Die Geschichte Eicherscheids im Detail 

Wir, im Arbeitskreis "Geschichte Eicherscheid", waren der Meinung, dass der Beitrag von dem Eicherscheider, Bernhard Förster, aus dem Jahre 1981, veröffentlicht im Eifelvereinsbuch von 1995 zur Geschichte Eicherscheids, im Detail auch dem heutigen Wissen zur Entstehung unseres Ortes entspricht.

Dank gilt daher einmal posthum dem Autor, Bernhard Förster, für dieses sehr detaillierte Dokument sowie dem Eifelverein Eicherscheid für die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf unseren Websites.

Aus der Geschichte von Eicherscheid von Bernhard Förster * 24.04.1954 - gest. 1982

Quelle: Buch "Eicherscheid - Ein Eifeldorf erinnert sich", Herausgeber Eifelverein, Ortsgruppe Eicherscheid, 1995

Der Autor des folgenden Aufsatzes, Bernhard Förster, hat sich bereits als junger Mann intensiv mit der Heimatkunde und -forschung befaßt. Er wurde in seiner Arbeit unterstützt und geprägt von dem Eifelhistoriker Hans Steinröx aus Konzen. Dieser unterrichtete Bernhard Förster am Gymnasium. Beide Männer, die sich um unsere Eifelheimat verdient gemacht haben, dankt die Redaktion für die nächsten Zeilen dieses Kapitels:

Einleitung

Nicht erst seit dem Zeitalter des Tourismus fällt die verkehrsbezogene wie witterungsmäßige, aber auch landwirtschaftlich nicht sehr günstige Lage Eicherscheids auf, was, wie wir ja wohl schließen dürfen, kein Zufall ist. So hat Eicherscheid nie im Rampenlicht des Lebens im Monschauer Land gestanden und hat doch eine alles andere als friedvolle oder gar langweilige Geschichte.

Der folgende Abriß soll nicht bei der ersten Fundamentlegung beginnen, die zudem zeitlich unbekannt ist, sondern auf der berühmten Scholle, auf dem sie stattfand.

Oberwald und Fronrath

Sind auch in unserer Gegend, wie im Rurtal bei Hammer und Woffelsbach oder bei Zweifall, Zeugnisse aus steinzeiticher Besiedlung gefunden worden, können wir, gerade für unsere Gegend, nicht eine dauernde Besiedlung in unserem Sinne annehmen. Bei den damaligen Möglichkeiten an Siedlungsräumen können unsere Höhenzüge mit ihrer - für ein natürliches Leben ungünstigen - Witterung keine Verlockung zur Dauerbesiedlung gewesen sein. Die erste schriftliche Bemerkung über unser Land machte wohl Julius Caesar in einer Gebietsbeschreibung der Ardennen, die für ihn das Großgebiet zwischen Schelde, Maas, Nahe und Rhein waren, also neben den heutigen Ardennen, Eifel und Hunsrück noch einen großen Teil Belgiens, innerhalb seines Buches über den Gallischen Krieg. Er beschreibt es darin als zusammenhängenden, undurchsichtigen Wald. Die Römer hatten, im Kriegszustand mit den Germanenstämmen, wohl noch kein besonderes Interesse an dem fast unbewohnten Gebiet, das wegen der dichten Bewaldung und der unübersichtlichen Landschaft keine sehr vorteilhaften Siedlungs- und "Zivilisations"-bedingungen hergab.

Die Funde aus dieser Zeit stammen aus der Spätzeit der römischen Herrschaft um 200 n. Chr.. Hierzu zählt auch eine Hausanlage in der Eicherscheider Flur "Bongert", deren Reste von Herrn Hans Steinröx und dem damaligen Außenbeamten des Rheinischen Landesmuseums in Aachen, Dr. Cüppers, im Jahre 1958 ausgegraben wurde. Es wurde als erhaltender Teil die rückwärtige Außenmauer auf eine Länge von 26 m verfolgt und mit den noch auf 1,50 m nachgewiesenen seitlichen Außenmauern freigelegt. Dazu wurden Reste von Schüsseln, Bechern, Töpfen und Eisenteilen gefunden.

Im dritten Jahrhundert beginnen mit dem allmählichen Zerfall des Reiches die Einfälle der Franken in die Länder links des Rheins und später der Maas. Jedoch wird auch in einer Urkunde vom Jahre 650 noch angeduetet, dass von Zivilisation bis dahin keine Rede sein kann, König Siegebert schenkte den Klöstern Malmedy und Stablo ein Gebiet von 12 Stunden Durchmesser in seinem "öden und von wilden Tieren bewohnten" Ardennenwald.

