Bei weit über 1000 Babys war Hebamme, Anna Winkhold, zuverlässige Geburthelferin.

Frau Anna Winkhold, geb. Laux, stammte aus dem Saarland und begann ihre Ausbildung alsThumbnail image Hebamme in Köln, Krankenanstalten Lindenburg. Nach der Ausbildung 1921 wurde ihr Eicherscheid und Umgebung zugeteilt. Sie wohnte bei Gertrud Schröder, heute "Eicherscheid/Em Fröschepool". Ihre Eltern und die Familie sahen dies mit einiger Skepsis, die zunächst auch nicht ganz unbegründet war; waren doch die Eifeler bei allem "Neuen" etwas reservierter. Sie hatte es zunächst schwer, Anerkennung und Kontakt zu den Eifeler zu finden. 

Eicherscheid, Hammer, Dedenborn, Widdau und zeitweise Rohren waren "ihr" Bezirk. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß machte sie sich in den Anfangsjahren bei Wind und Wetter auf den Weg zu den schwangeren Frauen und dies manchmal in höchster Eile; sie war manchmal Stunden und Tage unterwegs. Hausniederkünfte waren natürlich in dieser Zeit der Normalfall. Der Beruf der Hebamme war sehr verantwortungsvoll und ging manchmal an die Grenze des Möglichen und der Belastbarkeit. Später wurde sie dann schon mal im Winter von dem werdenden Vater zu Hause abgeholt. Das änderte sich, als die ersten Autos in die Eifel kamen und Dr. Fritz aus Simmerath mit seinem Taxifahrer, Edmund Röhrlich aus Eicherscheid, für schnellere Hilfe in Notfällen einspringen konnte.

Sie heiratete 1923 den Schreiner Otto Winkhold aus Eicherscheid, der beim Schreiner "Stoll" (Küpper) arbeitete. Der Vater von Otto W. stammte aus Rott und war Gemeindeförster in Eicherscheid. 1930 bauten sie an der Ecke Eicherscheid/Breitestrasse auf einem von der Gemeinde veräußerten Grundstück "Op em Dennejachd" (Damaliger Tannengarten der Gemeinde für Jungpflanzen, die an die Bevölkerung verkauft wurden). Ihre noch lebende jüngste Tochter, Erika Winkhold, bewohnt dieses Haus heute noch. Aus der Ehe stammen 6 Kinder.

Ihre erste Geburt war Maria Kaulard, geb. Baumgarten, früher wohnhaft in der Buschgasse. Wie der Zufall es wollte, war ihre letzte Geburt wieder ein Baumgarten, nämlich Sascha am 07.11.1969. Die Mutter Sascha's war Ursula Hilgers, geb. Baumgarten, früher ebenfalls wohnhaft Buschgasse. Sage und schreibe 48 Jahre war sie zum Wohle der Eicherscheider Kinder unermüdlich im Einsatz - grandios!

Die werdenden Mütter wurden kurz vor und nach der Geburt täglich aufgesucht, betreut und versorgt. Nicht selten arbeiteten die Frauen bis kurz vor der Niederkunft in Haus, Hof und Landwirtschaft. Mutterschaftsurlaub war damals ein Fremdwort. Manchmal verzögerte sich die Geburt und dann kam der Spruch "Wenn et ar Zett ös, kött dat Kenk".  Nach der Geburt mussten die Mütter noch 9 Tage im Wochenbett bleiben und wurden von der Hebamme weiter versorgt. Die Sterberate der Neugeborenen lag damals um ein Vielfaches über den heutigen Raten.

Die Neugeborenen mußten, so die seinerzeitigen kirchlichen Vorgaben, einen Tag nach der Geburt getauft werden. Die Hebamme trug das Kind in Begleitung von Vater und Anverwandten dann zur Taufe in die Kirche, während die Mutter noch im Wochenbett lag. Anna Winkhold durfte auch Nottaufen vornehmen. Todgeburten wurden auf dem Friedhof etwas abseits in einer Ecke begraben. 

Nach einigen Wochen wurde die Mutter "ausgesegnet" und durfte dann erst wieder die Sakramente der kath. Kirche empfangen. Diese Segnung der Mutter war ein Ritus in Verbindung mit dem Sakrament der Taufe in der römisch kath. Kirche; zurückzuführen ist diese Segnung auf das Judentum auf hier übliche Reinigungsritiuale.

Bezahlt wurden die Hebammen nach einer Pauschale und diese manchmal in Raten oder auch schon mal in Naturalien; manchmal ging die Hebamme je nach Familienverhältnissen auch leer aus. Anna Winkhold verstarb 1978 nach einem erfüllten Leben für die Dorfgemeinschaft.

                07.123.2014 - Kurt Förster

 

Vor der Zeit von Anna Winkhold waren bereits schon Hebammen im Ort aktiv, ob gelernt oder angelernt, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen, und zwar:

  • Gertrud Schreiner, geb. Offermann * 1796   + 1877, wohnhaft "Op Höppenheck",
  • Elisabeth Mertens, aktiv im Ort Ende 19. Jh, weitere Daten liegen nicht vor,
  • Gertrud Wilden, geb. Offermann, wohnhaft Am Gericht, aktiv Ende 19. Jh,
  • Maria Küpper "Kneppsches Marie", auch Korbmacher, wohnhaft später Haus Jakob Jansen, Eicherscheid, aktiv Anfang 20. Jh.

Quelle: Erz. Trude Heiler  -   19.12.14 - L. Siebertz