterungen. Allerdings war Eicherscheid einer der letzten Orte im Kreis Monschau, die ans elektrische Netz angeschlossen wurden; Lammersdorf war bereits 1911 elektrisch erschlossen.

Josef Förster, *1897  +1989, (Schörresch Jupp) hat zu diesem Thema ca. 1970 Folgendes niedergeschrieben:

"Vor dem Stromnetz-Anschluss wurde der Lichtbedarf mit Kerzen, kleinen Ölfunzeln, Petroleumlampen und Laternen gedeckt. Der Kraftstrombedarf mußte mit Pferde- und Muskelkraft ersetzt werden, z. B., die wochenlange Drescharbeit auf der Tenne mit Knüppel auf dem Bock oder, wer gut situiert war, mit Pferd am Göpel (Anm.: Einrichtung, die mittels Hebel in Drehrichtung versetzt wird) und Dreschmaschine.

Von wo die Initiative dazu ausging, weiss ich nicht mehr. Ich nehme an vom Gemeinderat, Bürgermeisteramt Imgenbroich, Landratsamt und Regierung. Die Aussenanlagen wurden vom Elektrizitätswerk, das ja auch Eigentümer der Anlagen wurde, errichtet und dies ohne finanzielle Belastung des einzelnen Bürgers. In wieweit die Gemeinde als Körperschaft belastet wurde, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass die Gemeinde damals einen 20 m breiten Streifen schweres Fichtenholz fällen  und verkaufen liess und damit Belastung verminderte. Der Wald zog sich rund um den Mühlenbüchel von der Dörresfuhr bis zu Arnstein hin. Vielleicht hat die Regierung auch geholfen.

Die Hausinstallation ging zu Lasten des einzelnen Bürgers und erfolgte durch die Firma Ganser/von der Kall, Sitz in Breinig oder Büsbach. Sparsam wie die "Escher" sind, erwarb jeder nur die nötigsten Brennstellen. Mein Vater akzeptierte 3, eine für Wohnzimmer, Küche und Stall. Mit Mühe und Not erreichten wir eine 4. für's Elternschlafzimmer, gebraucht hätten wir weitere 8. Im Zeitverlauf wuchs in jedem Haus die Zahl der Lampen und anderer Licht- und Kraftanlagen bis zur Gegenwart. Heute ist ein Leben ohne Elektrizität nicht mehr denkbar und nicht möglich".

                                21.10.2013 - Ludwig Siebertz