In der Zeit der Karolinger gehörte das Monschauer Land zum Karolingischen Bannforst, und hier zum sog. Oberwald, neben dem Unterwald, dem Dürener Land, dem jeweils ein Waldgraf vorgestellt war. Mit dem sich entwickelnden Lehenswesen etablierten sich neben den Waldgrafen die Burggrafen. Beide hatten zwar in der Hauptsache verschiedene Kompetenzen, was jedoch nicht Überschneidungen und damit Streitigkeiten ausschloß, sondern vielmehr förderte. Unter den Sachsen- und Salierkaisern unterstand der damals dominierende Königshof Konzen mit den umliegenden Höfen dem Pfalzgrafen zu Aachen.

Um in besagtem Oberwald "Eicherscheid" zu finden, müssen wir aber noch einen großen Sprung in die Rodungsperiode des gotischen Mittelalters tun. Im Jahre 1306 schließen Graf Reinhold I. von Monschau und Graf Gerhard von Jülich einen Vertrag über eine Mühle, genannt Eygenscheidt. Daß auf dem heutigen Ortsgebiet aber noch keine Siedlung existiert hat, muß man maßgeblich aus einem Zeugenverhör aus dem Jahre 1550 schließen, das mit Eicherscheider und Huppenbroicher Bürgern durchgeführt wurde, um wegen eines Streits um den Lehnshof Eicherscheid-Huppenbroich dessen Größe zu bestimmen und zu bezeugen. Ein Hens uff Taelscheit, in "Eytscheit" geboren und "ungeferlich 83 iar" alt, gibt zu Protokoll, in seiner Jugend hätte die Siedlung Eytscheit höchstens 16 bis 18 Feuerstellen umfaßt, wogegen es heute (1550) "wol uber die 50 seyn".

Von seinen Eltern habe er gehört, daß ein Dorf Froen-Eytscheit existiert habe, und zwar "Froen-Rode, da das gericht nu steyt". Das "soll affgebrannt syn". Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Dörfer Eicherscheid und Froen-Eytscheit, bzw. Fronrath nicht gleichzeitig existiert haben. So heißt es in der Aussage auch weiter, daß die Fronrather daraufhin um die Erlaubnis nachgesucht haben, weiter weg in den Busch zu bauen, d. h. zu roden. Hierfür überließen sie den "Herren" Land auf ihrer ehemaligen Flur. "...und die naber hetten eynen benden gehadt zu Froen-Rode, den sy dene herrn gelassen...". Dieser Akt ist wohl noch in den Flurnamen "Herrenbend" in dieser Gegend erhalten. Die Aussage, das Dorf sei abgebrannt und die Tatsache, daß es nicht wieder aufgebaut wurde, sondern ein neuer Siedlungsraum gesucht wurde, deutet fast notwendigerweise auf gewltsame Entwicklungen hin, wie es auch der Volksmund wissen will. Unter den vielen kleinen Fehden der fraglichen Zeit fällt auch eine größere im Jahre 1400 auf, als Walram von Schleiden, der Fürstabt von Malmedy-Stablo, Monschau belagerte, jedoch bis nach Konzen zurückgedrängt und dort in einer Entscheidungsschlacht geschlagen wurde. Da solche Kriegszüge von seiten der eindringenden Heere regelmäßig von Plünderungen und Brandschatzungen unbeteiligter Dörfer begleitet wurden, ist es durchaus denkbar, daß Froen-Rode Opfer eines solchen Raubzuges geworden ist.

Wenn man nun bedenkt, daß der Zeuge die Größe Eicherscheids in seiner Jugend, also zwischen 1470 und 1480 mit nicht mehr als 18 Feuerstellen angibt, was vielleicht 80 bis 90 Bewohnern entspricht und es 1550 bereits über 50 sind (jedenfalls über 200 Bewohner), kann man für die Zeit vor 1400 noch keine Siedlung annehmen, wenn auch dann die Mühle "Eygenscheyt" nicht in diesen direkten Zusammenhang passen will, was aber nicht deren Existenz ausschließen soll und auch nicht braucht. Die erste urkundliche Erwähnung findet man 1463 in der Konzession zur Nutzung des Wasserwerkes in Hammer. Die Belgenbacher Mühle wird 1544 in einem Pachtvertrag zwischen dem Jülicher Herzog Wilhelm und Lucas von Lutterbach als "moelen in der belgenbach" bezeichnet, so daß zu dieser Zeit entweder die Bezeichnung Eicherscheider Mühle nicht mehr gängig war oder die beiden Namen verschiedene Mühlen meinten, was aber die Frage nach dem Verbleib der ersten hervorrufen muß.

Fortsetzung folgt!