Autor der Tagebücher war Johann Michael Förster, * 1879  † 1965, langjähriger Küster von Eicherscheid,

Das Jahr 1914

J. M. Förster hat die ersten 2 Jahre des 1. Weltkrieges von 08/1914 - 04/1916 in einem Tagebuch sehr detailliert dargestellt. In diesen Aufzeichnungen sind unschwer die Nöten und Ängste für die Zukunft der Familien und des Vaterlandes aber auch ein gewisser Patriotismus zu erkennen. Die ersten Monate, insbesondere auch die Zeit der Mobilmachung, finden Sie im Folgenden wortgetreu und ungekürzt; die weiteren Darstellungen sind in einer Zusammenfassung dargestellt.

"Nachdem schon seit einer Woche die Zeitungen allerhand Kriegsgerüchte gebracht hatten, sollte am 31.07.1914, Anfang des großen Weltendramas, der Anfang des großen völkermordenden Krieges sein. An diesem Tage hatte ich in der Brommbach Gras gemäht. Als ich am Abend 1/2  9 Uhr nach Hause ging, hörte ich schon unterhalb des Dorfes in der Kuhl das über das Gebiet des VIII. Armeechorps der Kriegszustand verhängt sei. Um 6 Uhr sei die Depesche angekommen. Mehrere Leute der älteren Jahrgänge müßten sich noch heute Abend in Montjoie stellen.

An der Wirtschaft Junkersdorff gegenüber der Kirche hing ein großes Plakat mit allerhand Verfügungen über den Kriegszustand. Wohl ein Dutzend Leute standen dabei lesend und die Ereignisse des Tages besprechend. Diese sagten mir, der Polizeidiener sei nach Hammer, um auch dort bekannt zu machen. Derselbe mußte sich heute Abend oder Morgen früh zur Bewachung der Bahnstrecken auf den ihnen zugewiesenen Bahnstationen stellen. Aus der Wirtschaft heraus hörte ich lautes Gespräch über Krieg, Fortgehen usw.. Eintretend gewahrte ich hier, wie der Wirt Förster und Junkersdorff darüber uneinig waren, ob sie bis Morgen früh warten könnten. Einige der Umstehenden rieten ihnen schließlich an, zu warten. Der Diskussion wurde ein Ende gemacht, als der Herr Ortsvorsteher, Andreas Offermann, in der Tür erschien und ihnen klar machte, daß sie sich ihrem Paß gemäß sofort nach dem bekannt werden des Kriegszustandes zu stellen hätten. Da gibt's kein Warten mehr. Noch am selben Abend also gingen die beiden Wirte, Junkersdorff und Förster zur Bewachung der Bahnstrecken auf den ihnen angewiesenen Stationen; ebenfalls aus der Wirtschaft heraus sodann Hubert Kaulard und Johann Thomas zu ihren Gestellungsorten. Wie ich hörte, haben sie in derselben Nacht auch schon Dienst Dienst getan.

Der Postagent Mathias Kaulard, unser Nachbar, mußte ununterbrochen am Telephon stehen. Gegen 2 Uhr in der Nacht wurde auch er abberufen nach Losheimergraben. Morgens 5 Uhr /Samstags ging mein Schwager, Paul Jansen, um sich in Ulfingen hinter St. Vith zu stellen. Ebenso noch mehrere andere vom geübten Landsturm und Landwehrmänner, deren Aufgabe es war, die Bahnstrecken und Bahnhöfe zu bewachen. Zusammen mochten wohl 11 Mann fort sein.

Bis Samstag Mittag erwartete man die Mobilmachung. Als diese aber noch immer nicht bekannt gemacht wurde, beruhigten sich allmählich die aufgeregten Gemüter und man dachte schon, es würde wohl doch nicht ernst werden. Wie der Mensch geneigt ist, immer wieder das Gute und Beste zu hoffen und zu erwarten. Ich ging Mittags nach der Kirche zum Heu. Aber schon Abends auf dem Heimwege erfuhr ich, dass die Mobilmachungsorder eingetroffen sei. Nun fing die Sache doch an, unheimlich zu werden. Das ganze furchtbare eines Krieges mit den modernen Waffen der Jetztzeit stieg einem unaufhörlich vor die Seele. Wieviel Jammer, Elend und Not mußte ein solcher Krieg mit sich bringen. Wir Deutsche und Österreicher mußten ja nach 2 Fronten kämpfen, gegen Frankreich und Rußland, soviel man hier aus den Zeitungsberichten wußte.