Die dörflichen Gaststätten waren in früheren Jahren neben den Kirchen und Schulen Dreh- und Angelpunkt dörflichen Lebens. Hier wurden nach harter täglicher Arbeit Meinungen getauscht, gemeindliche Bekanntmachungen veröffentlicht, das dörfliche Leben besprochen u.v.m.. 

Auch schon Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Wirte sehr geschäftstüchtig. So fanden z. B. in der Gaststätte Hermann Offermann (Männesjes Nöll/Pitte) - später Gaststätte Hilgers/Röder, Am Weiher - 1861/62 "Loos"-Schießwettbewerbe statt. Hier wechselten in der Zeit fette Schweine, tragende Kühe, Uhren oder Tombasle-Pflüge in einem Schießwettbewerb ihre Besitzer. Mit Jagdgewehren und unerschiedlichsten Modalitäten wurden die Gewinne in Form von Tieren/Gegenständen von Schießlustigen ausgeschossen. Jedes Los ("Loos") kostete 10 Silbergroschen. Der Ursprungseigentümer kassierte das eingesetzte Loos-Geld, der Sieger den Gewinn (manchmal das 30-fache des Einsatzes) und auch der Wirt machte seinen "Profit" über den guten Getränke-Umsatz, zumal manchmal über 60 Schießlustige und zahlreiche Schaulustige bei diesen Wettbewerben dabei waren. So wurden in der Zeit neben den unten in den Inseraten aufgeführten Wettbewerben auch Uhren von Uhrmacher Mathias Gerhard Kaulard oder von Lambert Nießen aus Huppenbroich ein 2 1/2 jähriges Rind ausgeschossen.

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Quellen: Buch von Gerd Lauscher, "Wirtshauswesen-Kleinhandel-Trinkgewohnheiten im 19. Jahrhundert" sowie Auszüge aus den Zeitungen "Stadt- und Landbote 1861/62 und eigene Recherchen.

                                    08.02.2015 - Ludwig Siebertz